Freitag, 18. Januar 2013, 19:47 Uhr

"No Place on Earth": 511 Tage Flucht in eine unterirdischen Höhle

Die Emmy-preisgekrönte Regisseurin Janet Tobias („Life 360“) erzählt von einem furchtbaren Rückzug in die Wildnis, die zur letzten Rettung wird. Die ununterbrochene Dunkelheit hat die Überlebenden der Familie Stermer bis zum Ende ihres Lebens begleitet.

Da kommt ein Film in die deutschen Kinos, der erschütternd ist wie kein anderer zuvor.

In ‘No Place on Earth’ (OT) spürt Janet Tobias ihrem Schrecken nach, aber auch ihrem Trost. Ihr gelingt dabei nicht nur die spannungsvolle und berührende Geschichte einer wahnsinnigen Flucht, sondern auch das Porträt einer faszinierenden Frau mit einem unverrückbaren Lebenswillen.

Im Spiel mit Licht und Schatten, in Interviews und in Spielfilm-Sequenzen findet ‘No Place on Earth’ Bilder für das Unvorstellbare unserer jüngsten Vergangenheit und spürt den Schattenseiten ihrer Darstellung nach.

Der Oscar-nominiert Kameramann César Charlone („City of God“, „Der ewige Gärtner“) und Lola-Preisträger und Cutter Alexander Berner („Baader-Meinhof Komplex“, „Das Parfüm“) schaffen unvergessliche Bilder, die es uns erlauben, die Wahrheit dieser – und unserer – unglaublichen Geschichte in den Steinkristallen der Höhlenwände aufblitzen zu sehen. Wenn die Zivilisation versagt, muss man im Dunkeln leben lernen.

Und darum geht’s:
Jede Höhle hat ein Geheimnis. Doch was Höhlenforscher Christopher Nicola 1993 auf seiner Expedition in das weitverzweigte Höhlensystem der Ukraine entdeckt, ist eine unglaubliche, eine erschütternde, aber vor allem eine wahre Geschichte. Sie führt tief ins Herz der europäischen Vergangenheit. Unter der Erde, fern vom Nachwende-Taumel, in den Europa versunken war, stößt der Höhlenforscher auf Spuren und Objekte, die einmal ein Leben waren. Stück für Stück setzt er ihre ungeheuerliche Geschichte zusammen – es ist die Geschichte von Esther Stermer und ihrer jüdischen Familie.

In die Enge getrieben vom heraufziehenden Faschismus, verkauft Esther Stermer 1939 Haus und Hof. Doch kurz bevor die Flucht ins rettende Ausland gelingt, bricht der Krieg aus und lässt die Stermers ausweglos zurück.

Esther Stermer trifft eine unglaubliche Entscheidung: Im Oktober 1942 führt sie ihren Ehemann, ihre Töchter, Söhne und Enkelkinder unter die Erde in eine Höhle. 28 Menschen, darunter auch Esther Stermers Schwester Leiche Wexler und deren zwei Söhne Sol und Leo ziehen unter die Erde.

Von hier aus gibt es kein Weiterkommen. Anderthalb Jahre verbringen sie in der Finsternis am Ende der Welt – der längste Aufenthalt unter der Erde in der Geschichte der Menschheit – bis sie von den Nazis aufgespürt werden…

Nach mehr als 60 Jahren suchen die Stermers jenen Ort wieder auf, der sie fuür immer geprägt hat: die Priestergrotte. Das obere Foto zeigt v.l.n.r.: Saul Stermer, Sima & Sonia Dodyk, Sam Stermer.

Der bewegende Film kommt am 2. Mai in die deutschen Kinos.