Donnerstag, 10. Januar 2013, 13:07 Uhr

Dschungelcamp-Steckbrief (10): Alles über Olivia Jones ohne Maske

Die Hamburger Drag Queen Olivia Jones hat seit Jahren kontinuierlich an ihrem Image gefeilt und sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Bild geschoben. So ein zähes Engagement muß belohnt werden.

Somit ist Olivia eine der elf Auserwählten für die Dschungelcamnp-Saison 2013. Der 43-jährige Travestiekünstler heißt eigentlich Oliver Knöbel und nur die wenigsten kennen den Mann hinter der Maske. Und unser (etwas älteres) Foto zeigt eines der extrem seltenen unmaskierten Augenblicke der putzigen Diva.

In der vorletzten Folge unser Dschungelcamp-Porträts schauen wir hinter die Maske.

Warum gehen Sie ins Dschungelcamp?
„Ich bin ein großer Fan dieser Show, je bekloppter die Sendung, desto eher bin ich ein Fan. Es gibt keine Show, bei der man sich besser auf Kosten anderer profilieren kann, deswegen bin ich sehr gerne dabei.“

Haben Sie Angst davor, zwei Wochen fernab der Zivilisation zu leben?
„Ich lebe und arbeite auf St. Pauli, da gibt es das Wort Hygiene auch nicht. Da kann mich nichts erschrecken und mit Ungeziefer kenne ich mich aus. Da ist es so was von stressig, so dass der Dschungel für mich wahrscheinlich eine große Erholung sein wird und ich alle Fünfe von mir strecken kann.“

Würden Sie Insekten essen?
„Ich will bis an meine Grenzen gehen. Ich habe Platzangst, Höhenangst und habe Angst vor allem was krabbelt, sogar vor Fröschen und Molchen. Also wird es sehr unterhaltsam und ich habe Lust gegen meine Phobien anzukämpfen, weil mir das echt auf den Keks geht.“

Haben Sie eine Strategie dafür?
„Augen zu und durch! Man muss sich seinen Ängsten ganz einfach stellen. Ich bin sehr zäh und ich werde das hinkriegen. Ich werde alles mit sehr viel Humor über mich ergehen lassen. Mich hat einfach die Abenteuerlust gepackt.“

Ist es ein Problem für Sie, auf Make Up und High Heels zu verzichten?
„Es gibt ja permanent Make Up, ansonsten kann ich den Oliver noch ein bisschen durchblicken lassen. Ich habe eine so große Persönlichkeitsstörung, die kann ich da gleich behandeln. Ich weiß ja selber nicht was ich bin: Hund, Katze, Maus, Mann, Frau-keine Ahnung!“

Werden Sie sich im Camp freizügig zeigen?
„Ich weiß nicht, ob man mich so freizügig sehen will wie Micaela Schäfer. Wenn ich meinen Wurm raushole, ist das für die anderen wie eine Dschungelprüfung. Das Motto ist dann: Mutti holt die Klöten raus!“

Was werden Sie besonders vermissen?
„Dass ich mir ab und zu einen Tagesabschnittspartner suchen kann, denn meine Heimat St. Pauli ist eine sexuelle Spielwiese. Auch Kaffee werde ich vermissen.“

Worauf achten Sie bei der Partnerwahl?
„Im Grunde genommen ist mir alles vollkommen egal, Hauptsache einer erbarmt sich meiner. Ich würde auch eine Frau nehmen, ich bin da sehr offen.“

Wie stehen sie zu Sex im Dschungel?
„Ich hätte kein Problem mit Sex im Dschungel. Das Problem ist eher jemanden zu finden, der mitmacht.“

Wollen Sie Dschungelkönigin werden?
„Natürlich. Ich bin schon die ‘Königin von St. Pauli’, jetzt will ich die ‘Dschungelkönigin 2013’ werden.“

Angefangen hat bei Olivia Jones alles mit Muttis Frauenkleidern im beschaulichen Springe – draus geworden ist ein schriller und erfolgreicher Paradiesvogel: Olivia Jones ist heute Promi-Gastronomin, Touristik-Unternehmerin, Society-Reporterin und selbsternannte Bürgermeisterin von St. Pauli. Die Presse nennt sie „Kult-Transe“, „Hamburg Ikone“ oder „Kiez-Königin“ – aber trotz eigenem Denkmal im Geburtsort ist sie ein Star zum Anfassen geblieben.

Ein ungewöhnlicher Werdegang im Zeitraffer: Geboren in Springe bei Hannover. Gefühltes Alter: Chronische 28. Schon in der Schulzeit erste Travestie-Auftritte – zum Leidwesen von Familie und Lehrern! Auch zur Bundeswehr-Musterung erscheint sie im „Fummel“ und antwortet auf die Fang-Frage, auf welche Toilette sie denn gehen würde, für Männer oder Frauen, „Immer dahin wo gerade mehr los ist!“. Sie wird für „wehruntauglich“ erklärt. Zum Zeitvertreib künstlerische Weiterbildung: Sprechtraining, Schauspielunterricht und Maskenbildner-Kurse. 1989/90 Umzug nach Hamburg. Erste Auftritte und – nach Fürsprache von Lilo Wanders – wenig später eigene Shows im legendären Schmidt-Theater auf der Reeperbahn.

Im Jahr 1997 erfolgt der internationale Durchbruch: Olivia Jones setzt sich in Miami als offizielle „Miss Drag Queen Of The World“ gegen zahlreiche Mitbewerber(innen) aus aller Welt durch. Diverse TV-Engagements folgen, u.a. als Grand Prix-Reporterin für RTL und als CSD-Moderatorin für MTV. Zudem folgen erste herausragende Gala-Moderationen – z. B. für die UNICEF an der Seite von Nina Ruge. Sie engagiert sich ehrenamtlich, vor allem für die weltgrößte Tierschutzorganisaion PETA an der Seite von Nina Hagen.

Anfang 2004 startet die medienwirksame Gegen-Kandidatur zu Rechtsaußen-Politiker Ronald Schill bei der Hamburger Bürgerschaftswahl. Ihre prominenten Unterstützer sind u. a. Udo Lindenberg und Pamela Anderson, begleitet von großem Presse-Echo von Deutschland bis Amerika. Wahlausgang: Einzug in die Bürgerschaft verpasst, aber Wahlziele erreicht – Schill scheitert an der 5-Prozent-Hürde, Olivia erhält mehr Stimmen als die Ex-Schill-Partei, die NPD sowie die Partei Bibeltreuer Christen, womit das Image Hamburgs als tolerante Stadt und „Tor zur Welt“ aus Olivias Sicht gerettet ist. Jedenfalls vorerst.

Zur Fußball-WM 2006 macht Olivia auf Anregung der Stadt erstmals eigene Touristen-Führungen über die Reeperbahn. Aufgrund des großen Zuspruchs seit September 2008 auch eigene Hafenrundfahrten. Ende 2008 eröffnet sie die „Olivia Jones-Bar“ auf der legendären „Großen Freiheit“ und im Mai 2010 direkt gegenüber „Olivias Wilde Jungs“ – die erste Menstrip-Bar zu der nur Frauen Zutritt haben, was von der Presse als „Gipfel der Emanzipation“ gefeiert wird. Der Zuspruch des weiblichen Publikums lässt nicht lange auf sich warten.

Im August 2010 setzt der NDR Olivia im Rahmen der Kampagne „Das Beste im Norden…“ ein Denkmal in ihrer Geburtsstadt. Zu diesem Zeitpunkt hat sie sich jedoch eigentlich längst schon selbst eines gesetzt: Als „Star-Reporterin“ des NDR-Satire-Magazins „Extra 3“ beim NPD-Landesparteitag in Niedersachsen im stilechten BDM-Outfit als „graue Maus“ unter „braunen Buben“. Der Sendemitschnitt wurde bei Youtube millionenfach abgerufen und tausendfach kommentiert. Der Release des eigenen Proseccos rundet das erfolgreiche Jahr ab.

Vorläufiger Höhepunkt der Karriere: Im Frühjahr 2012 eröffnet die Drag Queen in einem Hinterhof der Großen Freiheit „Olivias Show Club“. In den Räumen eines ehemaligen Bordells gibt es nun „Burlesque, Travestie und Comedy“. Das Kieztour-Team ist mittlerweile auf sechs Guides angewachsen, darunter Lilo Wanders, Tanja Schumann, Sven Florijan und Eve Champagne.

Es bleibt spannend, was die Zukunft sonst noch bringen wird. „Langweilig wird’s jedenfalls nicht“ wie Olivia immer so schön zu sagen pflegt.

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius, WENN.com

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