Dienstag, 02. Oktober 2012, 14:34 Uhr

"Abraham Lincoln Vampirjäger": Axtschwingender Krieger vs. Blutsauger

Ein interessantes Biopic kommt da auf uns zu, und wenn man es nicht all zu ernst nimmt, wie Autor Seth Grahame-Smith, dann ist ein unterhaltsames 3D- Spektakel zu erwarten. Seth Grahame-Smith fiel ja erstmalig auf, als er den Jane Austen Roman “Stolz und Vorurteil” um Zombies erweiterte.

Neben seinem Interesse an Vampirgeschichten muss man in diesen Film noch etwas mitbringen: den Nerv für US-Historie und den darin stets enthaltenen überschwänglichen Nationalstolz, der einem hinreichend aufs Brot geschmiert wird.

Regie führte der Russe Timur Bekmambetov, der mit “Wächter der Nacht”, “Wächter des Tages” und seinem US-Einstieg “Wanted” nicht nur über reichlich Vampirerfahrung verfügt, sondern auch das Genre der grandios überzogenen Action-Szenen beherrscht. Tim Burton unterschreibt hier als Produzent.

Die Biografie des 1865 ermordeten 16. Präsidenten Lincolns wird hier mit einer absurden Vampirstory zusammengebracht, die wahrscheinlich Parallelen zu den blutsaugenden Sklavenbesitzern seiner Zeit darstellen sollen. Das Gute daran ist, dass, ob die Mutmaßung nun hinhaut oder nicht, dieser spinnerte Faden komplett durchgezogen wird.

1818 muss der junge Lincoln mit ansehen, wie seine Mutter eines Nachts von einem “Wesen” heimgesucht wird und kurz darauf einer seltsamen Krankheit erliegt. Lincoln kennt das Wesen und schwört auf Rache. Auf seinem Feldzug lernt er Sturges kennen, der ihn erst rettet und dann zu einem Vampirjäger ausbildet.
Lincoln lebt nun in Springfield, verdingt sich tagsüber in einem Gemischtwarenladen und wird nachts zum axtschwingenden Berserker, der Vampire nieder macht. Sein Erfolg bei der Vernichtung ruft den Obervampir Adam auf den Bildschirm. Adam hält sich als Plantagenbesitzer in New Orleans sozusagen Sklaven in seiner Speisekammer, als Futterquelle für seine Familie. Schnell sieht er sich bedroht.

Lincoln erkennt, dass er das Vampirproblem nicht allein mit seiner versilberten Axt lösen wird, steigt in die Politik ein und versucht auf diesem Wege die Sklaverei zu beenden.

Den Rest kann man in Geschichtsbüchern nachlesen und so Gleichnisse und Widersprüche zur Story finden.

Mythen um Vampire gab es in dieser Zeit tatsächlich und so abwägig ist der Gedanke nicht, Lincoln könnte sich mit dieser Thematik nebenher oder geheim befasst haben. Wikipedia gibt darüber jedoch keine Auskunft und auch sonst gibt es keine Hinweise zu finden.

Für die Rolle Abraham Lincolns war eigentlich Tom Hardy vorgesehen, der aber noch in den Dreharbeiten zu “The Dark Knight Rises” steckte. Nach Absagen mehrerer Leinwandgrößen (Eric Bana, Timothy Oliphant, Adrien Brody) wurde die Rolle dann vom noch nicht so populären Broadway-Schauspieler Benajmin Walker besetzt.
Leider wirkt dieser streckenweise sehr fade und undynamisch.

So kommt der Film weitesgehend ohne Hollywoodstars aus, was dem Actiongehalt nicht schadet. Am Ende können sie es nicht lassen, die Amis, und stimmen das große Loblied auf sich selbst an. Na klar, was soll man auch bei dem Filmtitel anderes erwarten.

Ich gucke ihn mir jedenfalls nicht noch einmal an. Ihr Paul Hille