Sonntag, 09. September 2012, 20:45 Uhr

So entstand Deutschlands erste romantische Männer-Komödie

Frank Christian Marx ist nicht nur ein sympathischer Berliner Zeitgenosse der offenbar ständig unter Strom steht, sondern auch Hauptakteur in der neuen schrägen Kinokomödie ‘Männer zum Knutschen‘, die seit Donnerstag in den deutschen Kinos läuft.

Die Geschichte von der Entstehung des Films und dessen Reise rund um die Welt ist so außergewöhnlich, dass wir uns mit dem Hauptdarsteller treffen und ihn am Jackett festhalten mußten – damit er nicht zum nächsten Termin stürzt…

So erfuhren wir, wie eine Independent-Produktion ins Laufen kommt und wie steinig der Weg bis zum Erfolg ist.

Dein erster Film ‘Männer zum Knutschen’ ist in die Kinos gekommen. Mit dem Ergebnis zufrieden? Wie ist die Resonanz des Publikums?
Ich bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Der Film ist als eine kleine Produktion gestartet und jetzt schreiben Tageszeitungen über uns und der ‘Spiegel’ nennt uns eine “charmante Komödie”. Abzusehen war das alles nicht. Als wir vor zwei Jahren mit den Dreharbeiten begannen, hatten wir mit starken finanziellen Problemen zu kämpfen, weil die Filmförderungsanstalten in Deutschland uns nicht unterstützten und wir komplett auf uns alleine gestellt waren. Aber wir waren schon von Anfang an ein Team, das ich heute als meine Familie bezeichne und gemeinsam arbeiteten wir wie die Blöden daran, unsere Vision entstehen zu lassen. Direkt nach Fertigstellung schickten wir leicht größenwahnsinnig dem Mardi Gras Filmfestival in Sydney/ Australien eine Kopie und wurden völlig überraschend dorthin eingeladen um den Film zu präsentieren.
Die Leute waren ganz aus dem Häuschen und wir mussten sogar noch eine Zusatzvorstellung geben. Danach ging alles sehr schnell und die einschlägigen Film-Festivals in USA entdeckten den Film. Von April bis Juni verbrachte ich zwei Monate damit, den Film auf zahlreichen Festivals vorzustellen und reiste so an wundervolle Orte wie Hawaii und San Francisco.

Eure Beziehungskomödie über schwule Männer kommt ja auch als leichtfüßiger Werbefilm für das queere Berlin daher. Wie kam das bei den 20 Festivals im Ausland an, auf denen ihr ‘Männer zum Knutschen’ gezeigt habt?
Berlin ist unglaublich hoch angesehen in der Welt. Für das Ausland strahlt die Stadt Freiheit, Unabhängigkeit und auch Verrücktheit aus. Themen, die auch in unserem Film verankert sind. Die vorherrschende Meinung über das “queere” Leben in Berlin ist allerdings, dass es sehr von Sex geprägt ist, was so sicher auch stimmt mag, aber wir wollten in unserem Film ein etwas mehr entsexualisiertes Berlin zeigen. Insofern war es gerade für Amerikaner sehr schön, mal eine andere Sichtweise auf die Stadt zu bekommen. Und nachdem die ausländischen Kritker ‘Männer zum Knutschen’ gesehen hatten, wollten viele von denen gleich die Koffer packen und herkommen (lacht).

Was unterscheidet Euren Film von den hunderten anderen schwulen Tralala-Stoffen und denen, die es in Deutschland nur auf DVD schaffen?
Ich denke, dass es auch echt gute schwule Filme auf DVD gibt, die nie das Glück hatten ins Kino zu kommen. Aber wir haben alles auf eine Karte gesetzt, wir wollten unbedingt einen Kinostart und haben ohne Marketingmaschinerie, nur durch Portale wie Facebook das Interesse am Film versucht anzuheizen, haben dann die Kinos selber angeschrieben und Unmengen von Anfängerfehlern gemacht. Das hätte auch komplett schief gehen können.

Warum müssen die Medien einem Film heute noch das Etikett “schwul” aufdrücken? Für euch ist es zwar eine ganz normale Beziehungskomödie, aber sie kommt ja auch nicht ohne Berliner Trash-Szenegrößen aus.
Wir haben mit unserem Verleih regelrechte Kriege ausgefochten, weil wir uns in erster Linie als Komödie gesehen haben und nicht als schwule Komödie (grinst). Sicher steht bei uns ein schwules Paar im Vordergrund, aber die Sexualität wird niemals angesprochen oder gar problematisiert. Das ist überhaupt nicht wichtig. Das Grundproblem im Film, nämlich dass jemand aus deinem Freundeskreis Probleme mit deiner Beziehung hat und dieses Problem am liebsten eliminieren will, kann in heterosexuellen Beziehungen genauso vorkommen. Dem Film das Etikett “schwul” anzuhängen war unsere gemeinsame Entscheidung, um den Film zu positionieren. Heterosexuelle Männer werden sich ob seiner Verrücktheit mit dem Film nicht gerade einfach tun, aber Frauen amüsieren sich prächtig. Und die Berliner Trash-Szenegrößen sind Menschen, die mein gesamtes Leben in Berlin mit geprägt haben. Deswegen war es auch ganz klar, dass sie ihren Platz im Film finden werden. Gerade die Szene mit Ades Zabel wird von vielen Zuschauern als eine ihrer Lieblingsszenen benannt.

Das Goethe-Institut unterstützt dich und deinen Produzenten-Kompagnon und Filmkollegen Udo Lutz. Wie habt ihr das geschafft, worin besteht die Unterstützung und wie sieht die in der Tat aus?
Einige private Spender haben uns geholfen. Aber nach unserer erfolgreichen Premiere in Australien schrieben wir eine Email an German Films, eine Institution, die deutsche Filme im Ausland unterstützt. Sie bezahlten mir den Flug in die USA, so dass ich die Möglichkeit hatte, den Film dort zu promoten. Angespornt von deren Hilfsbereitschaft schrieben wir auch noch das Goethe-Institut in Boston an und luden sie zu einer Vorstellung in der Stadt ein. Dieses Institut gibt es ja in vielen Städten der Welt und soll Deutschland in der übrigen Welt richtig und gut präsentieren. Die erkannten, dass wir mit unserem Film ein farbenfrohes, unterhaltsames und sehr ansprechendes Bild von Deutschland entworfen hatten und überraschten uns vor ein paar Wochen, als sie sich bereit erklärten, unsere Reise zum Filmfestival in Tokyo zu sponsern. War die USA noch relativ dicht an unserem Land dran, bin ich demnächst sehr auf die Kulturunterschiede in Japan gespannt.

Rosenstolz haben ihren Song ‘Blaue Flecken’ beigesteuert. Wie kam es dazu?
Wie so oft haben wir gar nicht groß nachgedacht, sondern haben einfach frech angefragt ob wir den Song haben dürfen. Ein Freund von mir kannte den Fitnesstrainer von Peter Plate und hat ihm den unfertigen Film gegeben. An der entsprechenden Stelle hatten wir das Lied schon reingeschnitten, um der Band zu zeigen wie schön es dazu passen würde. Große Erfolgschancen rechnete ich mir allerdings nicht aus. Aber zwei Tage später kam ein Anruf vom Manager von Rosenstolz, dass wir den Song haben dürfen. Ich hab am Telefon einen Glücksschrei ausgestoßen. Ich muss sagen, dass Rosenstolz tatsächlich immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt haben. Ich war auf unzähligen Konzerten und kenne alle Lieder auswendig. Man darf mich als Fan bezeichnen.

Woran mangelt es Deiner Meinung nach bei Großproduktionen mit schwuler Thematik?
Es mangelt an Mut. Schwule können als Nebenfiguren in großen Produktionen herhalten oder als Charaktere in Soaps, aber wir sind die erste romantische deutsche Kino-Komödie, die ein männliches Paar in den Vordergrund stellt und dem Format Romantic Comedy andere Vorzeichen gibt. Wie hat jüngst eine Kinokritikerin geschrieben: “Die klassiche romantische Komödie” ist in der queeren Welt angekommen”.

Wie bist Du zur Schauspielerei gekommen?
Ich bin schon als kleines Kind durchs Wohnzimmer gesprungen und habe so getan als wäre ich die Helden meiner Kindheit, wie zum Beispiel Atreju in “Die unendliche Geschichte”. Ich hab den Film nachgespielt und bin auf die Schränke geklettert um Szenen nachzustellen. Einmal bin ich dabei von der Kommode gefallen und habe mir eine Narbe zugezogen, die ich jetzt noch über dem rechten Auge habe. Zum ersten Mal stand ich dann als Prinz in der Schulaufführung von “Schneewittchen und die sieben Zwerge” auf der Bühne und im folgenden spielte ich jedes Jahr im Schulstück und später im Jugendtheater unseres Theaters in Trier. Schließlich studierte ich Schauspiel in Stuttgart und spielte danach zehn Jahre Theater. Meine erste Fernsehrolle hatte ich dann vor drei Jahren an der Seite von Senta Berger.

Du bist von Deiner Agentur gefeuert worden weil du schwul bist?
Das war damals ein ziemlicher Schock für mich. Ich kenne so viele Kollegen, die in Interviews von ihren erfundenen Freundinnen erzählen. Ich wollte ein Zeichen setzen und mich nicht vestecken. Es ist doch ein Ammenmärchen zu glauben, dass Zuschauern die Illusionen geraubt wird, wenn sie plötzlich wissen dass Schauspieler oder Moderatoren schwul oder lesbisch sind. Als Anne Will sich geoutet hat, hatte ich riesigen Respekt vor ihr. Ich glaube wenn so manche internationale Schauspieler ihr wirklich bevorzugtes Geschlecht offenbaren würden, würde es auch nicht länger ein Problem darstellen.

Für den Film habt ihr eine Produktionsfirma ‘Ente Kross’ gegründet. Warum ist sowas notwendig?
Das ist allein schon deswegen notwendig, um die ganzen rechtlichen Sachen und Steuerangelegenheiten zu regeln. Ich habe ja nicht als Einzelperson den Film gemacht, sondern zusammen mit meinem Geschäftspartner Udo Lutz und mit unserer Firma sind wir jetzt in der Lage, weitere Projekte zu realisieren. Wir arbeiten gerade zeitgleich an unserem neuen Film, an zwei Co-Produktionen. Der Name “Ente Kross Film” rührt übrigens von einem Restaurantbesuch bei einem Chinesen her, als wir nach wochenlanger Namenssuche plötzlich einem spontanen Einfall gefolgt sind.

Euer Film ist eine Low-Budget-Produktion. Wie wollt ihr das in Zukunft ändern?
Mit einer unabhängigen Produktion hat man natürlich die Möglichkeit, einen Film zu machen wie man ihn selber will. Sobald Investoren oder Sender dazukommen verliert man schnell die Kontrolle. Die Kunst liegt darin, Menschen zu finden, die genau den Film unterstützen wollen, den du auch machen willst. Unsere Kontakte, die wir in den letzten Monaten geknüpft haben sind dabei natürlich Gold wert. Für unseren nächsten Film brauchen wir sehr viel mehr Budget. Sehr, sehr viel mehr (lacht)

Dein nächster Film ‘Nancy Pansy Hairy Mary’ wird ein Stoff über einen homophoben Serienkiller. Worum geht’s darin?
Der Film wird von uns co-produziert und ist eine Geschichte über zwei Männer, die beide viel in ihrem Leben verloren haben. Als sie sich begegnen, wird eine Energie entfesselt die vielen homophoben Menschen das Leben kosten wird. Doch inmitten ihres Hasses stellt sich ihnen ihr schlimmster Gegner in den Weg: die aufkeimende Zuneigung der beiden. Der Film geht der Frage nach, wieviel Wert Hass hat und wieviel Wert die Liebe. Ein unglaublich kontroverser Film, der die die Meinungen der Leute spalten wird.

Du bist ja der perfekte Typ ‘Jeans Model’. Reihenweise Frauen fahren auf dich ab. Flattern da nicht schon Angebote ins Haus und wie gehst du damit um?
Ich habe selber schon Freundinnen gehabt. Ich mag generelle Schubladen nicht. Ich wollte aber niemals in meinem Leben bisexuell sein. Ich kann mir nicht vorstellen mit einer Frau zusammen zu sein und Männern hinterherzugucken oder mit einem Mann zusammen zu sein und Frauen hinterher zu gucken. Damit sage ich nicht dass Bisexualität keine Entscheidung ist, zumal ich glaube, dass wir das alle in uns tragen. Aber für mich ganz persönlich beschränke ich mich auf meine Zuneigung zum gleichen Geschlecht. Keine Ahnung, ob sich das jemals ändern wird, darüber denke ich nicht nach. Ich gehe mit Angeboten von Frauen nicht anders um wie mit Angeboten von Männern. Ich bin jedes Mal geschmeichelt und versuche dem mit Witz und Charme zu begegnen. Jedenfalls dem bißchen Charme was meine Mutter mir in die Wiege gelegt hat, die übrigens auch eine wundervolle Frau ist.

Welche Hobbys betreibst Du?
In meiner Freizeit treffe ich mich am liebsten mit meinen Freunden, gehe ins Kino oder wir hauen uns auf die Couch und veranstalten DVD Abende. Außerdem liebe ich Karaoke singen.

Wäre das nicht mal Stoff für eine wahre Doku-Komödie: Die ganzen Szene-Transen Deutschlands mit ihrem kompletten Fummel ins Dschungelcamp stecken und sehen was passiert?
Das wäre ein Format, das ich mir wirklich angucken würde. Damit würde ich meine Fernsehpause von mehreren Jahren sogar unterbrechen. Aber du würdest überrascht sein. Einige von diesen Transen sind zehnmal mehr Kerl als du denkst und hätten vor Spinnen, Würmern und Schlangen so gar keine Angst. Vielleicht werde ich so eine Szene mal in einen unseren nächsten Filme einbauen. Ich selbst aber würde noch nicht mal eine Stunde im Dschungelcamp durchhalten. Dafür bin ich viel zu sehr Weichei (lacht)

 

Fotos: klatsch-tratsch.de/Michael Fricke (Planexi)