Dienstag, 29. Januar 2013, 18:25 Uhr

SØLYST mit neuem Album: Eine hypnotische Reise ins Herz der Finsternis

Am 12. April kommt das zweite Soloalbum des Kreidler-Drummers Thomas Klein alias SØLYST – eine hypnotische Reise ins Herz der Finsternis.

Dunkle Synthesizer-Patterns, drohende Basslinien, treibende Schlagzeugfiguren, verhallte Percussion-Effekte. SØLYST erkundet mit seinem sogenannten Tribal Kraut Dub neue Tiefen.

Zehn Stücke versammeln sich auf „Lead“. Das erste davon, „Pierbourg“, rollt mit stoischer Entschlossenheit los ins Ungewisse, wie um einen Weg durch unbestimmbare Dunkelheit zu spuren, eine Marke zu setzen. Ein grimmig stampfender Beat treibt gradlinig und unbeirrt voran und lässt keinen Zweifel an Entschiedenheit.

Drums, Percussion, Synth Patterns, Delays und skeletthaft spärliche Fragmente von Melodien markieren den Sound für die nächsten 40 Minuten und knüpfen an den Klangkosmos des Vorgängers an, wenn auch klarer, geschliffener. Die Reise ist gespickt mit allerlei Höhen und Tiefen.

Nach euphorischen und gelasseneren Momenten, nach treibenden und pulsierenden Stücken mit federnder Leichtigkeit und bleierner Schwere endet der Trip mit „Schnee“. Das Drängen hat sich aufgelöst und ist in eine hypnotische, entspannte Bewegung übergegangen, hat einen angemessenen Rhythmus gefunden, den Blick nach oben zu den Sternen gerichtet. Die Anstrengung ist vorüber. Alle Kämpfe sind ausgetragen und alle Hindernisse vorerst überwunden.

Das Physische mit aller Art von Schlagwerk ist, und bleibt, essentiell bei SØLYST. Und es zeigt sich, wie in der Auffassung und Umsetzung dieser Physis immer wieder Spielräume ausgelotet werden. Der Einsatz von Schlagzeug und Percussion wird zum lebendigen, treibenden und drängenden Energieträger. Aber auch die rudimentären Melodien, sogar Stimmungen, werden in weiten Teilen von den Drums geprägt. Dabei wechselt die Spannbreite des Stimmungsbildes zwischen unterkühlter Weite und hitziger Unmittelbarkeit.

Als ob es verschiedene Aggregatzustände eines Stoffes wären, wechselt auch das Schlagzeugspiel sein Erscheinungsbild immer wieder und damit auch seine Rolle.

Die elektronischen Sounds und Sequenzen werden durch eingeschliffene Delays zu dynamischen Gebilden von starker Emotionalität. Diese treffen auf das besondere Schlagzeugspiel von Thomas Klein der sein Instrument oft zum eigentlichen Hauptakteur stilisiert. Jedoch liegt das Augenmerk nicht auf Könnertum und Virtuosität, sondern auf dem Spannungsfeld zwischen diesen beiden, ineinander verzahnten Bestandteilen und deren überaus lebendigem Zusammenspiel.

Die Art, wie akustische Drums und elektronische Sounds sich hier zu verbinden und zu bekämpfen scheinen, ist das Besondere, das Aufregende und Mitreißende an „Lead“!

Fotos: Anita Potzler