Freitag, 28. September 2012, 13:22 Uhr

Boys Noize: Alles über das neue Album „Out of the Black“

Mehr als sein halbes Leben macht Alex Ridha – den meisten Leuten bekannt als Boys Noize – nun schon elektronische Musik und zieht als DJ durch die Clubs der Welt. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Ridha gerade mal 29 Jahre alt ist.

Ridha zählt als DJ und Künstler längst zur internationalen Top-Liga; er hat auf den größten Bühnen der Welt gestanden und sie sich mit den wichtigsten Namen der weltweiten Szene geteilt. Parallel dazu hat er als Musiker und Produzent einen einzigartigen und ganz eigenenen Sound und damit auch eine Marke kreiert, wie es nur wenigen Künstler dieser Szene gelungen ist. Unter dem Namen Boys Noize hat Ridha bislang zwei Alben veröffentlicht (Oi Oi Oi von 2007 und Power von 2009) sowie etliche Singles, darüber hinaus war er als gefragter Remix-Artist und Produzent für diverse andere Künstler aus den unterschiedlichsten Ecken tätig: von Depeche Mode, Feist und Daft Punk zu N.E.R.D., David Lynch und Jarvis Cocker, sein Spektrum kennt keine Genregrenzen.

Er hat mit Erol Alkan und Mr. Oizo wiederholt gemeinsame Sache gemacht (unter dem Namen Handbraekes). Anders gesagt: Während ein Großteil seiner Kollegen in diesem Alter gerade erst richtig loslegen, gilt Ridha bereits als Szene-Veteran, für den Stillstand allein deshalb ein Fremdwort ist, weil sein kreativer Output, sei es als Musiker, DJ, Produzent oder Label-Macher unaufhaltbar ist. Ein Allround-Ansatz also, in dem sich die Veröffentlichung des dritten Studioalbums, Out of the Black, widerspiegelt.

“Es war gar nicht so einfach ein neues Album zu machen, weil ich im Grunde genommen immer unterwegs bin und ununterbrochen spiele“, so Ridha. “Doch vergangenes Jahr, nachdem ich knapp zwei Jahre lang Alben mit u.a. Gonzales, Spank Rock, Santigold und den Scissor Sisters produziert hatte, habe ich dann endlich die Zeit gefunden, um an meinen eigenen Sachen zu arbeiten. Ich hatte schon fast vergessen, wie gut es sich anfühlt, zu Hause sein, nicht zu reisen und einfach nur im Studio zu arbeiten. So gut!”

Der leicht schizophrene Sound von Out of the Black – ähnlich wie bei den Vorgänger-Alben –, enstand vor allem durch die Suche nach Neuem, und ist nicht bloß irgendein Stilmittel: “Ich bin schnell gelangweilt von den üblichen Sounds”, berichtet er. “Ich liebe es neue Sounds zu finden und zu kreieren. Ich bin einfach ein Sound-Nerd. Ich suche ständig neue Maschinen und Synthesizer und neue, unkonventionelle Methoden, um existierende Sounds zu zerstören oder zu verändern. Ich mag Produktionen, die anders klingen, die einen unvergleichbaren Sound haben und im Kern etwas naives, ungewolltes oder ganz simple sind; Hauptsache anders. Musik, die zu clean klingt, zu vorhersehbar, zu geplant, langweilt mich; ein Track muss irgendwie “Soul” haben. Das gilt auch für meine eigene Musik und ist oft der Ansatz, den ich instinktiv verfolge. Ich versuche oft mich daran zu erinnern, was ich besonders geliebt habe, was mich beinflusst hat, als ich angefangen habe elektronische Musik zu hören – die Gefühle, die sie bei mir ausgelöst hat. Es ist immer eine Mischung aus beidem, alt und neu, die mich inspiriert.”

Das Resultat schliesst perfekt die Lücke zwischen seinen ersten beiden Alben: Out of the Black enthält sowohl die In-Your-Face-Banger, für die der Name Boys Noize weltweit steht – beispielsweise “What You Want”, “Rocky 2” oder “XTC” –, als auch eher melodische Tracks, wie zum Beispiel “Ich R U” und “Reality”. In Zeiten, in denen elektronische Musik aus dem Mainstream-Sektor – insbesondere aus dem Bereich EDM/Trance und Dubstep – längst nicht mehr nur in Clubs, sondern auch in Stadien stattfindet, bewegt sich Ridha gewollt abseits der kommerziellen Trends (bekanntlich setzt er dieser lieber selbst) und beruft sich indes auf seine Wurzeln. Jene Old-School-House- und Acid-Platten, die ihn als DJ geprägt haben, sind es auch, die auf Out of the Black durchschimmern.
“Musik habe ich schon gemacht als ich noch in der Grundschule war”, erzählt er.

“Ich habe ein paar Jahre Schlagzeug gespielt und auch ein bisschen Klavier. Als ich ungefähr 10 war, hab ich z.b. Tapes aufgenommen: ich am Keyboard und dazu freestyle singen. Mit 14 hab ich dann das erste Mal aufgelegt und begonnen Platten zu kaufen, das war der Anfang meiner Vinyl-Sucht, die mich bis heute verfolgt. Ich hatte zwei Jobs gleichzeitig, damit ich mir jede Woche neue Platten kaufen konnte. All mein Geld ist für Platten draufgegangen.. ..Es war einfach das schönste, Musik zu hören, die keiner kennt oder besitzt. Das Gefühl aufzulegen und die Leute zum Tanzen zu bringen, war ähnlich intensiv, wie das Gefühl, als ich angefangen habe, mich mit Samplern zu befassen und meine ersten Beats zu machen. Im meinem Freundeskreis gab es niemanden, der sich für auflegen oder Vinyl interessiert hat und die meisten fanden die Musik (House & Elektro speziell), auf die ich so abgefahren bin, weird. Für mich war es das BESTE, es gab kaum etwas Vergleichbares, was ich mehr geliebt habe…und daran hat sich bis heute nicht wirklich viel gea?ndert. Ich bin froh, dass alles absolut natürlich gewachsen ist, ich habe mir alles selbst beigebracht und einfach “gemacht”, ohne grossartig zu überlegen, wohin das führt und ohne den Drang (und Zwang) irgendetwas zu erreichen – und das ist Heute eigentlich immer noch so.”

Neben seiner Rolle als DJ und Produzent betreibt Ridha seit 2005 auch sein eingenes Label, Boysnoize Records. Ursprünglich ins Leben gerufen, um die eigene Musik komplett autark zu veröffentlichen, beheimatet Boysnoize Rec. – zusammen mit dem dazugehörigen Sublabel BNR Trax – inzwischen mehr als ein Dutzend Artists (u.a. U.S.-Rapper Spank Rock, den 17-jährigen SCNTST, Housemeister, Strip Steve, Djedjotronic und Siriusmo) und kann bereits auf knapp 100 Veröffentlichungen zurückblicken. Und das, obwohl das Label nach wie vor zu 100% independent ist. “Jeder einzelne Künstler auf BNR hat seinen eigenen Sound”, so Ridha. “Das Ganze ist so eine Art non-konformes DIY-Kollektiv, das in alle möglichen Richtungen wuchert und sich in keinerlei Genreschubladen unterordnet. Das ist es, was mich inspiriert und der Grund, warum ich dieses Label mache. Das ist genau die Art der kreativen Gesinnung, die ich unterstütze und supporten will.”

“Ich mache keine Kompromisse, wenn es um Musik oder Kreatives im Allgemeinen geht”, sagt er weiterhin.

“Ich mache nur das, was ich cool finde, was mir gefällt und was ich fühle. Was der Markt verlangt oder die Leute erwarten, bestimmt mich nicht. Nichts ist mir wichtiger, als meine künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren – das gilt sowohl für meine eigene Musik, als auch für alle Künstler, die auf meinem Label zu Hause sind.”

Obwohl das Roster von Boysnoize Records stetig wächst und Ridhas Zeit auch aufgrund von immer mehr Anfragen als Produzent knapper wird, ist es doch der klassische Kreativzyklus – das Kreieren und danach das (live) Präsentieren der eigenen Musik –, der ihm am meisten bedeutet; daran hat sich für Ridha nichts geändert, seit er noch ein Jugendlicher war und in Hamburg lebte. Und so arbeitet er zwischen Label- Verpflichtungen und schier unzähligen Dj-Bookings auch an einer offiziellen Boys-Noize-Live-Show: “Ich bin bei so ziemlich jedem Festival der Welt aufgetreten. Mir hat es vollkommen gereicht, alleine und einfach nur mit meinen CDs aufzuschlagen und loszulegen. Ich hab nie gedacht, ‘Ich brauche Trucks voll mit Bühnenproduktion, eine riesen Crew und sonst was um jetzt nach Grace Jones, Public Enemy oder Justice zu spielen.’ Mein Ansatz war immer die Musik; das ist die einzige Message, die mir wichtig ist und ankommen muss. Ich sehe das nach wie vor so, nur habe ich mittlerweile trotzdem Lust auf eine Show, in der ich nur meine eigene Musik spiele und die auch optisch meinen Style reflektiert. Eine Art Konzert, um es einfach zu sagen, etwas Neues, bei dem ich etwas Anderes ausprobieren kann. Es muss nämlich spannend bleiben und ich liebe auch die Abwechslung. Das alles darf sich nämlich niemals wie ein Job anfühlen. Das wäre mir zu langweilig. Und zu weird.“

Was den Albumtitel betrifft, sagt Ridha, dass sein Sound nicht aus heiterem Himmel entsteht, sondern eher bei verdunkeltem: “Normalerweise arbeite ich im Studio abends und nachts. Auch meine Auftritte finden gro?ssten Teils nachts statt, und so gesehen kann man das ganz wo?rtlich nehmen: Es ist Musik, die aus der Nacht kommt – Out of the Black eben. Ausserdem heisst es, dass die Farbe Schwarz alle anderen Farben absorbieren kann, was sich auch auf die Musik übertragen lässt: Dein Sound absorbiert jede andere Art von Musik, jeden nur denkbaren Sound, und das Resultat ist etwas vollkommen Neues.”

“Out of the Black”.”Tourdaten Europe 2012

06.10. Berlin, Columbiahalle (D)
09.10. Glasgow, O2 ABC (GB)
11.10. Dublin, Academy (IRL)
12.10. Manchester, WHP (GB)
13.10. London, Coronet (GB)
17.10. Zurich, Maag Halle (CH)
18.10. Tho?nex/Geneva, Salle des Fe?tes (CH) 19.10. Lille, Fantastic Festival (F)
20.10. Nantes, Stereolux (F) 23.10. Oslo, Rockefeller (N) 24.10. Stockholm, Arenan (S) 25.10. Copenhagen, Vega (DK) 27.10. Vienna, Gasometer (A) 28.10. Bologna, Link (I)
31.10. Milan, Limelight (I)
01.11. Lyon, La Sucriere (F) 02.11. Paris, La Cigale (F) 03.11. Toulouse, Le Bikini (F) 04.11. Nimes, Paloma (F) 07.11. Barcelona, Razzmataz (E) 08.11. Madrid, Arena (E)
10.11. Ghent, I Love Techno (BE) 13.11. Amsterdam, Paradiso (NL) 14.11. Cologne, E-Werk (D)
15.11. Hamburg, Docks (D) 17.11. Munich, Kesselhaus (D)