Mittwoch, 12. September 2012, 18:07 Uhr

Paul Banks mit neuem Album: Der Interpol-Frontmann solo

Mit Interpol hat der in den USA lebende, gebürtige Brite Paul Banks der Ästhetik unterkühlter Distanziertheit, die auch Künstler wie Joy Division oder Nick Cave berühmt machte, zu neuem Glanz verholfen. Mit mehr als zwei Millionen weltweit verkaufter Alben zählen Interpol zu den wichtigsten neuen Rock-Acts des vergangenen Jahrzehnts. Nachdem die Band derzeit eine Auszeit nehmen, haben die Mitglieder zahlreiche Projekte angestoßen.

Als erster reüssiert nun Frontmann Paul Banks am 19. Oktober mit dem Soloalbum „Banks“ – seinem zweiten Alleingang nach „Julian Plenti Is… Skyskraper“, das er 2009 unter dem Pseudonym Julian Plenti veröffentlichte. Mit „Banks“ zeigt sich der charismatische 34-Jährige von einer überraschend persönlichen, geradezu intimen Seite.

Die Songs seines neuen Soloalbums wird er Anfang 2013 erstmals live in Deutschland vorstellen. Zwischen dem 28. Januar und dem 9. Februar gastiert er in Frankfurt, Köln, Berlin und Hamburg.

Die Auseinandersetzung mit dem Wechselspiel zwischen Kunst, Politik und Gesellschaft gehört zu Paul Banks wie die Gitarre zur Rockmusik. Der in England geborene, in den USA, Spanien und Mexiko aufgewachsene Sänger und Gitarrist studierte zunächst in New York Englisch und vergleichende Literatur und arbeitete an zahlreichen Theaterproduktionen mit, bevor er sich stärker auf die Musik konzentrierte. 1997 stieg er bei Interpol ein, die gleich mit ihrem Debütalbum „Turn On The Bright Lights“ 2002 zu wahren Lieblingen der Kritiker aufstiegen und in der Folge zu einer der wichtigsten Rockbands des neuen Jahrtausends wurden. Ihre Ästhetik zwischen kraftvollen Rocksongs, unterkühlter Distanz und perfekt temperierter Melancholie passte ideal in die Zeit, viele Magazine wählten das Album unter die besten des Jahres.

Mit den folgenden Alben „Antics“ (2004), „Our Love To Admire“ (2007) und „Interpol“ (2010) mehrte das Quartett die internationalen Erfolge stetig. In den USA und England stiegen die letzten beide Werke sogar in die Top 10, in Deutschland enterten sie stets die Top 20. Mehr als zwei Millionen verkaufte Tonträger sowie Tourneen mit u.a. U2 und aufwendige Videoclips, die teils von Hollywood-Größen wie David Lynch gedreht wurden, schufen eine aufregende künstlerische Aura rund um Interpol.

Der Ausstieg ihres Bassisten Carlos Dengler veranlasste Interpol 2010, vorübergehend eine Pause einzulegen. Dies gab Paul Banks Gelegenheit, sich erneut seinen Solo-Ambitionen zu widmen. Bereits 2009 hatte er unter dem Pseudonym Julian Plenti ein unkonventionelles, mit der New Yorker Subkultur flirtendes Album aufgenommen, das von der Kritik mit viel Begeisterung aufgenommen wurde.

„*Julian Plenti* war etwas, das ich machen musste“, erklärt Banks. „Aber sobald das erledigt war, gab es keinen Grund, weiter daran festhalten. Diesmal habe ich versucht, mich von der Idee einer ‚Figur’ zu lösen. Ich mache ganz einfach Musik und hoffe, dass sie für sich selbst spricht.“

Das tut sie. Die neuen Songs auf „Banks“ sind beseelt von einer emotionalen Aufrichtigkeit und kompositorischen Authentizität. Paul Banks lässt seine Fans in sein Herz und an seinen Gedanken und Meinungen teilhaben. „Ich habe nicht großartig versucht, auf dem Album als besonders clever rüberzukommen, sondern einfach nur, ehrlich über meine Gefühle zu schreiben und vielleicht ein wenig zu beichten“, sagt Banks über „Banks“. Dies dürfte auch auf die anstehenden Konzerte zutreffen: Einen derart offenen Paul Banks hat man noch nicht erlebt. (mlk)

Fotos: Matador/Helena Christensen