Dienstag, 08. Januar 2013, 23:54 Uhr

"Django Unchained": Deutschland-Premiere auf blutrotem Teppich

Heute Abend fand in Berlin die umjubelte Deutschlandpremiere von Quentin Tarantinos ‘Django Unchained’ statt. Der Oscar-prämierte Kult-Regisseur stellte seinen vielbeachteten neuen Film nach der Pressekonferenz heute Mittag auch am Abend persönlich vor und brachte auch seine Hauptdarsteller Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson mit ins Sony Center am Potsdamer Platz.

Leonardo DiCaprio sei aus Termingründen nicht dabei hieß es am Rande. Der Star dreht gerade.

Die Premiere des knapp dreistündigen äußerst blutrünstigen Rassisten-Dramas wollten sich natürlich auch zahlreiche prominente Premierengäste nicht entgehen lassen.

Über den blutroten Teppich flanierten reichlich deutsche Prominente wie Mariella Ahrens, Natalia Avelon, Minu Barati-Fischer, Caroline Beil, Iris Berben, Oliver Berben, Hendrik Borgmann, Patrice Bouédibéla, Anne-Sophie Briest, Gedeon Burkhard, Werner Daehn, Julia Dietze, Dennis Gansel, Martina Gedeck, Dana Golombek, Sylvester Groth, Jan Hahn, Simone Hanselmann, Leander Haußmann, Thomas Heinze, Susan Hoecke, Henry Hübchen, Cherno Jobatey.

Ebenfalls gesichtet: Christian Kahrmann, Oliver Kalkofe, Mark Keller, Vinzenz Kiefer, Annika Kipp, Johanna Klum, Dani Levy, Kerstin Linnartz, Maxim Mehmet, Sönke Möhring, Sonsee Neu, Wilson-Gonzales Ochsenknecht, Christoph M. Ohrt, Gaby Papenburg, Minh-Khai Phan-Thi, Ludger Pistor, Ivy Quainoo, Lara-Isabelle Rentinck, Lee Rychter, Benjamin Sadler, Clemens Schick, Tom Schilling, Xenia Seeberg, Florian Simbeck, Jan Sosniok, Jürgen Tarrach, Anna Thalbach, Simone Thomalla, Georgia Tornow, Tom Tykwer, Kostja Ullmann, Maike von Bremen, Johann von Bülow, Tobey Wilson, Fahri Yardim, Anastasia Zampounidis, Prof. Regina Ziegler, Dennenesch Zoudé u.v.a..

Zur Stunde wird noch immer eine ausgelassene Premierenparty im Tarantino-Style gefeiert…

Der Name „Django“ ist Fans des Spaghetti-Westerns selbstverständlich bestens vertraut. Franco Nero spielte diese ikonische Figur erstmals 1966 in dem entsprechend betitelten Film Django (engl. Titel: Django, dt. Titel: Django). Nero stieß zur Produktion, um in ‘Django Unchained’ einen Gastauftritt zu absolvieren. „Für uns in Österreich war ,Django‘ ein geflügeltes Wort. Nicht unbedingt Franco Nero, aber auf jeden Fall ,Django‘“, sagt Waltz.

„Jeder zweite Spaghetti-Western, der damals im deutschsprachigen Raum in die Kinos kam, und war er noch so obskur, hatte in der deutschen Fassung ,Django‘ im Titel, auch wenn im Film überhaupt kein Django vorkam. Man benutzte einfach ,Django‘, weil der Name so etwas wie ein Schlüsselwort für das ganze Genre war. Wenn ,Django‘ im Titel war, wusste man, dass man es mit einem Spaghetti-Western zu tun hatte.“

„Mir gefällt es, mit dem Django-Titel heraufzubeschwören, was er für den Spaghetti-Western und seine Mythologie bedeutet“, erzählt Tarantino. „Zugleich gibt es eine etwa 40 Filme umfassende Serie mit Rip-off-Fortsetzungen, die eigentlich überhaupt nichts mit Django zu tun hatten.“

In der Tat war der originale Django so erfolgreich, dass andere Filme sich den Namen aus Vermarktungsgründen ausliehen. Zu den einfallsreicheren Titeln zählen Se Sei Vivo Spara (engl. Titel: Django Kill… If You Live, Shoot!, dt. Titel: Töte Django, 1967), Django il Bastardo (engl.Titel: Django the Bastard, aka Django the Avenger, dt. Titel: Django und die Bande der Bluthunde, 1969), W Django aka Lo chiamavano Django (engl. Titel: Man Called Django aka Viva! Django, dt. Titel: Ein Fressen für Django, 1971) und Giù la Testa… Hombre (engl. Titel: Ballad of Django aka Fistful of Death aka Strange Tale of Minnesota Stinky, dt. Titel: Ich will deinen Kopf, 1971), um nur einige zu nennen.

Für Tarantino steht der Western für grandiose, meisterliche Darstellungen von Gut und Böse. Er fand, dass die Weite und Struktur des Genres perfekt zu dieser Geschichte passten, in der vom Kampf eines Mannes erzählt wird, eine besonders berüchtigte Plantage zu infiltrieren, um seine Frau zu befreien. „Das kann nicht albtraumhafter sein, als es in Realität war“, erklärt Tarantino.

„Es ist unvorstellbar, sich die Schmerzen und das Leid auszumalen, die in diesem Land durchlebt wurden. Dies in der Interpretation eines Spaghetti-Westerns darzustellen, bot sich regelrecht an. Die Realität passt auf die größte Leinwand, die man sich für diese Geschichte vorstellen kann.“

Die Dreharbeiten begannen am 28. November 2011 an einem Drehort, der Fans des Westerngenres sicherlich bestens bekannt ist: die Melody Ranch in Santa Clarita, Kalifornien. Diese Westernstadt gehörte einst Gene Autry, und sie wurde für zahllose klassische Filme und Fernsehserien eingesetzt, darunter Stagecoach (Ringo, 1939), High Noon (Zwölf Uhr mittags, 1952) und „Rauchende Colts“.

Foxx und Waltz hatten monatelang mit dem Stuntkoordinator Jeff Dashnaw und Pferdetrainer Spence Bennett geübt, bevor sie sich vor den Kameras in die Sattel schwangen. „Auf eine gewisse Weise genieße ich es“, sagt Waltz über seine Beziehung zu seinem Pferdekompagnon. „Sie brachten mir einen Ansatz bei, der mehr ist als einfach nur zu reiten. Mir gefällt der Umstand ungemein, dass es das Pferd versteht, wenn ich die richtige Sache mache. Und wenn es das Pferd nicht versteht, dann liegt das ziemlich wahrscheinlich daran, dass ich nicht klar genug kommuniziert habe, was ich wollte.“

Klare Kommunikation und Wochen der Vorbereitung waren nötig, als die Produktion weiterzog in die Big Sky Ranch in Simi Valley, Kalifornien, wo die Sequenz gedreht werden sollte, in der Spencer Bennett einen Haufen Männer versammelt, um den Wagen von Schultz zu überfallen. Weil man einiges an Können mitbringen musste, um die vertrackte Szene abzuwickeln, holte Dashnaw die fähigsten Reiter an Bord, die er finden konnte, was eine Gruppe von überaus begabten Stuntleuten unterschiedlichsten Alter ergab. „Ihr Zeitgespür wart makellos“, berichtet Dashnaw.

„Wir hatten Jungs von 19 bis 75 Jahren in dieser Einstellung. Alles war perfekt ausgeglichen. Es war ungemein befriedigend, denn wir hatten drei Generationen von Stuntmännern mit dabei, von Vätern über Söhne zu Enkeln – alle Altersstufen waren mit dabei.“

Nach dem Aufenthalt auf der Melody Ranch und Big Sky sattelte die Produktion um und schlug ihre Zelte etwa 300 Kilometer weiter nördlich auf, in Lone Pine, Kalifornien, in der Nähe von Death Valley. High Sierra (Entscheidung in der Sierra, 1941), Bad Day at Black Rock (Stadt in Angst, 1955) und The Ox-Bow Incident (Ritt zum Ox-Bow, 1943) sind nur einige von hunderten von Filmen, die die unverkennbaren Alabama Hills in Lone Pine als Kulisse benutzt hatten.

Das erste Aufeinandertreffen von Django (Foxx) und Schultz (Waltz) wurde in den kargen Wäldern von Independence, ein wenig nördlich von Lone Pine, gefilmt.

James Russo und James Remar, die 1983 als Ko-Stars für The Cotton Club (Cotton Club, 1984) gemeinsam vor der Kamera standen, feierten ein kurzes Wiedersehen beim Dreh der Eröffnungsszene von ‘Django Unchained’.

„Es war irre. Wir hatten eine gute Zeit. Die Temperatur lag weit unter null Grad in Lone Pine. Ich denke, wir befanden uns höher als 3000 Meter. Der Wind heulte. Wir haben lange Nächte gedreht, und ich hatte die Ehre, auf dem durchgefrorenen Boden liegen zu dürfen, nachdem ich niedergeschossen wurde“, erinnert sich Remar.

Lone Pine war gerade kalt genug, um überzeugend die arktischen Temperaturen rüberzubringen, die sich Tarantino für diese Sequenz vorgestellt hatte.

„Es war sehr, sehr wichtig, denn Quentin glaubt an die Magie von Effekten, die ohne Hilfe von CGI hergestellt werden. Und an den Eindruck, den Filmmagie auf die Menschen macht. Also suchten wir einen Ort, an dem wir die Eröffnungssequenz des Films drehen konnten. Es gab einen Produktionsassistenten, der sicherstellen musste, dass es kalt und feucht genug war, dass man den Atem der Schauspieler sehen konnte“, erinnert sich Stacey Sher.

„Aber danach ging es weiter nach Wyoming“, merkt James Remar an. „Und ich habe mir sagen lassen, dass die Kälte dort die Temperaturen in Lone Pine wie einen Sommerurlaub wirken ließen.“

Fotos: SonyPictures