Donnerstag, 25. Oktober 2012, 21:20 Uhr

Foxes: Alles über eine neue aufregende Stimme aus Großbritannien

Foxes, das ist Louisa Rose Allen. Die 22-jährige, in Southampton geborene, Künstlerin bewies schon früh ihren eigenen Kopf und zog mit 18 nach London, um ein Musikstudium zu beginnen. Bald schon merkte sie, dass es sie eher zur musikalischen Praxis hinzog und sammelte mit der Synthie/Industrial Single „Youth“ über eine Mio. Soundcloud- und Youtube-Plays.

„Warrior“ heißt ihre aktuelle EP, die von den zwei starken Singles „Warrior“ und „White Coats“ angeführt wird und füllt mit Synthieklängen und warmen, euphorischem Gesang die Lücke zwischen Florence & The Machine und Lykke Li.

„Ich schreibe immer traurige Songs, aber ich mag es eigentlich eher tragikomisch“, erklärt sie. „Lieder, bei denen man am Anfang das Gefühl hat, dass alles Mist ist und am Ende stellt sich dann heraus, dass alles ganz großartig ausgeht. Diese Art von Hoffnung. Ich bin ein großer Fan von solchen Sachen und ich denke, dass auch mein Leben ein wenig so verläuft.“

Auf ihrer Debütsingle „Youth“ (die im vergangenen Jahr beim hochangesehenen Poplabel Neon Gold erschien) gibt es davon jede Menge: der flehende Appell, Chancen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen – dazu erklingt ein trauriges Klavier und pochende Beats. Oder bei Tracks wie „Warrior“, wo die Fesseln des Songs mit einem explosiven Refrain hinweg gesprengt werden.

Bereits in ihrer Kindheit, die sie im südenglischen Southampton mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester verbrachte, wusste Louisa, dass sie auf einer Bühne stehen wollte. Um ganz ehrlich zu sein, wusste das auch der Rest der Familie, denn sie tat so gut wie nichts anderes als „aufzutreten“. „Ich war immer das Kind, das an Weihnachten auf dem Tisch stand und sang. Meiner ganzen Familie ging das ziemlich auf den Wecker. Ich sang ‚The Little Mermaid‘ und Celine Dion und alle lachten über mich“, erinnert sie sich. Diese von Musik bestimmte Kindheit brachte sie irgendwann dazu, sich eigene Songs auszudenken – und das möglicherweise sogar nachhaltiger als ihr bewusst ist.

„Ich habe neulich einige alte Babyvideos gesehen und es war ziemlich seltsam, wie ich da auf dem Boden herumtolle und im Hintergrund läuft diese eigentümliche Musik, die gar nicht so unähnlich klingt wie das, was ich heute mache“, erklärt sie ein wenig schockiert. Diese „eigentümliche Musik“ waren die Songs, die ihrer Mutter damals gefielen, Lieder von Björk, Kate Bush und Beth Gibbons von Portishead.

Offensichtlich speicherte die kleine Louisa Rose all diese Einflüsse (zur späteren Verwendung) in ihrem musikalischen Gedächtnis ab – denn zunächst gab es einige Durststrecken zu überstehen. „Als ich auf eine weiterführende Schule ging, gab es eigentlich keine Musik in meinem Leben, denn in dieser Zeit ist man sehr gefordert. Das war eine Phase, in der ich mir selbst nicht erlaubte, Musik zu machen“, sagt sie. Doch der Wunsch, mit Musik zu arbeiten, brannte nach wie vor in ihr. Nachdem sie kurz mit dem Gedanken gespielt hatte, eine Karriere als Kosmetikerin in Erwägung zu ziehen („Das machten alle und ich dachte mir: ‚ok, dann werde ich halt Kosmetikerin‘, man weiß ja, wie so was läuft. Aber Gottseidank habe es nicht getan. Ich würde heute vermutlich irgendwelchen Frauen in Eastleigh den ganzen Tag Selbstbräuner aufsprühen.”), beschloss sie, sich in einen Musikkurs in London einzuschreiben.

„Meine Schwester überredete mich, nach London zu kommen und auf ihrer Couch zu schlafen, damit ich diese Schule besuchen konnte“, erklärt sie. „Ich lebte aus Koffern und ging ihr ein Jahr lang auf die Nerven, ich besuchte die Musikschule und arbeitete in vielen Bars, dann machte ich noch ein Jahr Sofa-Hopping.“

Der Kurs an sich bot ihr zwar kaum Möglichkeiten, kreativ zu sein, ließ aber in ihr den Wunsch reifen, nach neuen Gelegenheiten zu suchen, aufzutreten und ihre Songwriting-Skills zu schulen. „Ich bin bei vielen ‚Open Mic‘-Abenden aufgetreten, oft bestand das Publikum nur aus zwei Leuten, die so aussahen, als wenn sie gleich anfangen zu heulen“, lacht sie. „Ich habe wirklich einen ziemlichen Weg hinter mir. Die Vorstellung, dass wir jetzt auf Europatour sind, erscheint mir ziemlich unwirklich.“

Und während sie gerade dabei war, ihr Selbstbewusstsein durch Live-Auftritte zu stählen, traf sie zufällig auf den Produzenten Ghostwriter, dem es gelang, etwas aus ihr heraus zu kitzeln, das sie noch keinen anderen Produzenten mitteilen konnte. „Ich sagte ihm, welche Sounds ich wollte und es machte einfach extrem viel Spaß. Wir trommelten z.B. mit Löffeln, um Sounds zu erzeugen. Er klang wirklich nicht wie ein Produzent, der versucht, einen Hit zu machen.“ Zu diesem Zeitpunkt trat sie bereits unter dem Pseudonym Foxes auf, eine Name, der auf einen ihrer ganz frühen Songs zurückgeht und auch in einem verrückten Traum ihrer Mutter eine Rolle spielt, in dem Füchse die schönste Musik der Welt aufführen.

Einer der ersten Songs, an denen sie zusammen mit Ghostwriter arbeitete, war „Youth“, der zusammen mit dem filigranen „Home“ auf Soundcloud platziert wurde, um das allgemeine Feedback auszutesten. Und siehe da: nur wenige Tage später meldete sich das Label Neon Gold mit dem Wunsch, die beiden Songs als 7-inch Single zu veröffentlichen. „Ich war total aus dem Häuschen. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass wir Meetings mit ihnen hatten und sie die Songs veröffentlichten. Man hatte das Gefühl, dass es genau das Richtige war“, sagt sie lächelnd.

„‘Youth‘ war das erste Lied, das ich für das Album schrieb. Ich wusste: ‚Das ist genau die Musik und die Vision gefunden hatte, die ich finden wollte‘.“ Diese frühe Glücksträhne fand schließlich mit „Warrior“ seine Fortsetzung, einer herzzerreißenden Geschichte über das Widerstehen, zu dem entfernt elektronische Sounds pulsieren und schließlich in dramatischen Drumsounds gipfeln. Als sie diese Songs beisammen hatte, wurde die Entscheidung gefällt, sie als „Warrior EP“ zu veröffentlichen. „Ich war gerade in einer nicht so schönen Phase in meinem Leben, musste ins Krankenhaus und schrieb aus dieser Erfahrung heraus diese ganzen Songs, die alle davon handelten, wie man so etwas durchsteht und gestärkt daraus hervorgeht“, sagt sie über diese Zeit. Dies erklärt auch die Entstehung des eindringlichen „White Coats“, das davon handelt, „wie ich mich darüber lustig mache, dass ich dachte, ich werde verrückt.“

Ein Song, der auf der EP in einer Demoversion enthalten ist (und in vollendeter Pracht auf ihrem 2013 erscheinenden Debütalbum zu hören sein wird), ist das raffinierte, schimmernden „Let Go For Tonight“, das in Zusammenarbeit mit Jessie Ware-Partner Kid Harpoon entstand. Ebenfalls auf dem Album enthalten sein wird die neue, leicht TripHop-angehauchte Single „Echo“, die eine subtile Richtungsänderung in ihrem Songwriting andeutet. „Ich schreibe normalerweise keine Beziehungs-Songs, aber dieses Lied entstand nach einem Streit mit meinem Freund“, erklärt sie.

„Es ist seltsam, denn es ist vermutlich der einzige Song, der auf dem Gefühl basiert, dass jemand den Glauben an eine Beziehung verloren hat. Der Text handelt von Menschen, die sagen, dass sie versuchen, eine Beziehung zu retten, bis nichts mehr davon übrig ist und immer noch daran festhalten, solange das Echo der Beziehung vernehmbar ist. Es handelt von dem Gefühl, dass deine Beziehung zerfällt und der Partner bittet, doch noch einfach ein bisschen mehr daran zu glauben.“

Neben den Arbeiten an ihrem Album fand Foxes noch die Zeit für Aufnahmen mit einigen Dance-Newcomern, wie z.B. Rudimental, Sub Focus und dem Lady Gaga-Kollaborations-Partner Zedd. „Ich bin auf der neuen Zedd-Single!“, ruft sie, fast schon geschockt. „Er schickte mir den Track einfach so ohne Ankündigung und ich liebte ihn sofort. Ich bin ein großer Fan von Dance-Musik, besonders aus den Neunzigern. Zedd und ich unterhielten uns über Skype, ich hatte mich aber nicht vorher bei Wikipedia über ihn informiert. Als ich das dann nachgeholt hatte, dachte ich nur: ‚Wow, der ist ja ne Riesen-Nummer!‘“ Das ist mit Sicherheit korrekt – doch das sind Dinge, an die sie sich wohl oder übel gewöhnen muss.

Für Foxes ist Musik nicht nur ein Hobby oder eine Phase, die irgendwann vorüber sein wird. Es ist etwas, dass sie schon ihr ganzes Leben machen wollte – ohne dass es ihr immer bewusst war. Was sie auszeichnet, ist nicht der unermüdliche Versuch, die Welt auf sich aufmerksam zu machen – schließlich macht sie das, was sie macht, schon seit Tante Joans Weihnachtsparty. Im Gegenteil: ganz still und leise gelingt es ihr, dass man sich in ihre Songs verliebt. „Ich renne dem Ruhm nicht hinterher. Ich brauche diesen Teil überhaupt nicht, ich will einfach nur Musik machen“, erklärt sie bestimmt.

„Ich möchte diese Art von Musik für den Rest meines Lebens machen“. Der Verlust der Selbstbräuner-Branche von Eastleigh ist ohne Zweifel ein Riesengewinn für die Popmusik.

Einen FREE DOWNLOAD von ‘White Coats’ gibts hier!