Montag, 21. Januar 2013, 14:10 Uhr

"Dallas": Linda Gray spricht zum deutschen Serienstart

Die Neuauflage und Fortführung der US-Kultserie “Dallas”, die ein komplettes TV-Jahrzehnt geprägt hat, startet am Dienstag, 29. Januar, um 22.15 Uhr, mit einer Doppelfolge bei RTL. Beim US-Kabelsender TNT schlug die Serie über die familiären Intrigen eines Öl-Clans aus Texas ein wie eine Bombe.

Jetzt ist Deutschland im “Dallas”-Fieber.

Es geht um die nächste Generation der Familiendynastie im Kampf um Öl und Macht. Und die “Originale” von damals sind wieder dabei, allen voran Larry Hagman als Oberfiesling J.R. Ewing, Linda Gray und Patrick Duffy.

Im Mittelpunkt der Handlung von “Dallas” steht der Streit zwischen John Ross Ewing (Sohn von J.R. und Sue Ellen, dargestellt von Josh Henderson) und Christopher (Jesse Metcalfe), dem Adoptivsohn von Bobby und Pam. Wie bei ihren Eltern rankt sich der Streit um den Familienbesitz und Öl. Aber sie konkurrieren auch um das Herz der wunderhübschen Elena (Jordana Brewster), Tochter zweier Hausangestellter auf der Southfork Ranch. Christopher ist allerdings mit Rebecca (Julie Gonzalo) verlobt, was die Sache noch komplizierter macht. Und dann gibt es da noch einen gewissen Cliff Barnes (Ken Kercheval) …

Neben der jungen Schauspieler-Garde wie Josh Henderson und Jesse Metcalfe (beide u. a. bekannt aus “Desperate Housewives”) sowie Jordana Brewster (“Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile”), die in “Dallas” (2012) die Hauptrollen spielen, wird es ein lang erhofftes Wiedersehen mit Bösewicht “J.R.” Ewing alias Larry Hagman geben, der am 23. November 2012 mit 81 Jahren gestorben ist.

Die Original-Serie “Dallas” lief zwischen 1978 und 1991 mit 356 Folgen und war ein regelrechter Straßenfeger.

Linda Gray, die in der Rolle Sue Ellen Ewing brilliert, gab RTL ein Interview zum deutschen Serienstart.

Linda, was machte Sue Ellen zur Kultfigur?
Linda Gray: Das habe ich mich auch lange und immer wieder gefragt … Meines Erachtens ist das in erster Linie den Drehbuchschreibern zu verdanken, denn ohne die richtigen Worte und Handlungsstränge hätten wir nichts zu tun. Zu Beginn hatte ich als Sue Ellen so gut wie keinen Sprechtext. In einer der ersten fünf Folgen – also ganz am Anfang – befanden wir uns im Wohnzimmer, J.R. stand hinter der Familie und schwadronierte wie ein Wasserfall. Kein sonderlich angenehmer Mensch, schoss es mir durch den Kopf. Als ich dort auf der Couch saß, dachte ich … Ich bin mit ihm verheiratet! Warum nur hatte sie diesen Mann geheiratet? Sie musste einige Probleme mit sich selbst haben, um J.R. Ewing als Partner zu wählen. So begann ich, im Kopf eine Hintergrundstory zu stricken, warum sie bei diesem Kerl endete. Die Produzenten brachten Martha Scott als Sue Ellens Mutter ins Spiel, die sie dazu erzog, bei einem Mann aufs Geld zu achten und nicht nach Liebe zu suchen.

Außerdem erschien es glaubwürdig, dass J.R. eine Vorzeigefrau suchte, zum Beispiel eine Ex-Miss Texas so wie Sue Ellen. Er hatte es aufs Aussehen, sie aufs Geld abgesehen. Dass diese Beziehung nicht lange halten konnte, war klar. Außerdem fand ich, dass Sue Ellen ziemlich eindimensional gezeichnet war – als Luder, was ihr angesichts der Art, wie er sie behandelte, wohl kaum zu verdenken war. Ich entschied mich, ihr eine gewisse Verletzlichkeit zu verleihen, denn niemand hat nur eine Seite. Ich hatte keine Ahnung, wie lange die Serie laufen sollte, aber ich mag grundsätzlich keine oberflächlichen Darsteller, weil jeder Mensch komplex ist. Warum sollten wir sie also nicht interessant machen? Nach meiner bescheidenen Meinung konnten sich die Leute mit ihr identifizieren und verstehen, warum sie trank – man sehe sich nur an, wie er sie behandelte. Sie brauchte Liebe und Zuneigung, und weil sie von ihm nichts dergleichen bekam, suchte sie sich dies woanders. Ich glaube, Sue Ellens Hin- und Hergerissenheit faszinierte die Leute und ließ sie mitleiden.

Wie schafften Sie es, die betrunkene Sue Ellen so überzeugend zu spielen?
Linda Gray: Ich beobachtete die Menschen. Ich wollte keine kraftlose, verlotterte Trinkerin sein. Hier geht es um eine Gratwanderung. Damals arbeitete ich mich zuhause durch Uta Hagens Buch ‘Respect For Acting’. Das Schlüsselwort lautete Authentizität, denn das größte Ärgernis sind Schauspieler, die übertreiben. Uta Hagen empfahl in ihrem Buch, leicht zu schielen. Brillant! Ich probierte das aus, alle meine Bewegungen wurden dadurch langsamer.

Und deshalb wollte Ihnen dann jeder einen Drink spendieren?
Linda Gray: (lacht) Nein, ich glaube, sie hatten Angst davor, was passieren könnte!

Als Sie im West End in der Reifeprüfung spielten, äußerten Sie, dass Sue Ellen Geschichte sei. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?
Linda Gray: Vermutlich, weil ich falsch lag! Larry, Patrick und ich haben uns darüber unterhalten – welcher Schauspieler bekommt schon das Angebot, zwanzig Jahre später in dieselbe Rolle zu schlüpfen? Wir drei bekamen diese Chance und denken gerne an vergangene Zeiten zurück.

Warum sind Sie drei so gute Freunde geblieben?
Linda Gray: Das hat mit einer gewissen Magie zu tun, glaube ich. Ich habe viel darüber nachgedacht, kann es aber nicht erklären.

Wie fühlt es sich an, immer noch so sexy zu sein?
Linda Gray: Toll, wenn man so etwas noch in meinem Alter gesagt bekommt, ich finde das großartig! Jede Frau möchte das doch hören, oder?

Fotos: RTL