Sonntag, 23. September 2012, 17:36 Uhr

"Fall Jakob von Metzler": Gilt die Würde eines Täters mehr als die eines Kindes?

Mit Robert Atzorn in der Rolle des damaligen Polizei-Vizepräsidenten Wolfgang Daschner zeigt das ZDF am Montag, 24. September 2012, 20.15 Uhr, “Der Fall Jakob von Metzler”. Der Fernsehfilm der Woche, den Regisseur Stephan Wagner nach einem Drehbuch von Jochen Bitzer inszenierte, erzählt das Drama um die Entführung und Ermordung des elfjährigen Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler vor zehn Jahren.

Die Verhöre seines Mörders Magnus Gäfgen sowie das anschließende Strafverfahren gegen Daschner sind zentrale Elemente des Films, in dem neben Robert Atzorn Johannes Allmayer (Magnus Gäfgen), Uwe Bohm (Ortwin Ennigkeit) sowie Hanns Zischler und Jenny Schily (die Eltern Friedrich und Sylvia von Metzler) spielen.

Der elfjährige Jakob war am 27. September 2002 in Frankfurt am Main auf dem Heimweg von der Schule entführt worden. Der Entführer forderte eine Million Euro. Am Tag nach der Geldübergabe wurde der Jura-Student Magnus Gäfgen festgenommen. Nachdem Gäfgen am vierten Tag nach der Entführung noch keinen Hinweis auf den Verbleib Jakobs gegeben hatte, ließ Daschner in der Hoffnung, den Jungen lebend zu finden, dem Entführer durch Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit unmittelbaren Zwang androhen. Gäfgen gab schließlich das Versteck des Jungen preis – er hatte Jakob bereits am Tag der Entführung ermordet. Gäfgen wurde 2003 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

In der Folgezeit wurde aus dem Fall “Jakob von Metzler” der Fall “Daschner”, denn viereinhalb Monate später wurden der damalige Polizei-Vizepräsident und Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen schwerer Nötigung angeklagt. Daschner wurde wegen Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat im Amt schuldig gesprochen, Ennigkeit wurde wegen schwerer Nötigung im Amt verurteilt.

Die tragischen Ereignisse in Verbindung mit dem juristischen Nachspiel und der dazu erfolgten Debatte führten dazu, dass der Fall in ganz Deutschland und darüber hinaus bis heute präsent ist und diskutiert wird.

Hauptdarsteller Robert Atzorn sagte im Gespräch mit der Zeitung ‘Die Welt’: “Daschner war ein Mann mit irrsinniger Erfahrung, der sich nie etwas zu schulden hat kommen lassen, er hat immer im Sinne der Gesetze gehandelt und diese geschützt. Wenn so ein Mann dann so einen Schritt geht, sollte ihm auch der Staat etwas Vertrauen entgegen bringen oder zumindest mehr Verständnis zeigen. Ich hätte an seiner Stelle auch so gehandelt.”

Atzorn fügte ghinzu, dass Gesetze gelten für alle zu gelten haben: “Aber: Was ist denn wichtiger: Die Würde dieses Täters oder die Würde dieses Kindes? Diese Frage muss man auch stellen dürfen. Es ist ein schwieriges Thema ohne leichte Antworten.”

Fotos: ZDF/Hans-Joachim Pfeiffer