Montag, 07. Januar 2013, 20:24 Uhr

Dschungelcamp-Steckbrief (3): Alles über Kaufhaus-Erpresser Arno "Dagobert" Funke

Nicht nur die Dschunglcamp-Insassen, sondern wohl auch die Millionen Fernsehzuschauer werden an seinen Lippen kleben. Der Kaufhaus-Erpresser Arno Funke alias ‘Dagobert’ wird viel zu erzählen haben, nachdem er Anfang der 1990er das ganze Land in Atem hielt.

Der 62-jährige ist heute Buchautor, Grafiker, Karikaturist und Satiriker ist einer der elf Promis, die am Freitag ins RTL-Dschungelcamp ziehen.

Die zwei Luxusartikel, die er mit ins Camp nehmen darf, sind zum einen Haargel und zum anderen ein Kopfkissen. Im Interview sprach er über das bevoerstehende Abenteuer.

Warum gehen Sie ins Camp?
„Ich mag den Berliner Winter nicht und so komme ich endlich mal in das warme Australien, da war ich noch nie. Außerdem bin ich sehr neugierig und ein Freund von Hardcore-Camping. 2012 war ich mit Rucksack und Zelt in Norwegen auf der Hochebene `Hardangervidda` zu Fuß unterwegs. Dabei zog ich mir einen Bänderriss zu und bin mit der Verletzung noch 100 Kilometer gelaufen. Ich bin also etwas gewohnt.“

Wie würden Sie sich selbst bezeichnen? „Dagobert“ oder Arno Funke?
„Meine berühmte Vergangenheit als `Dagobert` wird ja meistens in den Vordergrund gerückt. Darauf würde ich gerne verzichten, inzwischen bin ich ja erfolgreicher Karikaturist und kann mich über Aufträge nicht beklagen.“

Was denken Sie heute über Dagobert?
„Es ist so, als würde ich mich an einen Alptraum erinnern und das möchte man nicht mehr haben.“

Sind Sie gewohnt unter Beobachtung zu stehen?
„Ja, durch meine Frau. Und als ich im Gefängnis war, stand ich auch unter ständiger Beobachtung.“

Wird Ihnen Ihre Dagobert-Erfahrung im Camp helfen?
„Ja, ich weiß jetzt, dass man bestimmte Dinge aushalten kann. Daher bin ich auch relativ gelassen.“

Wie lange waren Sie im Gefängnis?
„Im geschlossenen Vollzug waren es etwas über vier Jahre.“

Wie wichtig ist Essen und Trinken für Sie?
„Im Knast war das Essen unerträglich und ich habe viel abgenommen. Jetzt koche ich viel und sehr gerne. Ich bin ein Liebhaber der asiatischen und der mediterranen Küche. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.“

Sie waren ein Tüftler. Werden Sie im Camp auch etwas zusammenbauen?
„Es hängt von den Werkzeugen im Dschungel ab, aber möglich ist es.“

Was gibt Ihnen Kraft?
„Ich kann mich innerlich zurückziehen, wenn es sein muss. Viele Menschen sind ständig mit irgendetwas beschäftigt. Einfach nur dasitzen, in die Gegend zu schauen und nachzudenken ist aus der Mode gekommen. Und solche Menschen haben im Camp bestimmt größere Probleme als ich.

Was werden Sie im Camp vermissen?
„Meinen Computer.“


Arno Funke wurde am 14. März 1950 in Berlin geboren.

Sein Vater war Lithograph, seine norwegische Mutter Näherin. Er wuchs bis zum 10. Lebensjahr in Berlin-Rudow auf.
Von 1956 bis 1960 besuchte er dort die Matthias-Claudius-Grundschule. 1960 trennten sich die Eltern vorübergehend und er zog mit seiner Mutter nach Berlin-Neukölln. Von 1960 bis 1964 besuchte er dort die Hermann-Boddin-Grundschule und 1964 bis 1965 die Rütli Oberschule in Berlin-Neukölln.

Im Jahr 1965 begann er eine Lehre als Fotograf, die er zu seinem eigenen Bedauern abbrach. Im Jahr 1966 zogen seine Eltern wieder zusammen. Der Kontakt war zwischenzeitlich nie abgebrochen, die Ferien verbrachte er meistens beim Vater.

Im Frühjahr desselben Jahres begann er eine Lehre als Schilder- und Lichtreklame-Hersteller, die er 1969 erfolgreich abschloss. Er verließ 1970 Berlin und reiste durch Deutschland. Nach einem bewegten Arbeitsleben unter anderem als Disc-Jockey, Verkaufsfahrer, Kundenbetreuer, Fotograf und Bauhelfer, machte er sich 1979 als freiberuflicher Fotograf und Kunstmaler selbstständig.

Als Mitglied der Künstlergruppe „Bloody Dog“ nahm er an Ausstellungen teil wie z.B. die „Freie Berliner Kunstausstellung“. Er begann Autos und Motorräder mit bunten Bildern, Mustern und Effektlacken zu verzieren.

Im Jahr 1988 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide aufgrund bei der Arbeit eingeatmeter Lösungsmittel, die in Folge zu einer schweren Depression und weiteren Beeinträchtigungen führten. In einem Akt der Verzweiflung erpresste er im Mai 1988 das KaDeWe in Berlin um eine halbe Million DM.

Er heiratete im Jahr 1990 auf den Philippinen, Arno Funke wurde Vater eines Sohnes. In den folgenden Jahren war er auf Grund seiner desolaten Gesundheit nicht in der Lage sich eine Existenz aufzubauen. Das Geld ging zur Neige.

1992 begann die Erpressung des Karstadt-Konzerns, die 1994 mit seiner Verhaftung endete. In einem ersten Prozess wurde er zu 7 Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Der BGH hob das Urteil auf. In einem zweiten Prozess wurde er zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach 4 Jahren Haft kam er in den offenen Vollzug und wurde im Juni 2000 wegen guter Führung entlassen.

Arno Funke veröffentlichte 1998 das autobiographische Buch: „Mein Leben als Dagobert“ und 2004 „Ente Kross“ – eine Mischung aus satirischen Geschichten und Karikaturen.

Arno Funke arbeitet seit 1999 für das Satiremagazin „Eulenspiegel“ als Illustrator und Karikaturist. Desweiteren trat er in der Satireshow „Erbrechen lohnt sich nicht“, und mit den Schauspielern Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler in der Bühnen-Talkshow „Steckenpferde“ auf.

Im Jahr 2004 trat er in der für den englischen Fernsehkanal Channel 4 produzierten Reality-Show „The Heist“ noch einmal in der Rolle des Erpressers auf.
Arno Funke lebt heute in Berlin.

 

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius