Mittwoch, 09. Januar 2013, 22:25 Uhr

The Heartbreaks: Die unverschämt geile Neuentdeckung aus England

„Die Arctic Monkeys waren die letzte große britische Band“, so Joe Kondras, Drummer und tragende Songwritingkraft bei The Heartbreaks. „Und ich bin ehrlich überzeugt, dass wir die nächsten sind.“ Das klingt ja schon mal großschnäuzig und vielversprechend.

Es scheint mehr eine Mentalität als eine einfache Band zu sein. Eine Mentalität, die für das Quartett aus Morecambe darauf aufbaut, dass Musik nicht nur Beiwerk, sondern absoluter Lebensinhalt ist. „Wir sind etwas das man lieben kann“, fügt Sänger Matthew Whitehouse hinzu. „Die Band, in der ich sein möchte, ist die Art Band deren Poster ich mir mit 13 aufgehangen hätte. Und derzeit gibt es niemanden außer uns, der in Frage käme.“

Man kann sagen, dass sich dieser Haufen – komplettiert durch Gitarrist Ryan Wallace und Bassist Chris (Deaks) Deakin – schon vom ‘wir machen Musik, die wir mögen und wenn’s anderen gefällt, umso besser’ – Pfad verabschiedet hat. Und ihre selbstbewussten Statements stützen sie durch ihr Debüt ‘Funtimes’, dass sich aufbaut aus klassischem Songwriting britischer Prägung und lebhaften Melodien.

Das erste Album erscheint diesen Frühling und hat sich zum Ziel gesetzt britischer Gitarrenmusik nicht nur einen Schuss Adrenalin zu verpassen, sondern vielmehr einen Starkstromstoß durchs Rückenmark zu jagen.

Während die meisten britischen Hoffnungsträger mit dem überhasteten Debüt auf direktem Weg in die Hypefalle geraten, ist das Album der Heartbreaks – produziert von Tristan Ivemy – das Ergebnis einer selbstaufopfernden Suche nach Perfektion und Kontrolle. Die Reise begann, als sich der Vierer einem Ernährungsplan aus Northern Soul, Motown, Elvis Costello, The Jesus & Mary Chain, Bruce Springsteen und Orangensaft unterwarf und sie sich entschlossen ihre Leidenschaft für klassische, britische Popgeschichte mit eigenen Vision zu kombinieren. Hauptsache vorwärts. Vereint schufen sie ihre eigene Welt in der eher grauen Küstenstadt Morecambe.

„Wir haben einfach alles verschlungen, was wir bekommen konnten“, erklärt Matthew.

„Unsere örtliche Radiostation, The Bay, spielte alten Rock ‘n’ Roll der Fünfziger dazu Motown, Blondie, einfach großartige Popsongs. Als dieser ganze Schwung von Gitarrenbands rauskam wurde es ziemlich offensichtlich, dass wir nicht die gleichen Einflüsse teilten. Jedenfalls waren wir nie eine dieser Bands, die im Pub die Strokes oder Arctic Monkeys coverten.“

The Heartbreaks wurden schnell zu groß für Morecambe, also zogen sie nach Manchester und fingen an im Eiltempo Fans einzusammeln. Immer mehr Leute spürten den Buzz.

Einer von ihnen war Carl Barat, der sie mit auf Tour nahm. Ihr erster UK-Trip. Ein anderer war Morissey, der sie einlud ihn auf Tour zu begleiten nachdem er ihre Debüt-Single, das Johnny Marr- Costello-mäßige „Liar, My Dear“ gehört hatte. „Er hatte profunden Einfluß auf uns alle“, bestätigt Joe. „Es ist unglaublich von jemandem wie ihm wahrgenommen zu werden.“

Bald stieß Hurts zum allgemeinen Love-in und es ging durch Europa. Dann folgte ein weiterer Held der Band, Edwyn Collins, der schließlich auch den Song „Remorseful“ produzierte. Von Morissey bis Collins, es überrascht nicht, dass die Großen Namen des britischen Songwriting-Kanons sich in The Heartbreaks wiedererkennen. Die Band kombiniert Euphorie und Melancholie in dreiminütigen Ausbrüchen, die sich im Ohr festbeißen und die man so nicht mehr gehört hat seit eben ihre Idole ihren Zenit hatten. Songs wie der atemberaubende Abschlusstrack (und zweite Single) „I Didn´t Think It Would Hurt To Think Of You“.

„Der Titel sagt alles, was man über die Lyrics wissen muss“, lacht Joe. „Da kommen sie her, Schuld und Eifersucht sind in der Regel gute Ausgangspunkte. Ich denke deshalb schreibe ich überhaupt Songs – ich fühle den Zwang, dass der Song geschrieben werden muss. Einen Song zum reinen Selbstzweck zu schreiben ist eine Sünde und etwas, das ich nie tun werde.“

Joe wählte auch die nächste Single „Delay Delay“ aus, ein persönlicher Favorit. „Ich habe ihn geschrieben als offenen Brief an einen Freund, als Ratschlag den Tag zu nutzen und nicht verpassten Chancen nachzutrauern“, erklärt er. „Der Song wurde ein Live-Favorit, er hat diesen stürmischen, fast schon amerikanischen Vibe.“

Und der Albumtitel? Zum Teil vom Namen einer Spielhalle in Morecambe inspiriert, transportiert er für Joe aber auch eine weitere Bedeutung: „Große Teile des Albums suhlen sich in Schwermut, da war es ein schöner Kontrast das Album ‘Funtimes’ zu nennen“, erläutert er. „Es kontert auch die fehlgeleitete Wahrnehmung mancher Leute, wir seien mürrische Nordlichter. Ich hoffe es zeigt, dass wir trotz aller großer, hymnischer und melodramatischer Popsongs einen Sinn für Humor haben.“

The Heartbreaks sind also keine Band, sondern eine Mentalität, eine Geisteshaltung, ein Lifestyle, ein Idealismus – und unglaubliches, klassisches Songwriting, welches so schmerzlich vermisst wird. Und nun also die endgültige Kundgebung all dieser Elemente: Das Debüt „Funtimes“.

„Wir sind ein wenig altmodisch“, lacht Joe. „Ich liebe Alben als Gesamtkunstwerke. Heutzutage ist alles so wegwerfbar und das ist nunmal der Lauf der Dinge, aber das bedeutet nicht, dass wir uns dem anpassen werden. Ein Album ist ein Kunstwerk und verdient Respekt. Und das haben wir getan.“

Das erste Album. “Funtimes” erscheint in Deutschland am 15. Februar 2013. Hier gibts den Freedownload Track ‘Polly (Remix)‘! Hier geht’s zum Video!