Sonntag, 20. Januar 2013, 17:30 Uhr

Nach Säureanschlag: Bolschoi-Ballettchef Sergej Filin im Gesicht operiert

Der bei einem Säureanschlag verletzte Moskauer Ballettchef Sergej Filin vom berühmten Bolschoi Theater muss nach einer Operation weiter um sein Augenlicht bangen.

Ob der Künstler seine volle Sehkraft wiedererlange, stehe erst in zwei Wochen fest, sagte Chefarzt Alexander Mititschkin der Agentur Interfax zufolge.

Auf der Suche nach dem unbekannten Angreifer vernahm die Polizei unterdessen Mitarbeiter und Bekannte von Filin. Die Ermittlungen würden sich auf das berufliche Umfeld des 42-Jährigen konzentrieren, sagte Vize-Regierungschefin Olga Golodez. Sie hat in Absprache mit dem Kreml persönlich die Kontrolle über den Fall übernommen. Filin war seit längerer Zeit anonym bedroht worden.

«Sein Zustand ist stabil, er liegt nicht mehr auf der Intensivstation», sagte Mititschkin. Da Filin zu Wochenbeginn erneut an der Augen-Hornhaut operiert werden müsse, verschiebe sich der geplante Transport in eine Spezialklinik in Belgien auf unbestimmte Zeit. Dort solle die verätzte Kopfhaut des Tänzers behandelt werden, sagte Mititschkin. «Werden Sie bald gesund, wir brauchen Sie», sagte Kulturminister Wladimir Medinski bei einem Besuch in der Moskauer Spezialklinik 36.

Die Polizei sprach von ersten Hinweisen. Am Tatort sei das Gefäß gefunden worden, aus dem der maskierte Täter am Donnerstagabend Filin vor dessen Haus Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet habe, hieß es. “Jemand will sich dafür rächen, dass Sergej im Bolschoi Theater etwas aufbauen will”, sagte Filins Schwiegervater Alexander Prorowitsch.

Als Ballettchef entscheidet Filin seit März 2011 über begehrte und lukrative Rollenbesetzungen in dem weltweit bekannten Musentempel. Filin gilt als einer der weltbesten klassischen Tänzer und sein Posten gilt als einer der einflussreichsten in der Welt des Tanzes.

Der russische Fernsehsender REN-TV zeigte Filin am Freitag mit einem Komplettverband um den Kopf. (dpa/KT) – 203

 

Fotos: Bolschoi