Dienstag, 09. Oktober 2012, 16:50 Uhr

"96 Stunden - Taken 2": Hanebüchende Story mit bösen Onkels vom Balkan

Am Donnerstag kommt “96 Stunden – Taken 2” in die deutschen Kinos. Unser Autor Paul Hille hat ihn schon gesehen. Während der begnadete Schauspieler Liam Neeson sein Werk vollbringt, Regisseur Olivier Megaton (Transporter 3) alle Register seines Könnens zieht, langen die Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen mit ihren Dialogen total daneben.

Eine Fehlbesetzung und die Verwendung eines Soundtracks aus einem großartigen Streifen diesen Jahres komplettieren den Ausruf von “Schade, schade, schade”. Soviel schon mal vorweg.

Hollywoodstar-Liam Neeson brillierte schon 2008 als Bryan Mills in “96 Stunden” als ein durch den ganzen Film wütender Berserker, der auf alles pfeift und schießt, was ihm in die Quere kommt. Es ist nicht zwingend notwendig den ersten Teil zu kennen, um den zweiten zu verstehen, macht aber klar, wie deutlich die Unterschiede sind.

Bryan Mills, pensionierter CIA-Agent, will seine Ruhe haben und nimmt nur noch gelegentlich Jobs an. So in Istanbul als Leibwächter. Exfrau Leonore (Famke Janssen) und Tochter Kim (Maggie Grace) kommen ihn dort besuchen. Im Hintergund agiert bereits Murad (Rade Serbedzija), der Vater eines von Bryan getöteten Sohnes, der auf Rache sinnt. Bryan und Leonore werden gekidnappt. Kim wird vom Vater erst widerwillig, dann aber gezielt instruiert, wie sie ihm behilflich sein kann.

Nach grottenschlechter MacGyver-Manier lässt die Tochter auf Geheiß mehrere Handgranaten in Istanbul hochgehen, damit Bryan hören kann, wie weit weg sie sich noch von ihm befindet! Es werden abstruse Baukastenrechnungen angestellt und niemanden schert es, dass geschossen wird, dass es Explosionen und Leichen gibt – also wie im richtigen Leben.

Mit der Besetzung von Rade Serbedzija als rachebesessenen Albaner erfüllt man genau die stereotype, wie langweilende Erwartung des bösen Onkels aus dem Balkan. Mal sah man ihn als serbischen General in “The Land of Blood and Honey”, dann in “5 Days of War” als militärischen Folterknecht. Bei seinem Auftritt als Bösewicht denkt man sofort: war ja klar, dass der den spielt.

Die Krönung der Nebengriffe jedoch ist die Verwendung des Songs “Tick of the Clock” von The Chromatics. Dieser Titel machte erst in diesem Jahr Furore, in einer der stimmungsvollsten Szenen aus “Drive” mit Ryan Gosling. Was soll das? Wer hat hier nicht aufgepasst? Das nimmt man dann doch übel, erst recht bei der Mitwirkung von Besson.

Es ist so schade um das Potenzial der Geschichte. Neeson, Megaton, Besson – das hört sich nach einem Garant für einen guten Film an. Und gerade Besson, von dem man intelligentes Kino kennt, lässt hier gute Dialoge vermissen. Müssen sich Action und Niveau immer ausschließen? Nein.

An den schauspielerischen Leistungen gibt es nix zu nörgeln, genauso wenig wie an den technischen Umsetzungen.

Das ist der Spagat den der Zuschauer in diesem Film hinnehmen muss: er darf sich freuen auf wirklich spannungsgeladene Unterhaltung, die man gern verfolgt, aber man muss schnulzige, wie teils dämliche Dialoge, die stören, hinnehmen. Der Film wackelt, macht aber allenthalben Laune dran zu bleiben. Ihr Paul Hille