Donnerstag, 11. Oktober 2012, 17:33 Uhr

Heiße Küsse für Stuckrad-Barre zum Start seiner neuen Late-Night-Show

Benjamin von Stuckrad-Barre ist mit seiner Late-Night-Show wieder zurück! Nun immer donnerstags 23.10 Uhr beim Sender TELE 5!

Zur Premiere seiner neu betitelten Sendung ‘Stuckrad-Barre’ hat der TV-Provokateur heute gleich den “Kapitän” der Piraten-Partei Johannes Ponader zum Einzelverhör geladen. Dabei seziert der schlagfertige Moderator wie gewohnt messerscharf Politiker-Phrasen und treibt seinen Gast bis zum Äußersten – trotz des verpassten “Maulkorb” des Parteivorstands.

Stuckrad-Barre und Ponader kamen sich in einem improvisierten Theaterstück auf einem alten WG-Sofa näher – unter anderem mit einem Wangenkuss von Ponader für den Moderator, für den sich Stuckrad-Barre mit einer Fußmassage beim Sandalenträger Ponader revanchierte.

Produziert wird die Show von keinem Geringeren als Christian Ulmen.

klatsch-tratsch.de traf die beiden Ausnahmekünstler Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Ulmen zum gemeinsamen Talk. Die Herren plauderten über ihre Show, Quotendruck, Bettina Wulff und darüber, dass Stuckrad-Barre durchaus auch lachen kann!

Erklären Sie doch mal bitte kurz das Konzept von ‘Stuckrad-Barre‘.
Ulmen: „Stuckrad-Barre ist wagemutig, respektlos ohne respektlos zu sein, da muss man zwei Mal drüber nachdenken. Wir sind die Show, die zwei Mal nachdenkt.“

Was ist denn am Sendeplatz bei Tele 5 anders als bei ZDF neo? Und was ist bei ‘Stuckrad Barre’ anders als bei ‘Stuckrad Late Night’?
Ulmen: „Es ändert sich eigentlich gar nichts. Obwohl wir nun im Privatfernsehen laufen, gibt es keine Werbepausen! Wie zu öffentlich-rechtlichen Zeiten. Die Sendung wurde hier und da etwas gestrafft, aber der Kern bleibt erhalten.“

Sie senden Donnerstagnacht gegen Maybrit Illner, Beckmann, Joko & Klass, Markus Lanz, Harald Schmidt. Macht Ihnen das nicht Angst?
Ulmen: „Wir senden nie ‘gegen’. Solche Kategorien interessieren uns nicht. Stuckrad-Barre läuft ja auch auf Ulmen.tv, das darf man nicht vergessen. Man kann es im Netz jederzeit sehen. So ist die Sehgewohnheit ja auch inzwischen. Darum haben wir keine Angst: wir werden auf jeden Fall gesehen. Und im Fernsehen werden wir vor allen anderen liegen, da es die beste Sendung ist, die um die Uhrzeit läuft.“

Stuckrad-Barre: „Ach, was heißt schon „vorn“ – eine Zuschauerzahl ist gewiss kein Kriterium für die Qualität einer Sendung. Es ist immer ein bisschen seltsam, dass in der Medien-Berichterstattung einerseits verlangt wird, dass man „auch mal etwas wagen“ soll – und wenn tatsächlich mal etwas gewagt wird, wie z.B. bei Harald Schmidt, dann wird genüsslich vorgerechnet: Der hat aber nur so und so viele Zuschauer. Tja, und wenn schon, das ist doch scheiß egal! Eine bloße Zahl sagt gar nichts, vielleicht sind das ja genau die, die sonst überhaupt kein deutsches Fernsehen mehr ertragen. Es gibt wahrlich genug Angebote für die Abermillionen, die sich tatsächlich all diesen Neubauerferres-Müll angucken oder so grauenhafte RTL-Shows, all diesen komplett benebelten Exzess des Mittelmaßes. Ich zum Beispiel fühle mich von dem überwiegenden Teil des Fernsehprogramms nullkommanull angesprochen, sondern vielmehr verhöhnt, und für mich muss es doch auch was geben. Wer auf die Mitte zielt, wird Mittelmaß ernten, so einfach ist das.“

Was zahlen Sie eigentlich Politikern, dass die freiwillig bei Ihnen zum Spießrutenlauf antreten?
Ulmen: „Nichts. Man darf Politiker nicht bezahlen. Es ist wie im Zoo. Die sollen in ihrer natürlichen Umgebung nicht gestört werden und es ist deswegen tatsächlich verboten, Gagen zu zahlen. Wir haben Bettina Wulff eine hohe fünfstellige Summe geboten, dass sie in unsere Show kommt. Und sie hat, weil sie natürlich nicht käuflich ist, abgelehnt und gesagt ‚Stimmt nicht was Google sagt’.“

Wer wären ihre Lieblings-Talkgäste von denen Sie aber von vornherein wissen, dass die eh nie kommen würden?
Ulmen : „Leute die gar nicht kommen würden, interessieren uns überhaupt nicht. Da sind wir eitel. Wir freuen uns über jeden der kommt, wir laden im breitgestreuten Rahmen Menschen ein – aus jeder Partei soll mindestens einer kommen. Und dann gehen wir auch wählen.“

Ihr neuer Senderchef Kai Blasberg nennt ihre Sendung eine “Politsatire”. Wie finden Sie das?
Ulmen: „Also unsere Sendung ist ja eigentlich ernst gemeint. Das Konstrukt an sich ist nicht satirisch, es ist eine Eins-zu Eins-Begegnung von Benjamin von Stuckrad-Barre und einem politischen Gast.“

Stuckrad-Barre: „Humor entsteht beiläufig, ist eine Grundhaltung. Es ist eine politische Unerhaltungssendung bzw. eine unterhaltsame Politiksendung. Politische Satire im hierzulande gängigen Sinne interessiert uns nicht, also so ein alberner Zugang, der ja meistens einen ganz mickrigen Subtext hat: Die da oben sind voll blöd. Nein, wir nehmen unseren politischen Gast ernst und versuchen trotzdem und genau dadurch einen unterhaltsamen Abend mit ihm zu haben.“

Sie beide gelten als TV-Revoluzzer. Wie haben Sie sich eigentlich gefunden?
Ulmen: „Wir Beide haben uns lange gesucht. Es ist die erste freundschaftliche Begegnung meines Lebens gewesen.“
Stuckrad-Barre: „Wir haben uns logischerweise im Fernsehen kennen gelernt. Das war damals in Christians Sendung bei MTV vor 14 Jahren.“

Herr Stuckrad-Barre, warum erkennt man bei ihnen eigentlich nie was Spaß und Ernst ist?
Stuckrad-Barre: „Ist das so? Umso besser, weil ich mir da selbst oftmals nicht so sicher bin. Ich habe nämlich nicht nur eine Meinung, ich habe ganz viele. Ich könnte auch mit mir selbst eine diskursive Talkshow veranstalten.“

Wie gehen Sie mit (beruflichen) Niederlagen um?
Ulmen: Es gibt ja diesen normalen Kitsch, von wegen ‚Niederlagen machen einen stärker’, das ist nur Gerede. Gerede wie ‘Die Zuschauer sind mir total egal’. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist das nur die vorauseilende Verarbeitung von möglichem Scheitern. Und dennoch: Es stimmt, wenn mal viel Freiheiten haben will, dann geht das nur wenn man wenig Quotendruck hat.“

Stuckrad-Barre: „Ich habe mal an einem Drehbuch für einen Film mitgeschrieben, der jetzt nicht der ganz große Kassenknüller geworden ist, jedoch von der Kritik sehr gelobt wurde (lacht). Man könnte auch ohne zu übertreiben von einem Totalflop sprechen. Doch in meiner Erwerbsbiografie war das ein großer Sieg – nämlich für mich das Schönste, was ich je machen durfte.“

Was sind ihre Lieblingssendungen?
Stuckrad-Barre: „Die Phönix-Runde. Viele Politiker die da sitzen, kenne sogar ich nicht. Irgendwie rührt mich das, dass auch die sich da treffen und ganz ernsthaft diskutieren, und keine Sau interessiert es, na ja, bis auf eine: mich. Und Markus Lanz, da verpasse ich wirklich keine Sendung.“

Ulmen: „Das wollte ich auch gerade sagen, weil ich Markus Lanz wirklich verehre. Der ist sau-lustig und hat Ecken und Kanten, das mag ich an ihm. Dann außerdem noch die Sendung ‚Bambule’ mit Sarah Kuttner. Ich sehe ausserdem sehr gerne noch ‚The Dome’ auf RTL2.

Googeln sie sich selbst?
Ulmen: „Also ich google Benjamin nach jeder Show. Ich gucke auch immer bei Twitter, was nach der Show geschrieben wird. So erbaue ich mir selbst ein Meinungsspektrum. Aber das ist nicht repräsentativ.“

Was schätzen Sie am jeweils anderen?
Ulmen: „Er hat immer Zigaretten dabei und eine Herzlichkeit, das denkt man bei ihm gar nicht. Er ist z.B. ein großer Schenker. Ich kann mir keinen Geburtstag merken und bringe nie eine Flasche Wein mit. Nicht weil ich ignorant bin, ich vergesse so was einfach.“

Stuckrad-Barre: „Christian ist ein guter Chef. Er leitet dieses Imperium sehr weise aus dem Hintergrund und stellt für alle wichtigen Positionen gut aussehende, kluge Frauen ein. Weil er weiß, das das angenehmer ist und einfach besser. Christian schafft es, im Schutzraum dieser Firma Sendungen nicht auf irgendeinen Markt hin zu konzipieren, sondern solche, die er selbst gern schauen würde. Und erst dann schaut er, wo er sie unterbringen kann. Das ist die richtige Reihenfolge.“

Haben Sie am Samstag ‘Wetten, dass…?’ gesehen?
Stuckrad Barre : „Ja, logisch.“

Ulmen: „Also ich nicht. Ich liebe Markus Lanz, er ist der größte Entertainer, den wir in Deutschland haben. Aber ich gucke seit ich 16 bin, kein ‚Wetten, dass..?’ mehr. Ich hätte nie gedacht das es sich so lange hält, es ist für mich ein Relikt aus Kindertagen.“

Fotos: Ulmen Television/ Marko Greitschuss, Erik Weiss/Tele 5