Montag, 17. September 2012, 21:17 Uhr

Liebeserklärung an zwei legendäre Kommissare vom "Polizeiruf 110"

Biografien sind seit dem umstrittenen Versuch der ehemaligen First Lady Bettina Wulff ziemlich in Verruf geraten. Im Eulenspiegel-Verlag erschien soeben eine ganz andere Art von biografischem Buch: “Herbert & Herbert: Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein!” über die beiden “Polizeiruf 110”-Kommissare Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, die nach ihrem 50. und letzten Fall in Zwangsrente geschickt werden.

klatsch-tratsch.de plauderte mit Autor Andreas Kurtz.

Was unterscheidet Ihr Buch über Jaecki Schwarz (66) und Wolfgang Winkler (69) von dem Bettina-Wulff-Buch?
Mit unserem sollen keine schlimmen Gerüchte aus der Welt geschafft werden. Im Gegenteil! Wir haben keinen langweiligen Versuch der Reinwaschung vorgelegt, sondern ein erschütterndes Dokument der Offenheit.

Erschütternd?
Es gab viele Stellen im Buch, wo ich beim Aufschreiben dachte: Da werden beide aufjaulen und dann beginnt das Gefeilsche darum, wie viel von der Wahrheit es bis zum Leser schaffen wird.

Und wie viel hat es geschafft?
Ich schwöre, bei allem was mir heilig ist: Alles! Mich selbst hat das am meisten überrascht, denn Schauspieler kannte ich bisher als Wesen, die ihre Außenwirkung maximal kontrollieren wollen. Was dann oft bedeutet: Sie wirken glatt gebügelt, nett und wahnsinnig langweilig. Schwarz und Winkler allerdings ließen mir alles durchgehen. Nur einmal bat Schwarz darum, auf eine kurze Anekdote über seinen Geiz zu verzichten. Das fiel leicht, denn fünf Seiten zuvor stand ja noch eine lange Anekdote über seinen Geiz.

Können Sie sich diese Offenheit erklären?
Das hat wohl damit zu tun, dass Schwarz und Winkler zwei gestandene Schauspieler sind, die sich und anderen nichts mehr beweisen müssen. Beide haben das Rentenalter erreicht, was offensichtlich eine große Unabhängigkeit verleiht. Die Frage, was die Leute wohl über das Buch sagen werden, ist ihnen völlig schnuppe. Wichtig war ihnen nur, dass das Buch unterhaltsam wird.

Haben Sie Beispiele für diese Offenheit?
Beide sprechen über ihre Schwindeleien im Haarbereich – Schwarz trägt vor der Kamera Toupet, Winkler lässt sich eine lichte Stelle am Hinterkopf mit dunklen Haarschnipseln bestreuen, die dann mit Haarspray fixiert werden. Schwarz hat den Mauerfall am 9. November in einer Entzugsklinik verschlafen und seit diesem Abend keinen Alkohol mehr getrunken. Winkler lag schon Jahre bevor Oswaldt Kolle im Westen damit anfing, Aufklärungsfilme zu drehen, für einen ostdeutschen vor der Kamera. Jaecki hat für seinen Freund Wolfgang die aktuelle Frau und dann auch gleich noch den passenden Verlobungsring ausgesucht. Letzteren sehr günstig in einer Pfandleihe.

Ist das also ein Enthüllungsbuch?
Nein, aber sehr unterhaltsame Lektüre. Viele der frotzelnden Dialogen von Schwarz und Winkler, die sich vor meinem Mikrofon auf eine extrem amüsante Weise beschimpfen und bezichtigen, konnte ich 1:1 so abdrucken, weil sie durch eine Bearbeitung auch nicht lustiger geworden wären. Außerdem enthält das Buch viele Anekdoten aus ihrer Zeit beim Polizeiruf, aber auch von ihrer Arbeit bei Theater und Film. Besonders interessant dürfte für jeden Fernsehzuschauer der persönliche Episodenguide zu allen ihren 50 Polizeiruf-Filmen sein. In dem erzählen Schwarz und Winkler über besondere Erlebnisse bei den Dreharbeiten.

Was machen Schwarz und Winkler jetzt?
Zunächst drehen sie ihren 50. und letzten Polizeiruf. Dann gehen sie auf eine große Lesetour. Das wird für diese beiden Erzkomödianten, genau wie für das Publikum, ein großer Spaß. Los geht es am 8. Oktober mit der Buchpremiere im Berliner Kino Babylon.

Und das sagen Prominente über das neue Buch „Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein“:

Bücher über Schauspieler sind oft voller eitlen Geschwätzes. Ganz anders bei „Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein“ über die Polizeiruf-Kommissare Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler. Ich habe lange nicht mehr so herzhaft gelacht wie über die Anekdoten und garstigen Dialoge der beiden Kollegen, die einander nichts schenken. Sie wirken auf mich wie ein altes, extrem amüsantes Ehepaar. Staunend erfuhr ich, dass Jaecki die Ehefrau seines Freundes und auch gleich den Verlobungsring ausgesucht hat. (Matthias Schweighöfer)

Andreas Kurtz hat Schwarz und Winkler wirklich gern; und sie danken es ihm mit wunderbaren Anekdoten. (Bastian Pastewka)

Ein Beziehungsratgeber? Ein Krimi? Eine Biographie? Ein Muss für alle Polizeiruf-Freunde und Liebhaber des kauzigen Frotzelns! Wer waren noch mal Walter Matthau und Jack Lemmon..? (Kim Fisher)

Ich habe das Buch am Stück durchgelesen, meinen Haushalt vernachlässigt und die ganze Zeit ein blödes Grinsen im Gesicht gehabt. (Angelika Mann)

Nicht nur für Polizeiruf-Fans ein wirklich sehr unterhaltsames Buch. (Sebastian Krumbiegel)

Für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie es hinter den Kulissen so zugehen kann, ist dies ein höchst informatives und amüsantes Buch. (Eleonore Weisgerber)

 

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