Sonntag, 07. Oktober 2012, 10:43 Uhr

"Wetten, dass…?": Lanz kann's und 13,6 Millionen sahen zu - Die Bilder

Fast jeder zweite Deutsche, der am Samstagabend den Fernseher eingeschaltet hatte, schaute die Premiere von Markus Lanz bei ‘Wetten, dass…?’. 13,62 Millionen Zuschauer schalteten die mehr als dreistündige Premiere ein. Der Marktanteil der Show lag bei unfassbaren 43,7 Prozent.

Die dritte Ausgabe des RTL-‘Supertalent’ kam auf 4,57 Millionen Zuschauer (14,1 Prozent).

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut schwärmte nach der dreieinhalbstündigen Show: “Markus Lanz hat das klasse gemacht. Das war ein gelungenes Debüt. Wir haben mit ihm genau den richtigen Mann für “Wetten, dass..?”.

Markus Lanz hat seine allererste ‘Wetten, dass…’-Show (“Mein Name ist Markus Lanz. Ich bin der Neue!”) mit Bravour gemeistert. Einige Verbesserungen wären sicherlich noch von Nöten, doch trotz anfänglicher Zweifel und jeder Menge Unmut von Fans, die der Meinung sind, man könne Thomas Gottschalk nicht ersetzen, ist dem Moderator unterm Strich eine durchaus gute unterhaltsame Show gelungen.

Der 43-jährige begrüßte auf seiner Couch zwar keine herausragenden und vor allem außergewöhnliche Persönlichkeiten, bis auf Modezar Karl Lagerfeld und Sängerin Jennifer Lopez vielleicht (für die es übrigens nicht die erste ‘Wetten, dass…’-Show war), aber etwas Glamour mußte schon sein. Dafür kommen das nächste Mal Salma Hayek und Robbie Williams.

Lanz tritt mit seiner Nachfolge in riesige Fußstapfen und muss beweisen, dass es auch ihm gelingt, das Erfolgsformat weiter fortzuführen. Er begrüßte auf der hypermodernen, drehbaren Couch neben Karl Lagerfeld auch Sylvie Van der Vaart (völllig überschminkt), ihren Fußballer-Ehemann Rafael, Comedian Bülent Ceylan, Schauspieler Wotan Wilke Möhring, Politikerin Hannelore Kraft, Opernsänger Rolando Villazón und Campino, Frontsänger der Band Die Toten Hosen.

Die ersten Minuten der Wett-Show waren sicherlich nicht nur eine Zerreißprobe für Lanz, sondern auch die Zuschauer. Die Atmosphäre gestaltete sich anfangs als eher steif und wenig fröhlich. Das Ganze glich eher einer wenig unentspannten Talk-Runde. Man hatte das Gefühl, der Moderator würde die völlig falsche Herangehensweise wählen, schließlich ist ‘Wetten, dass…’ bei weitem kein Format, in dem mehr Wert auf stundenlange Gespräche mit den Gästen gelegt wird. Doch das änderte sich relativ schnell.

Der gutaussehende Südtiroler entspannte sich, nahm eine gemütlichere Haltung ein und knöpfte locker und leger den obersten Hemdknopf auf und entledigte sich dann auch seines Jackets. So muss das sein!

Mit einer charmanter Art führte er durch die Show, leistete sich allerdings den ein oder anderen kleinen Faux Pas. Ab und zu war dem Show-Neuling dann doch entfallen, was er eigentlich moderierte (das kannte man schon von Gottschalk) und hätte ihm Wotan Möhring nicht daran erinnert, dann hätte der ein wenig verpeilte Lanz zwischenzeitlich sogar vergessen, die anwesenden Gäste nach ihren Wett-Tipps zu fragen oder eben den Wetteinsatz zu verkünden. Aber es sei ihm verziehen…

Die Wetten der Show galten nicht als die spannendsten, glamourösesten oder ausgefallensten und entpuppten sich teilweise als sehr langatmig und enttäuschend. In Sachen Wettkandidaten ist noch eine ganze Menge aufzuholen. Bunt gemischte, musikalische Acts ließen die Stimmung im Saal überkochen und verliehen der allerersten, neuen ‘Wetten, dass…’-Show den gewissen, modernen und frischen Touch. Jennifer Lopez, Die Toten Hosen, Cro und eine äußerst nervende Beatboxing-Musical-Truppe aus New York gaben sich die Ehre, in der Show aufzutreten.

Wer glaubt eigentlich immer, dass alles top ist, nur weil auf der Verpackung “New York” steht? Ein langanhaltendes grauenhaftes Mißverständnis im deutschen Fernsehen.

Für witzige Sprüche und kluger Schlagfertigkeit konnte Lanz die ersten zwei Stunden weniger dienen. Die flachen und teilweise sehr misslungenen Gags erreichten nicht die Zuschauer und mussten später von Komik-Showeinlagen von Assistentin Cindy aus Marzahn (die wechselte übrigens stündlich ihr Outfit, also ganz wie Michelle Hunziker früher), Michael Kessler als Günthjer Jauch (grandios!) oder eben Bülent Ceylan ausgeglichen werden.

Doch von Stunde zu Stunde entwickelte sich die neue ‘Wetten, dass’-Show zu einer sehr unterhaltsamen, witzigen und abwechslungsreichen Show mit einem offenbar sehr glücklichen, entspannten und überaus sympathischen Markus Lanz, der sich richtig amüsieren konnte und sein Talent für Unterhaltung ausreichend und gut genug unter Beweis stellen konnte.

Das Versprechen von Latz, Hollywoodstars haben auf der Couch sitzen zu bleiben, wurde natürlich nicht gehalten. Lopez kam nach ihrem Auftritt einfach später in die runde und verschwand auch nach einer halben Stunde wieder. Das arrogante Management solcher Leute läßt sich eben alles, was länger als eine halbe Stunde dauert bezahlen.

Rapper Cro war mit seinem Auftritt eher deplatziert und Jennifer Lopez legte eine Nummer hin, an die sich in zehn Jahren kein Mensch mehr erinnern kann.

Die Wetten im Überblick:

Cihan Calis wettete, dass er in drei Minuten durch Fallrückzieher auf einer Slackline, ohne dass er den Boden berührte, vier Tore mit dem Ball erzielen kann. Obwohl er verlor, wurde er Wettkönig. Nur wewil er einmal den Ball berührte, ihm vier erreichte Tore wieder wegzunehmen, war überhaupt nicht nachzuvollziehen.

Der kleine Julian aus Düsseldorf bestritt erfolgreich die Kinderwette und bewies sein aufallend gutes Gedächtnis und wie bekloppt man schon im jungen Alter sein kann, in dem er das gesamte Berliner S-Bahn-Netz auswendig lernte und drei(allerdings sehr einfach gewählte Strecken) detailgetreu inklusive Umsteigemöglichkeiten ansagte.

An der Außenwette nahmen die Frankfurter Ruderer der “Germania” teil Wakeboard-Truppe teil, die den 14 Jahre jungen Wakeboarder Max Balser, 300 Meter im Slalom übers Wasser zogen.

Monika Tahler wettete, eine ganze Menge anwesender Hunderassen nur am abgeschnittenen Fell erkennen zu können. Die langweiligste und lahmste Wette des Abends, die aber dank gutem Wortwitz von Lanz und Möhring doch noch zu überstehen war und sogar erfolgreich bestritten wurde. Madame fummelte und fummelte an den Haarknäuel herum und kurzzeitig dachte man, wenn man jetzt einschliefe und morgens gegen 2 Uhr aufwacht, fummelte Frau Tahler immer noch.

Der Österreicher Johann Redl verlor nach wenigen Minuten seine Wette, bei dem er einen Traktor auf zwei Rädern steuern wollte. Der Spuk war innerhalb von zwei Sekunden vorbei, der Traktor lag zwar schief, aber angeblich wr es un einer Kurve zu naß. Giga-Aufwand für nix.

Die kurioseste Wette des Abends war sicherlich die von Detlev Jarchow. Er wackelte wie flink so mit den Ohren, um seiner Kollegin Worte per Morse-Zeichen zu senden.

Seine Stadtwette hat Markus Lanz verloren. Vor dem Landtag der nordrhein-westfälischen Hauptstadt bildeten mehr als 500 Düsseldorfer, leicht bekleidet und körperbemalt, das Logo der Fortuna Düsseldorf als lebendes Kunstwerk nach. Die Wetteinlösung wird Lanz einiges abfordern. Er kündigte an, vor der nächsten “Wetten, dass..?” Ausgabe von Düsseldorf nach Köln zu laufen.

Lanz war zuvor bei der ‘Lanz Challenge’ gegen einen Saalzuschauer angetreten. Da ging es um Liegestütze mit einem Bierkasten auf dem Rücken. (SV)