Freitag, 28. September 2012, 12:03 Uhr

Die Orsons: Erstes Album kommt - Ärger mit "Horst und Monika" beigelegt

Die Orsons bestehen aus vier jungen Männern – Rappern, Sängern und Produzenten aus dem Raum Stuttgart, die mittlerweile in allen Himmelsrichtungen der Bundesrepublik wohnhaft sind. Maeckes, der nachdenkliche Poet, Tua, ehemaliger Straßen-Rapper, der inzwischen als Produktions-Genie geachtet wird, Plan B, der genauso gut eine Karriere als Herz erwärmender Kabarettist starten könnte, und Kaas, der esoterische Indianer, der mehr meditiert als du denkst.

Die Orsons hatten sich als Solokünstler etabliert, bevor sie auch nur einen Augenblick daran zu denken wagten jemals Teil einer Band zu sein. Bei einer gemeinsamen Tour 2008 entwickelte sich eine innige Freundschaft, die sie Wochen danach gemeinsam ins Studio führen und zu einem untrennbaren “O” zusammenschweißen sollte. Die Orsons heißen übrigens so, weil der erste Beat über den sie ein gemeinsames Lied schrieben unter selbigem Namen gespeichert war.

Weg auch mit den restlichen Geschichten der illusorischen Vergangenheit. Weg mit den Legenden über Die Orsons und wie sie mit ihren Freunden und Kollegen Marteria, Casper, Prinz Pi und Dimaind in den letzten 5 Jahren den Patienten Deutschrap wiederbelebten und regenerierten. Hinfort mit den Chroniken über die Support-Tourneen, zu denen sie von Kool Savas, Fettes Brot oder Herbert Grönemeyer eingeladen wurden. Und lasst uns doch auch einfach vergessen, dass ein Mitglied der Orsons Rapper Cro entdeckte und zu Chimperator brachte.

Das Major-Debüt-Album der Orsons ist nun fertig und bereit für das Publikum. Schenkt man den Aussagen der Orsons Glauben, so war der Weg bis zum fertigen Album wie immer nicht fluffig und leicht, sondern wie im Song von Xavier Naidoo sehr schön beschrieben, steinig und schwer. Plan B und Kaas kämpften, mit nur wirrem Quatsch im Kopf, über Monate musikalisch gegen Maeckes und Tua, die sich der symmetrischen Ernsthaftigkeit verschrieben hatten. Die Schlacht schien nicht enden zu wollen.

Ein Album, dessen Lieder Optimismus auf ein Feld voller Krisen säen. Das aber auch, und das ist eine Premiere für ein Die Orsons-Album, dunkle Stücke beinhaltet, ohne die heitere Grundgesinnung der Orsons zu gefährden. Inspiriert wurden die O‘s u. a. von Diplo, James
Blake, den Beatles und Outkast.

Ab dem 25. Oktober geht es mit der neuen Platte auf große Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer die legendäre Die Orsons-Show schon einmal live erleben durfte, weiß hier erwartet das Publikum zu Recht ein außergewöhnliches Spektakel, das sich zusammensetzt aus spektakulär minimalistischer Lichtshow, begnadeten spärlich eingesetzten Livemusikern, Monty Pythonsche Kurzsequenzen der Theaterbühnen erprobten Die Orsons, und jeder Menge improvisiertem Gehirnquark.

Heute Abend treten die Orsons mit ihrem Song ‘Horst und Monika’ beim Bundesvision Song Contest an. Mit dem Spottlied über transsexuelle Menschen haben sie offenbar aber nicht nur die Gefühle vieler Betroffener verletzt, sondern auch die Persönlichkeitsrechte der im Lied besungenen Monika. Denn seit kurzem war die Band mit Strafanzeigen und dem Antrag auf Unterlassung konfrontiert, heißt es in einer Mitteilung der Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.

Damit war die Aufführung von ‘Horst und Monika’ featuring Cro für das Saarland beim Bundesvision Song Contest in Gefahr. Strafanzeige hatten die Betroffene und die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. gestellt, da sich die Orsons einer Auseinandersetzung mit dem problematischen Inhalt ihres Songs verweigert hatten.

“Transsexuelle Frauen sind keine penisamputierten Männer”, so Monika S., deren Lebensgeschichte von den Orsons ungefragt und ohne Absprache in ein zynisches Lied über transsexuelle Menschen verkürzt und wirklichkeitsverzerrend verwandelt wurde. Genauso wenig, wie sie ein Schläger gewesen sei, genauso unsensibel sei es, so zu tun, als hätte Transsexualität etwas mit einer Entscheidung zu tun, von einem Mann zu einer Frau zu werden.

Inzwischen hatten sich Die Oraons selbst geäußert: “Mit dem Lied ‘Horst und Monika’ haben wir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, irgendjemanden zu beleidigen oder gar zu demütigen. Wenn dies gegen unsere ausdrückliche Absicht dennoch passiert sein sollte, bitten wir um Verzeihung. (…) Tatsächlich waren uns natürlich nicht alle Facetten und Fakten in dem Maße bewusst wie sie es, dank eurer Aufklärung, jetzt sind. Wir haben eine in den Medien viel diskutierte Geschichte aufgegriffen und diese mit musikalischen/textlichen, also künstlerischen Mitteln in eine Songform „übersetzt“, weil wir für Aufklärung sind. Uns war dabei bewusst dass transsexuelle Frauen weibliche Seelen sind, die in einem Körper geboren werden, der männliche Merkmale aufweist und erst durch eine eventuelle Operation zu der Frau werden, die sie von Geburt an sind. Die entsprechenden Zeilen unseres Liedes beziehen sich also auf die rein physische Wandlung und gerade nicht auf eine seelische.”

Fotos: Universal