Mittwoch, 15. August 2012, 23:42 Uhr

ParaNorman: Der aufwändigste Puppentrickfilm aller Zeiten kommt in 3D

Die Macher des Oscar-nominierten Meisterwerks „Coraline“ melden sich am 23. August mit „ParaNorman“ zurück und legen erneut einen außergewöhnlichen Familienfilm mit witzigen Figuren und einer gruselig-charmanten Geschichte vor.

Einzigartig ist der Film von Sam Fell („Flutsch und weg“) und Chris Butler („Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“), der selbst das Drehbuch verfasste, im Zeitalter der vollanimierten Filmtechniken gerade in technischer Hinsicht. Denn während er einerseits durch hochklassige Stop-Motion-Animationen, wie man sie aus uralten Puppentrickfilme kennt, besticht, ist „ParaNorman“ auch erst der dritte Film dieser Art, der in modernster 3D-Technik entstanden ist.

„ParaNorman“ ist die bislang aufwendigste Stop-Motion-Produktion aller Zeiten und nach LAIKAs „Coraline“ und Aardmans „Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ erst der dritte Stop-Motion-Film, der in stereoskopischem 3D realisiert wurde.

Den herzig-skurrilen Mix aus Gruselkomödie und Coming-of-Age-Drama präsentieren die „Coraline“-Produzenten Arianne Sutner und Tim Knight, der bei „ParaNorman“ zugleich als einer der federführenden Animatoren fungiert.

Zum kreativen Team von „ParaNorman“ zählen des weiteren Kameramann Tristan Oliver („Der fantastische Mr. Fox“, „Chicken Run – Hennen rennen“), der preisgekrönte Produktionsdesigner Nelson Lowry („Der fantastische Mr. Fox“, „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“), das bewährte „Coraline“-Team Cutter Christopher Murrie und Kostümbildnerin Deborah Cook sowie der Grammy-nominierte Komponist Jon Brion („Vergiss mein nicht“, „Magnolia“).

Produzentin Arianne Sutner beschreibt Stop-Motion als eine Kunstform, bei der „die Figuren absolut lebensecht und sämtliche Sets handgearbeitet sind. Und jedes Detail wird dreidimensional umgesetzt.“ Produzent Travis Knight fügt hinzu: „Diese Arbeitsweise geht bis zu den Anfängen des Kinos zurück. Keine andere Form der Animation – so wundervoll sie auch sein mag – bietet so viel Charme, Wärme und Schönheit. Und da man buchstäblich nur eine einzige Chance bekommt, alles richtig zu machen, ist jedes Bild, jede Aufnahme ein Drahtseilakt. Generationen von ambitionierten Animatoren haben zu Hause im Keller oder in der Garage mit dieser Technik experimentiert, und das tun sie auch weiterhin. Es ist für jeden ein magischer Moment, wenn es gelingt, etwas lebendig werden zu lassen.“

Da für jedes Bild jedes Detail von Menschenhand geschaffen und positioniert wird, nahmen ein bis zwei Filmminuten schon mal eine ganze Woche in Anspruch.

Die Charaktere in „ParaNorman“ werden mit Hilfe einer einzigartigen Kunstform zum Leben erweckt. Man könnte einen Stop-Motion-Film durchaus mit einem Spielfilm vergleichen: Auch hier gibt es echte Sets, die gebaut und ausgestattet werden, und Darsteller, die frisiert, eingekleidet und richtig ausgeleuchtet werden müssen. Und sie brauchen einen Regisseur.

„Wer mit Stop-Motion-Technik – oder, wie wir in England sagen: Stop-Frame – arbeitet, muss es lieben… und zwar über Jahre.“ Regisseur Sam Fell, der sich die Kunst selbst beigebracht hat, spricht aus jahrelanger Erfahrung. „Bei ‚ParaNorman‘ wollten wir die Animation mit neuer Frische angehen. Alles sollte weniger bühnenhaft und mehr nach Kino aussehen. In ‚ParaNorman‘ passiert so viel, was sich eigentlich nicht für Stop-Motion eignet: Massenszenen mit vielen Statisten, Verfolgungsjagden, Durcheinandergerede, Nah- und Gegenaufnahmen – und zwei Drittel der Handlung spielt sich draußen ab.“

Das Publikum wird zwar nie „unter die Haut“ der Puppen sehen, aber Gestaltung und Konstruktion müssen auf den Punkt sitzen und funktionieren, damit die Animatoren ihre Puppen spielen und Emotionen zeigen lassen können.

Diese ausgeklügelte „Ersatz“- oder auch Austausch-Animationstechnik kommt im Film schon früh zum Einsatz, wenn Norman beim Zähneputzen eine Zombie-Grimasse vor dem Spiegel schneidet. Noch vor wenigen Jahren wäre diese Szene so nicht möglich gewesen: 150 Gesichter wurden dafür auf- und abmontiert. „Eine Filmsekunde hat 24 Bilder, wir hatten 24 Münder pro Sekunde“, veranschaulicht Hayns.

„So ein Puppenkopf ist wie ein Schweizer Uhrwerk. Der Animator verändert den Gesichtsausdruck der Figur von Hand; Augenbrauen, Kiefer, Lippen – alles wird justiert. Es gibt winzige Gelenke, die Köpfe und Gesichter in Bewegung setzen, sowohl bei der Austausch-Technik wie auch bei der mechanischen.

Für Hauptdarsteller Norman wurden 28 „Doubles“ angefertigt, jedes knapp 22 Zentimeter groß. Sein Skelett besteht aus 122 Einzelteilen, darunter allein 80 Metallkomponenten.

Und darum geht’s in dem Film: Norman ist nicht nur ein von seinem Umfeld missverstandener Außenseiter, sondern hat auch eine Gabe, die ihn von allen anderen Kindern unterscheidet. Denn der Junge kann mit den Toten sprechen. Seine ungewöhnlichen Fähigkeiten erweisen sich als ausgesprochen nützlich, als Normans Heimatstädtchen eines Tages von Zombies belagert wird. Beim Versuch, sein Zuhause und seine Familie von einem Jahrhunderte alten Fluch zu befreien, bekommt der junge Geisterflüsterer es allerdings nicht nur mit Zombies, sondern auch mit Gespenstern, Hexen und nicht zuletzt nervtötenden Erwachsenen zu tun. Bald scheint sein paranormales Können an übernatürliche Grenzen zu stoßen…

Fotos: Universal Pictures