Sonntag, 16. September 2012, 10:57 Uhr

"Das Supertalent" Jean-Michel rettet eine lahme Samstagabend-Show

Alles neu beim Supertalent! In der diesjährigen Staffel der bekannten Talentshow, die gestern auf RTL startete, hat sich so einiges verändert. Angeblich. Auch die Quote hat sich verändert. Eine Million weniger als bei der Vorjahresstaffel.

In diesem Jahr gibt es mit Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk zwei Neuzugänge hinterm Jurypult, und man setzte nicht nur auf die altbewährten “Ja´s!” der Jury, sondern auf einen Super-Talent-Stern, der den Kandidaten beim Weiterkommen wie eine Medaille um den Hals gehängt wird. Und noch eine Sache ist neu: Der Goldene Buzzer kommt dann zum Einsatz, wenn ein Talent so überzeugend war, dass er automatisch im Live-Finale steht.

Bis zu 7,59 Millionen Zuschauer sahen am gestrigen Samstagabend den Auftakt der RTL- Showreihe ‘Das Supertalent’. Das waren immerhin 32,3 Prozent der werberelevanten Zielgruppe der 14 – bis 49-Jährigen (3,39 Millionen).

In der höhepunktarmen Show war zweifelsfrei der smarte Jean Michel Aweh aus Kassel der Star schlechthin, er brachte den magischen Moment, auf den alle so lange gewartet haben und der in den letzten Supertalent-Staffeln fast immer ausblieb. Doch dieses Mal kann man sicher sein, dass aus diesem Sänger ein deutschlandweiter Star werden könnte. Der 20-jährige sang zuerst den Song ‘Halt dich an mir fest’ und mit seiner unglaublich sanften und klangvollen Stimme, die man so wohl lange nicht gehört hat, sang er sich ganz tief in die Herzen der Zuschauer und Juroren.

Der gefühlvolle Gesang und sein wirklich virtuoses Klavierspiel erfüllte den ganzen Saal. Kaum zu glauben, dass diese Stimme live so perfekt klingt! Dieter Bohlen witterte sofort die große Chance von Jean Michel, und natürlich auch ein bisschen seine eigene Gelegenheit. Der Junge sollte gleich noch einen Song singen und zwar den Phillip Poisel-Song ‘Wie soll ein Mensch das ertragen?’.

Dieter Bohlen drückte den goldenen Stern-Buzzer, mit ihm kann ein Juror einen Kandidaten direkt ins Halbfinale befördern. Dieter Bohlen über den Schmusesänger:” Er hat das, was wir suchen: Personality, schreibt eigene Songs, er hat eben ein Super Talent.”

Doch noch jemand konnte die Herzen der Zuschauer und Juroren auf Anhieb erobern. Der neunjährige Vito legte mit seinem Song ‘Ai Se Tu Pego’ einen supercoolen Auftritt hin (allerdings nicht ohne vorher noch mal einen kräftigen Schluck Apfelsaft genommen zu haben). Mit ganz viel Charme und jeder Menge Schokolade im Bauch fegte der Knirps ungelenk wie ein Wirbelwind über die Bühne. Mit seinem herzallerliebsten Tanz und dem schiefen Gesang, der aber durchaus Ausbau-Potential hat, schaffte er es zwar nicht in die nächste Runde, aber dafür auf den Schoß von Michelle Hunziker. Und das wünscht sich doch sicherlich jeder Mann! Also Kopf hoch Vito, du kannst stolz sein!

Der US-Schauspieler Michael Carbonaro begeisterte Jury und Publikum mit Rasierschaum. Die britische Kontorsionistin Lucky Franco verbog ihren Körper, während sie Gitarre spielte. Der sprechende Papagai Jacko sang “Hänschen Klein” und Manualist Bruce Gaston furzte “Cheri, Cheri Lady” mit den Händen. Bohlen: “Warum macht er sich das so schwer, warum furzt er mit den Händen und nicht da, wo man sonst so…? Egal, auch sie bekamen alle ein Ja von der Jury.

Und dann inszenierte man noch einen ‘Stunt’ im Stile einer ‘Wetten, dass…-?’ Außenwette: Man zog mit dem Saalpublikum vor das Berliner Tempodrom, um etwas Dramatik in die Show zu kriegen. Der älteste Bungeespringer Helmut Wirtz (87) aus Dortmund absolvierte seinen 105. Bungeesprung, während das Seil (angeblich!) nur von den Händen des Salzburger Fleichbergs Franz Müllner (42) gehalten wurde. was natürlich kompletter Blödsinn ist.

Schon im Vorfeld der Ausstrahlung gab es hitzige Diskussionen um die Besetzung. Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker in der Jury, an der Seite von Dieter Bohlen? Kann das gut gehen?

Neben dem ständigen breiten Grinsen von Michelle und ihren eher übertriebenen Bewertungen, die nicht wirklich viel zur Beurteilung beitragen, können sich Gottschalk und Bohlen zwar einen fairen Zweikampf um den Jury-Thron stellen, doch der Dieter punktet zumindest mit Fachwissen.

Nach viel komischen Auftritten, die man durchweg irgendwie schon mal gesehen hatte oder von denen die meisten nichts mit Talent, sondern eher mit Komik zu tun hatten, steht wieder einmal fest, dass eine Sache nicht neu ist beim Supertalent: Sänger, Akrobaten und Tänzer, die was können, aber auch Leute, die gerne was können würden…

Besonders schlimm: wie schon in den Staffeln vorher wurden Zuschauer-Reaktionen zusammengeschnitten, die mit den eigentlichen Auftritten nichts zu tun hatte und das arme Publikum war wie stets angehalten ohne Ende Standing Ovations zu spendieren.

Im übrigen verkündet die ‘BZ am Sonntag’, dass Gottschalk ab Frühjahr 2013 eine Casting-Show am Samstagabend in der ARD moderiert. (SV)

Fotos: RTL/Andreas Friese

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