Samstag, 15. September 2012, 19:40 Uhr

"Schwuler Bundesliga-Profi:" Ist das Interview ein Fake?

Der 25-jährige aufstrebende Journalist Adrian Bechtold hatte diese Woche für mächtig Wirbel gesorgt. Er hatte einen “schwulen Bundesligaprofi” für das Online Magazin ‘fluter.de’ interviewt und dieses Gespräch schlug ein wie eine Bombe. Selbst Kanzlerin Merkel schwang sich auf, Fußballprofis zum Outing aufzufordern : “Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat, wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte”.

Ungeachtet dessen kommen nun einige durchaus berechtigte Zweifel an der Echtheit des Gesprächs auf und der Interviewer muß sich doch einige Fragen gefallen lassen. Bechthold wird dem Medienrummel aber offenbar nicht mehr Herr und ist direkt gar nicht mehr zu erreichen. Stattdessen solle man doch Fragen wie nach der Authentizität des Interviews und Belegen dafür an die Bundeszentrale für politische Bildung senden.

Philipp Köster, Chefredakteur des beliebten Kickermagazins ’11 Freunde’ hat das Interview jetzt seziert und einige Ungereimtheiten zutage gefördert. Vor allem wird deutlich: Das Gespräch fördert nämlich gar nichts Neues zutage, sondern reichlich Altbekanntes.

In der Polemik dazu heißt es: “Die Geheimnistuerei, die Bechtold rund um das Interview inszeniert (“Niemand darf von diesem Treffen wissen, denn ihn gibt es nicht”) und die dazu führt, dass nicht einmal die fluter-Redaktion den Namen des Spielers erfahren darf, wird anschließend durch Äußerungen des Spielers vollständig konterkariert. Denn offenbar weiß die Mannschaft, in der er spielt, längst ausreichend Bescheid über seine Homosexualität.”
Das Interview bestehe “ausnahmslos aus Klischees”, die man natürlich von einem Gespräch mit einem schwulen Fußballspieler erwarte.

Einen Beleg für die Echtheit der Aussagen liefert der Autor nicht. ’11 Freunde’ schreibt dazu: “In einer Fußnote unter dem Text verkündet die fluter-Mannschaft, es liege ‘eine Bestätigung des Autors darüber vor, dass das Interview tatsächlich stattgefunden hat’. Was nahelegt, das weder die ‘fluter’-Redaktion noch die Verantwortlichen in der ‘Bundeszentrale für politische Bildung’ den Namen des Profis kennen. (…) Wenn aber außer Bechtold niemand den Namen kennt, hat die Redaktion fahrlässig gehandelt. Angesichts der Brisanz des Themas hätte sie darauf bestehen müssen, dass der Autor ihr vertraulich den Namen des Profis nennt. Vor diesem Hintergrund hätte der Autor die Redaktion in Kenntnis setzen müssen. Und im Falle einer Weigerung hätte die Redaktion den Abdruck des Interviews unbedingt verweigern müssen.”

Hier geht’s zu dem kompletten ’11 Freunde’-Artikel!

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