Donnerstag, 25. Oktober 2012, 18:15 Uhr

Joachim Witt: Video "Gloria" kommt nach Prüfung nicht auf den Index

Auf Antrag des Familienministeriums untersuchte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das Video zur Single ‘Gloria’ von Joachim Witt, das seit seiner Veröffentlichung weit über eine halbe Million Klicks auf Youtube verzeichnete.

Nun kam die Prüfungskommission zu dem Ergebnis, “dass eine Jugendgefährdung… nicht festgestellt werden konnte, da das Angebot nicht geeignet ist, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu gefährden.” In dem inkriminierten Video thematisieren Witt und sein Regisseur Specter in teils apokalyptischen Bildern die Grausamkeit von Krieg, Naturkatastrophen und Religionen.

Joachim Witt sagte dazu: “Im Gegensatz zu dem Liedtext von ›Gloria‹, in dem es um Liebe geht, wollten wir die Abgründe der Gesellschaft darstellen. Also Krieg und Gewalt, das weltweite Umweltproblem. Und, als drittes Thema, das Religionsproblem. Damit meine ich nicht nur die katholische Kirche, sondern den Drang zur Missionierung insgesamt.”

Insbesondere die Kriegszenen, in denen auch eine Vergewaltigung durch mehrere Soldaten angedeutet wird, sorgten für einen Entrüstungssturm seitens der Bundeswehr, der in tausenden erbosten Kommentaren und Drohungen auf Joachim Witts Facebookseite gipfelte. In der Kommission für Jugendmedienschutz, die das Video nach dem Antrag des Familienministeriums prüfen musste, kam man jedoch zu dem Schluss, dass gerade einer der dargestellten Soldaten “als empathisch veranlagte, für Kinder und Jugendliche eher positive Identifikationsfigur” angesehen werden könne.

“Der Musikvideoclip enthält auf der Bildebene vereinzelt einige problematische Elemente, welche aber in der Gesamtbewertung nicht an die Intensität einer Jugendgefährdung heranreichen. Die im Video enthaltenen Gewaltdarstellungen wie die Vergewaltigung einer Frau, die Darstellung eines toten Kindes, das Verbrennen eines ölbeschmierten Fabelwesens und die Selbstgeißelung eines dreiäugigen Mannes sind weder explizit noch reißerisch inszeniert, sondern werden lediglich kurz gezeigt und nur angedeutet. Hinzu kommt, dass diese angedeutete Darstellung von Gewaltszenen durch die Sichtweise des beobachtenden Soldaten, der sich vom Geschehen distanziert bzw. dieses lautstark betrauert, noch gebrochen und relativiert wird.” Gewaltszenen, die möglicherweise verrohend auf Kinder und Jugendliche wirken könnten, seien nicht festzustellen.

Joachim Witt erklärte: “Die Begründung der Bundesprüfstelle scheint mir sehr ausgewogen und geprägt von größtmöglicher Objektivität.”

Fotos: Jim Rakete/SonyMusic