Samstag, 15. September 2012, 14:55 Uhr

Tom Wlaschiha: Der Star aus "Game Of Thrones" startet durch

Tom Wlaschiha (39) ist einer der viel beschäftigten Stars der deutschen Filmbranche. Seit 1995 ist er zwar regelmäßig in Filmen zu sehen, doch erst in den letzten Jahren spielte er in Nebenrollen in internationalen Großproduktionen wie ‘Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat’, ‘Anonymus’. 2011 folgte die Hauptrolle in dem britischen Spielfilm ‘Resistance von Amit Gupta’.

Neuerdings ist er auch in der HBO-Serie ‘Game Of Thrones’ in der Rolle des Jaqen H’ghar zu sehen und Tom Wlaschihas aktueller Film ‘Frisch gepresst’ kam unlängst in die deutschen Kinos.

klatsch-tratsch.de sprach mit dem gebürtigen Sachsen über seine Projekte.

Wir hier in Deutschland sind sehr verwöhnt vom Erfolg der romantischen Komödien aus Hollywood. Worin besteht der Unterschied von ‘Frisch gepresst’ zu den gängigen US-Komödien?
Naja, so viele Unterschiede gibts da eigentlich nicht. Es spielt eben in Deutschland und nicht in New York. Es ist einfach eine klassische Komödie und im Mittelpunkt stehen eine Frau und zwei Männer. Die symbolisieren zwei völlig unterschiedliche Lebensentwürfe. Das ist eine klassische Konstellation für so einen Film.

Der Film macht sich mehr oder weniger lustig über das irre Leben einer modernen Single-Frau, die plötzlich schwanger wird. Was ist die Botschaft des Films?
Ich weiß nicht genau, ob es eine eindeutige Botschaft gibt. Es ist zwar eine Komödie, aber es gibt auch einige ernste Szenen. Ich denke, der Film ist ein Spiegelbild unserer Generation, die alle Möglichkeiten hat, sich aber nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden kann. Eins kommt dem anderen immer in den Weg. Jeder erkennt da vielleicht ein bisschen was von sich wieder. Es steht ja eigentlich die ganze Zeit die Frage im Raum: ‘Wofür entscheidet man sich jetzt?’ oder ‘Worauf konzentriert man sich?’. Es hat auf jeden Fall einen ernsthaften Hintergrund.

Inwieweit kannst du dich mit deiner Rolle identifizieren? Was würdest du tun in so einer Situation, in der du plötzlich mit dem Vatersein konfrontiert wirst?
Im wahren Leben hab ich das noch nicht erlebt und kann deswegen nicht spontan sagen, wie ich mich verhalten würde. Aber ich kann mich sehr gut in die Situation von Andrea (Diana Amft) hineinversetzen. Es ist wirklich schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Als Schauspielerin bist du ständig unterwegs und beschäftigt, und da muss man dann natürlich abwägen, was wichtiger ist, Familie oder Karriere. Und manchmal muss man die Familie hinten an stellen.

Zunehmend wirst du auch in internationalen Streifen besetzt, wie zuletzt „Resistance“ oder jetzt in ‘Games Of Thrones’. Was ist der Unterschied zu deutschen Produktionen?
Das eigentliche Drehen unterscheidet sich gar nicht so von den deutschen Produktionen. Die Amis kochen auch nur mit Wasser. Es ist natürlich das Ganze drumherum, das einfach größer aufgezogen ist. Die haben einfach ein größeres Budget, sprich mehr Geld und ko?nnen es sich leisten, eine la?ngere Vorbereitungsphase zu haben. Man nimmt sich am Set mehr Zeit und es können mehrere Locations eingeplant werden. Bei deutschen Filmen ist das ja meistens begrenzt.

Jüngst hast du verraten, dass das Casting für die Rolle in ‘Game Of Thrones’ für die erste Casting-Runde via iPhone ablief. Was heißt erste Runde? Wie muss man sich das vorstellen?
Die Serie wird in Irland gedreht. Als die Rollen besetzt wurden, hat man einen Castingaufruf gemacht, der auch meine Agentur erreichte. Dann gibt es sogenannte E-Castings bzw. Online-Castings. Das ist dann die erste Runde, an der Schauspieler teilnehmen, die auf der ganzen Welt verstreut sind. Man kann nicht auf Kosten der Produktion alle nach Los Angeles einfliegen. Deshalb bekommt man einige Szenen, die man selbst aufnehmen soll. Ich hatte gerade keine Kamera zur Hand, sondern nur mein iPhone. Damit habe ich mich dann einfach selbst aufgenommen. Danach werden die Aufnahmen hochgeladen und die Produzenten gucken sich das an. Ich gefiel denen und sie haben mich zu einem perso?nlichen Treffen eingeladen. So habe ich die Rolle bekommen.

‘Games Of Thrones’ dürfte dir den Weg nach Hollywood ebnen. Gibt es weitere Angebote?
Im Moment gibt es noch nichts Konkretes, über das ich reden kann.

Gibt es Filme, die du aus heutiger Sicht lieber nicht gedreht hättest und wenn ja, warum?
Es war sicher der ein oder andere dabei, der nicht den Grimme-Preis verdient hat (lacht). Es ist so, dass es ganz oft danach klingt, als ob ein Schauspieler sich aussuchen könnte, was er machen möchte. Es ist aber eher der Fall, dass man sich aussuchen kann, was man nicht machen mo?chte. Dann ist oft die Alternative, dass man gar nichts macht. Ich sag mal, ein Schauspieler der arbeitet, ist besser als einer, der nicht arbeitet. Deswegen habe ich natürlich an bestimmten Punkten Sachen gemacht, wo ich heute denke ‘Musste das sein ?’. Aber zu diesen Zeitpunkten war es eben wichtig, die Miete zu zahlen.

Was sind deine Traumrollen?
Ich habe da keine genaue Vorstellung und könnte jetzt nicht sagen, ich würde gerne mal Hamlet spielen oder so. Ich finde einfach generell Rollen interessant, die sehr vielschichtig sind und das sind eben meistens auch Loser bzw Verlierertypen und keine Helden. Das sind die interessanteren Figuren, weil sie eben gebrochen sind.

Wie verbringst du deine Freizeit?
Im Moment ist die eher knapp bemessen, deswegen geniesse ich es, auch einfach mal nur zu Hause zu bleiben, zu schlafen, zu frühstücken, mit einem Buch im Cafe zu sitzen. Ich wohne zwar im Moment im London, aber ich pendle zwischen Deutschland und England hin und her und bin echt viel unterwegs.

Fotos: klatsch-tratsch.de/Michael Fricke/ (Planexi)