Montag, 07. Januar 2013, 15:00 Uhr

Dschungelcamp-Steckbrief (2): Alles über Helmut Berger

Helmut Berger ist zweifelsfrei DER Star aller bisherigen Dschungelcamp-Staffeln und vor dem Start der siebten sind reichlich Fragen offen: Zieht er überhaupt ein, wenn ja, in welchem Zustand? Gibt der Arzt beim letzten Check sein ok oder bleibt Berger einfach 14-Tage an der Hotelbar im noblen Hotel Versace in Gold Coast kleben? Und wenn nicht, welche Eskapaden wird der 68-Jährige noch veranstalten?

In den letzten Jahren hat er es jedenfalls vorgezogen in der Öffentlichkeit die betrunkene, fortwährend desinteressierte Diva zu geben.

Beantwortet ist aber vor dem Start von ‘Ich bin ein Star – holt mich hier raus’ schon mal eine wesentliche Frage: Von den zwei “Luxusartikeln” die jeder Promi mit ins Camp nehmen darf, hat sich Helmut Berger für ein Kopfkissen und eine eigene Klobrille entschieden.

Im nüchternen Interview antwortete Berger mit beeindruckend schlichten Tatsachen auf einfache Fragen, die wir unserer Leserschaft auf keinen Fall vorgenthalten wollen. Womögluch wird das ein zeitgeschichtliches Dokument!

Warum gehen Sie ins Dschungelcamp?
„Das Dschungelcamp ist für mich Spaß und Abenteuer und ich liebe Spaß und Abenteuer. Ich glaube, es wird witzig“.

Was werden Sie besonders vermissen?
„Eigentlich gar nichts. Vielleicht ein gutes Buch und die News.“

Zwei Wochen mit anderen Stars fernab der Zivilisation. Wird das schwer für Sie?
„Nein, ich kenne das vom Film. Eine Hand wäscht die andere, so ist es beim Filmgeschäft und auch im Dschungelcamp.“

Das Leben im Camp wird aber sehr spartanisch sein?
„Ja, großartig, ich wurde ja spartanisch erzogen. Und dann habe ich mein Elternhaus verlassen und es war auf einmal nicht mehr so spartanisch. Vielleicht wird mich das Dschungelcamp an meine Kindheit erinnern.“

Wenn Sie spielen, möchten Sie auch gewinnen?
„Ich will mich nur amüsieren und ich will das Abenteuer. Und ich will erfahren, zu was man fähig ist, wenn man nur das Allernötigste zum Leben hat. In der heutigen Welt sind wir das ja nicht mehr gewohnt. Bei dem ganzen Konsum wird die Reduktion auf das Wesentliche bestimmt eine interessante und positive Erfahrung werden.“

Mit Reis und Bohnen als Mahlzeit haben Sie keine Probleme?
„Nein, das stört mich nicht. Ich hatte doch alles in meinem Leben – und habe es immer noch. Man kann doch nicht nur von Lachs, Kaviar und Steaks leben. Und ich liebe Reis und Bohnen.“

Sehen Sie den Dschungel als Wellness-Camp?
„Ja, ich komme schlank und ohne Bierbauch zurück, herrlich!“

Was denken Sie über die Dschungelprüfungen?
„Da komme ich bestimmt mit einem blauen Auge davon.“

Wer ist eigentlich der Mann, der sich stets so affiniert in den Mittelpunkt zaubert? Ein Porträt

Helmut Berger wurde 1944 als Sohn einer Hoteliersfamilie im österreichischen Bad Ischl geboren und in den ersten Jahren seines Lebens von seiner Mutter alleine großgezogen. Seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte er in Salzburg, wo er ein Internat besuchte. Der Wunsch Schauspieler zu werden äußerte sich schon früh. Obwohl er kein Interesse an der Gastronomie und Hotellerie hatte, arbeitete er zunächst in diesem Bereich. Das Ziel der Schauspielerei verlor er dennoch nie aus den Augen.

Im Alter von 18 Jahren zog er nach London, wo er von einem Fotografen entdeckt und für Werbefilme und Modeaufnahmen engagiert wurde. So machte er z.B. Werbung für den Sherry „Fino la Ina“. Helmut Berger ging nach Perugia, wo er im Jahr 1964 dem Regisseur Luchino Visconti begegnete. Visconti war vom ersten Augenblick an fasziniert vom jungen Berger, der als Fotomodel und Filmstatist arbeitete. Diese Begegnung beinflusste Helmut Bergers Leben zutiefst, er wurde Viscontis Lebensgefährte.

Luchino Visconti gab Berger seine erste Rolle in „La Strega Bruciata Viva“ in dem Episodenfilm „Hexen von Heute“ (1967). Seinen internationalen Durchbruch als anerkannter Schauspieler hatte Helmut Berger als Martin von Essenbeck in Viscontis „Die Verdammten“ (1969), für die er eine Golden Globe-Nominierung als bester Nachwuchsdarsteller erhielt. Helmut Bergers eindrucksvolle Leistung machte ihn über Nacht zum Star. In seiner wohl bekanntesten Szene überhaupt persifliert Berger in dieser Rolle die Lola, wie sie von Marlene Dietrich in „Der blaue Engel“ gespielt wird. Er spielte auch in „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1970), neben Burt Lancaster in Viscontis „Gewalt und Leidenschaft“ (1974) oder mit Al Pacino, Diane Keaton und Andy Garcia in Francis Ford Coppolas „Der Pate III“ (1990).

Als der Höhepunkt von Bergers schauspielerischem Schaffen gilt Viscontis „Ludwig II.“, in dem er den bayerischen König von der blühenden Jugend bis zum bitteren Ende porträtierte und dabei den von eigenen Schwächen und psychischen Untiefen gezeichneten, nervös-paranoiden Verfall des Herrschers nachzeichnete. Seine Fähigkeit, gleichwohl Feinsinn und Verfolgungswahn darzustellen, begeisterte Publikum und Kritiker.

Helmut Berger wurde durch diese Rollen zum Weltstar. Er modelte für Modezeitungen und zierte als erster Mann überhaupt das Cover der Zeitschrift „Vogue“, die ihn als „schönsten Mann der Welt“ bezeichnete. Helmut Berger galt – auch durch seine Freundschaften mit großen Stars wie Romy Schneider – als Mann des Jetset und führte ein extravagantes Leben. Er war Stil-Ikone der 1960er und 1970er Jahre. Die Medien berichteten über seine ausschweifenden Partys und zahlreichen Affären.

Der Tod Viscontis 1976 stürzte Berger in eine tiefe persönliche Krise. Viscontis Testament, in dem Berger als Erbe eingesetzt war, war nicht mehr auffindbar. Im Zuge der Produktion des Films „Der Tollwütige“ ließ sich Berger an der Seite von Marisa Mell für den italienischen Playboy nackt ablichten. Es folgten ab Ende der 1970er-Jahre neben Auftritten in kleineren Produktionen auch Arbeiten für das Fernsehen. Genau wie zahlreiche andere Hollywood Gast-Stars (z.B. Rock Hudson oder George Hamilton) spielte auch er in „Der Denver-Clan“ mit. Diese weltweit bekannte TV-Serie zog Millionen von Zuschauern in ihren Bann.

Neben seinem filmischen Schaffen ist Helmut Berger wegen seines ausschweifenden Lebens und seiner offen bekannten Bisexualität ein immer wieder gern gesehener Gast in Talksendungen. Unter anderem erzählte er von erotischen Abenteuern mit Rudolf Nurejew, Britt Ekland, Anita Pallenberg, Ursula Andress, Nathalie Delon, Elizabeth Taylor, Jerry Hall, Bianca und Mick Jagger.

Im Jahr 1992 spielte Berger im „Erotica“- Video von Madonna mit. Sie bezeichnete ihn als ihr Idol. In seiner im Jahr 1998 erschienenen Autobiographie „Helmut Berger – Ich, die Autobiografie“ bezeichnet er sich als Viscontis Witwe. Sein Leben teilt er wie seine Autobiographie in Phasen vor, mit und nach Visconti ein.

Im Jahr 2008 spielte er die Hauptrolle in Peter Kern‘s Film „Blutsfreundschaft“, der im Februar 2010 auf der Berlinale lief und im Herbst 2010 in die deutschen Kinos kam.

Nach mehr als dreißig Jahren in Rom zog es Helmut Berger zurück nach Salzburg, wo er heute in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt.

Wer Berger im Alltag näher kennenlernen will, hat dazu HIER Gelegenheit!

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius, WENN.com