Donnerstag, 18. Oktober 2012, 13:12 Uhr

"Ekel Alfred"-Erfinder Wolfgang Menge ist tot

Wolfgang Menge starb im Alter von 88 Jahren. Das teilte ein Sprecher der Familie gegenüber der Agentur dpa mit. Er starb am Mittwoch im Kreis seiner Familie in einem Berliner Krankenhaus.

Menge wurde u.a. mit seinen satirischen Familienserien ‘Ein Herz und eine Seele’ (1973 bis 1976) mit dem berühmten “Ekel” Alfred Tetzlaff und ”Motzki’ (1993) mit Jürgen Holtz als Friedhelm Motzki, ehemaliger Fahrlehrer und Frührentner aus dem West-Berliner Arbeiterbezirk Wedding, bekannt wurde.

Vorher schon erregte Menge 1970 mit dem visionären Spektakel “Das Millionenspiel” (WDR/ARD) Aufsehen. Darin geht es um eine fiktive Spielshow, in der ein Kandidat (Jörg Pleva) eine Million Mark gewinnen kann, wenn er eine Hetzjagd von Killern überlebt (siehe Foto ganz unten).

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel würdigt Wolfgang Menge als einen der ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung: “Wolfgang Menge hat für die deutsche Fernsehunterhaltung Maßstäbe gesetzt. Mit ihm haben wir einen der ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung verloren. Sein Lebenswerk ist unvergleichlich. Er hat viele kreative, intelligente und mutige Fernsehfilme gemacht. Erinnert sei da nur an seine weitblickende Satire “Millionenspiel”. Zu seinem Werk gehören aber auch Filme wie “Smog” oder sein letztes Werk “Kelly Bastian”. Unvergessen bleibt er als der Schöpfer von Ekel Alfred. Politisch sehr unkorrekt hat die Serie “Ein Herz und eine Seele” bis heute nichts von ihrem Charme verloren. Wolfgang Menge war einfach genial in seinem Fach.”

Programmdirektor Volker Herres sagte zum Tod von Wolfgang Menge: „Wolfgang Menge war ein Schwergewicht des Leichten, der Unterhaltung im Fernsehen. Mit der Serie ‚Ein Herz und eine Seele‘ und dem legendären TV-Nörgler ‚Ekel Alfred‘ hat er der deutschen Gesellschaft in den 70er Jahren einen Spiegel vorgehalten, in dem sie sich selbst erkennen und zugleich über sich lachen konnte. Menge hat das ARD-Hauptprogramm mit seinen Erfindungen entscheidend geprägt und bereichert: Er konzipierte die ‚Stahlnetz‘-Reihe und erfand die Figur des ‚james-bondigen‘ Zollfahnders Kressin für den ‚Tatort‘. Dabei war er nicht nur ein phantasievoller Geschichtenerzähler, sondern auch ein Visionär: Sein Dokumentarspiel ‚Smog‘ thematisierte die Folgen einer Umweltkatastrophe lange vor der Ökobewegung, die Fernseh-Parodie ‚Das Millionenspiel‘ den menschenverachtenden Voyeurismus lange vor quotenorientiertem Sensationsfernsehen und Reality-TV.”

Am Samstag, 20. Oktober 2012, zeigt Das Erste zwei Folgen von „Ein Herz und eine Seele”: Um 12.03 Uhr „Besuch aus der Ostzone”, um 12.50 Uhr „Schlusswort”. Der ursprünglich geplante Spielfilm „Wir hauen die Pauker in die Pfanne” entfällt.

Fotos: WDR/Herby Sachs, WDR