Mittwoch, 10. Oktober 2012, 23:54 Uhr

"Fraktus" sind zurück: Die Popmusik-Geschichte muss umgeschrieben werden

Von Westbam bis Scooter, von Blixa Bargeld bis Dieter Meier von Yello: Die Electronic-Szene ist sich einig – Fraktus waren es. Fraktus haben Techno erfunden! Haben seine Ästhetik, seine Klangrevolte, seine Technik vorweggenommen.

Aber dennoch sind Fraktus ein Mythos geblieben. Trotz vielversprechender Anfangserfolge in den 80er-Jahren und ihrem einzigartigen Sound. Zwar enorm einflussreich und hochgeschätzt von Szene-Kollegen weltweit, aber als Band vor über 25 Jahren im Streit auseinander gegangen und heute nur noch Insidern ein Begriff.

Doch was wurde aus ihnen? Was machen die drei heute? Kann es ein Comeback dieser Pioniere geben?

Die Dokumentation, die am 8. November in die deutschen Kinos kommt, spürt die drei grundverschiedenen Musiker auf: In Hamburg, in Brunsbüttel und auf Ibiza findet Musikproduzent Roger Dettner die deutschen Techno-Urväter. Und ihm gelingt die pophistorische Sensation: Er bringt sie an einen Tisch und Fraktus wieder ins Studio. Nach 25 Jahren schließt sich ein Kreis: Fraktus treten wieder auf.

Die Musikhistorie wird also neu geschrieben. Diesmal mit Fraktusals zentralem Kapitel. Geschichte vergisst wahre Erfinder eben nie. Köstlich!

Und darum gehts in der Filmdoku: Die drei Mitglieder einer Elektro-Pop-Band hatten ihre größten Erfolge in den Achtzigern. Doch nun soll ein Comeback angestrebt werden. Unter der Aufsicht eines windigen Musikproduzenten will die Gruppe an den Erfolg alter Zeiten anknüpfen.

Achtung Spoiler! Hinter dem Projekt der putziger Mockumentary über die fiktive Electropop-Band und Techno-Pioniere Fraktus steckt ‘Studio Braun’ (Heinz Strunk, Rocko Schamoni, Jacques Palminger). Den Manager gibt TV- und Kino-Schauspieler Devid Striesow. Die drei Herrschaften von ‘Studio Braun’ gelten als Kaderschmiede des psychedelischen Humors und ist besonders für seine absurden Telefonstreiche berühmt.

Nach den stilprägenden Telefonverarsche-CDs widmete sich das Trio zunehmend Schauspiel- und Musik-Projekten und dampfte selbst größte Theaterbühnen Deutschlands zu einfachen Kasperle-Buden runter.

Bereits 2006 veröffentlichte Rocko Schamoni unter dem Pseudonym Fraktus das Stück ‘Affe, Sucht, Liebe’. Ein Jahr später traten Studio Braun unter dem Namen ‘Fraktus’ auf dem Melt!-Festival auf, wobei das Trio seinen Auftritt als Comeback der Band nach 25-jähriger Bühnenabstinenz inszenierte.

Kraftwerk, DAF, Trio und Konsorten lassen grüßen. Und Sascha Baron Cohen auch.

Fotos: corazon int./ Pandora Film