Dienstag, 09. Oktober 2012, 15:47 Uhr

Jörg und Miriam Kachelmann packen aus: "Recht und Gerechtigkeit" ist da

Jörg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nun erschien bereits gestern das eigentlich erst für den 22. Oktober angekündigte und mit mit Spannung ertwartete Buch “Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz“, das der 54-Jährige mit seiner Frau Miriam geschrieben hat.

Im Gespräch mit dem aktuellem ‘Spiegel’ greifen beide u.a. die “gewohnheitsmäßig männerverurteilenden Justiz” an und rechnen auch mit “schlecht ausgebildeten” Polizisten, Staatsanwälten, Gutachtern und Richtern ab. “Im Bereich Missbrauch und Vergewaltigung sind Falschbeschuldigungen ein Massenphänomen geworden”, erklärte Jörg Kachelmann. Die einstige Wetter-Ikone der ARD wolle “wirklich, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter kommt. Aber für Frauen sind Verleumdungen heute eine beliebte und effektive Waffe geworden”.

Die 26-jährige Miriam Kachelmann ergänzte: Mit Missbrauchsvorwürfen könne man sich heute “sehr einfach an Chefs und Lebenspartnern rächen” und “problemlos das Sorgerecht für Kinder erstreiten”. Es gebe “eine Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss”. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft habe zudem “gemeinsam mit dem Gericht versucht, mit Hilfe meines ‘Vorlebens’ ein Monster aus mir zu machen. Ich war nie gewalttätig und habe erst recht nie jemanden vergewaltigt.”

Nach wie vor jedoch wirft sein Fall viele Fragen auf. Wie geht es einem, der zu Unrecht als Vergewaltiger beschuldigt wird? Den die Ermittlungsbehörden mit allen Mitteln zum Täter machen wollen? Der 132 Tage im Gefängnis sitzt? Der sehr schnell zum Gegenstand einer öffentlichen Vorverurteilung wird? – Zum ersten Mal erzählen Jörg Kachelmann und seine Frau Miriam die Geschichte, die hinter dem “Fall Kachelmann” steckt. Und es wird klar, welche Rolle Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Medien dabei spielen. Jörg Kachelmann rechnet in seinem Buch erneut mit der ‘Bild’-Zeitung und den Burda-Verlags-Zeitschriften ‘Bunte’ und ‘Focus’ ab, die an seine Vorverurteilung mitgewirkt hätten.

Was bleibt nach einem höchst fragwürdigen Prozess und einer beispiellosen Medienberichterstattung noch von Recht und Gerechtigkeit? Der “Fall Kachelmann” ist in dieser Hinsicht leider keine Ausnahme – mit dem Unterschied, dass viele Opfer von Falschbeschuldigungen in erster Instanz oft keinen Freispruch bekommen. Jörg und Miriam Kachelmann haben sich entschlossen, aufzudecken, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, und geben erschütternde Einblicke in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Recht und Unrecht scheinbar nicht mehr existieren. In ihrem Buch schildern sie detailliert die Ereignisse vom Moment der Verhaftung bis zur Urteilsverkündung und der Zeit danach, enthüllen Fehler und Ungereimtheiten und legen die unheilvolle Mechanik bloß, die hinter dem Prozess gegen den Meteorologen steckt – und die offenbar nicht nur hier wirksam wird.

Zu den Autoren: Jörg Kachelmann, Jahrgang 1958, ist Verwaltungsratspräsident und Chefmeteorologe des Wetterdienstes Meteomedia AG. Von 1992 bis März 2010 moderierte er Wetterberichte in der ARD sowie Talksendungen wie Riverboat und Kachelmanns Spätausgabe. Heute präsentiert er das Wetter für main.tv, Radio Primavera und auf seinem eigenen Kanal „wetterkachelmann“ bei YouTube.

Miriam Kachelmann, Jahrgang 1986, ist ausgebildete Bühnendarstellerin und studiert seit 2009 Psychologie. Miriam und Jörg Kachelmann leben in der Schweiz.

UPDATE 10. Oktober: Nach Informationen des Magazins ‘Focus’ haben Rechtsanwälte von Kachelmanns mutmaßlichem Opfer für ihre Mandantin den Erlaß einer einstweiligen Verfügung erreicht. Das Landgericht Mannheim habe am 10. Oktober dem Antrag stattgegeben, dass der Heyne-Verlag das Buch nicht mehr weiter verkaufen darf, solange das dort genannte Vergewaltigungsopfer mit vollem Namen genannt wird. (Az. 3 O 98/12).

Fotos: Heyne, Kay Blaschke