Montag, 08. Oktober 2012, 23:52 Uhr

Nico Hofmann plant große Fernsehserie über Adolf Hitler

Starproduzent Nico Hofmann plant eine achtteilige Fernsehserie über den Aufstieg von Adolf Hitler. Nach internationalen TV-Eventerfolgen wie ‘Dresden’, ‘Die Sturmflut’, ‘Stauffenberg’, ‘Hindenburg’ und zuletzt ‘Der Turm’ planen Nico Hofmann und der slowakischer Filmproduzent und Rechtehändler Jan Mojto eine internationale, TV-Serie über Adolf Hitler.

Die Geschäftsführer von teamWorx Fernsehen & Film und EOS/Beta Film teilten heute bei der weltgrößten Fernsehmesse MIPCOM in Cannes mit, Grundlage für die achteilige Serie sei die Biographie „Hitlers erster Krieg“ des renommierten Historikers Thomas Weber.

Der Wissenschaftler beschreibt in sehr direkter Weise Hitlers Zeit als Soldat im ersten Weltkrieg und beruft sich auf bislang nicht ausgewertete Akten über das List-Regiment, in dem Hitler diente und deren Veröffentlichung vor einem Jahr eine neue Diskussion über die Interpretation der Figur Hitlers entfachte. Buch und Regie übernimmt Niki Stein, dessen jüngster Film ‘Rommel’ bereits vor der Ausstrahlung auf großes öffentliches Interesse stieß. Ko-Autor ist Hark Bohm.

Die Serie (je achtmal eine  Stunde) beginnt mit dem Ersten Weltkrieg 1914 und endet mit Hitlers Tod 1945. Mit der Darstellung von Schlüsselmomenten, Wendepunkten und Antagonisten geht das Projekt der Frage nach, welche Radikalisierungssprünge Hitler in der entscheidenden Phase der Vorbereitung des Holocausts vollzog. „Hitler selbst bleibt in den meisten neueren Versuchen, das Dritte Reich, Krieg und Genozid zu erklären, seltsam inhaltsleer“, sagt Thomas Weber, der als ausgewiesener Hitler-Experte an den Universitäten Aberdeen und Harvard forscht und das Fernsehprojekt als wissenschaftlicher Berater begleitet. „Das zu ändern soll und muss unser Anspruch an eine neue Serie über Hitler sein. Nur wenn wir Hitlers Selbstfindung, seine persönlichen Talente und Schwächen, seine kalte Grausamkeit und seinen persönlichen Charme, seinen Werdegang und die Entwicklung seiner sozialen Beziehungen ernst nehmen und nicht versuchen, ihm seine Wucht zu nehmen, die er auf viele Deutsche ausgeübt hat, können wir die Wechselwirkung Hitlers und der Deutschen erklären.“

Nico Hofmann sagte auf die Frage, ob man Hitler fiktional fürs Fernsehen erzählen kann: „Wir denken – nach Joachims Fests Hitlerbiografie und dem “Untergang” – ja. Thomas Webers ausführliche und fundierte Recherche gibt Möglichkeit zur neuen, kritischen Introspektion in Hitlers psychologischen Hintergrund und seinem Werdegang als Verführer des Bösen. Gerade diese Verführung – auch der bürgerlichen Schichten – steht im Zentrum der achtteiligen seriellen Konzeption, die die preisgekrönten Filmemacher Niki Stein und Hark Bohm zurzeit verfassen. Das gesamte Projekt wird – wie bereits bei unserer “Rommel”-Verfilmung – sehr analytisch den neusten Stand der historischen Forschung wiedergeben. Dafür bürgt nicht nur unser historisches Beratergremium, sondern vor allen Dingen Thomas Webers Buch, das insgesamt bei Wissenschaftlern als Meilenstein in der historischen Arbeit über Hitler gilt.“

Um eine möglichst umfassende und dem neuesten Forschungsstand entsprechende Interpretation der Figur Hitlers sicherzustellen, werden renommierte Wissenschaftler in die Stoffentwicklung eingebunden. Neben den Historikern Thomas Weber und Ralf Georg Reuth wird untern anderem der internationale Experte für neuere jüdische Zeitgeschichte, Jonathan Steinberg (Universität Pennsylvania, Fellow of Cambridge), das Filmteam beraten.

Jan Mojto: „Mit Nico Hofmann verbindet uns eine zwölfjährige Zusammenarbeit und fast 30 Programme. Viele der Themen, die wir angepackt haben, waren sehr sensibel, aber überzeugten Publikum und Wissenschaft gleichermaßen durch ihre emotionale Faszination und ihre historische Genauigkeit. Der Zuschauer begeistert sich zunehmend für Premium-Fernsehen in Serienformat, und dieses Format erlaubt uns, komplexere Geschichten zu erzählen. Acht Jahre nach Bernd Eichingers und Oliver Hirschbiegels Kinofilm und Mini-Serie Untergang wenden wir uns Hitlers Ursprüngen zu. Ich glaube, die Zeit ist gekommen, aus Deutschland heraus eine Serie über Hitler zu drehen, in Englisch für das internationale Publikum.“

Mit der 20 Millionen Dollar teuren Serie wollen die Produzenten ebenso geplanten Projekten in den USA und Großbritannien zuvorkommen. Hauptdarsteller stehen noch nicht fest. Die Serie soll in zwei Jahren fertig sein.

Nico Hofmann und Jan Mojto kündigten außerdem zwei weitere historische Serien an: „Berlin Kurfürstendamm“, die Geschichte von drei jungen Frauen in der Aufbruchzeit Berlins in den 50er Jahren. Autorin ist Annette Hess, die bereits federführend die preisgekrönte TV-Serie „Weißensee“ geschrieben hatte. Die zweite historische Serie unter dem Titel „Die Ärzte“ spielt Ende des 19. Jahrhunderts im weltberühmten Klinikum Charité Berlin-Mitte. Für diese Konzeption schreibt die Grimme Preis-gekrönte Autorin Dorothee Schön bereits die Drehbücher. (TW)

Foto: Patrick Hoffmann/WENN.com