Samstag, 02. Februar 2013, 20:40 Uhr

Jakob tauscht sich reich - Alles begann mit einem grünen Luftballon

Jakob Strehlow kann seinen Namen tanzen, wie fast alle Waldorfschüler. Doch der 18-Jährige aus der Nähe von Flensburg kann weit mehr als das. Er kann sich auch “reich” tauschen.

Aus einem gebrauchten Luftballon – einem Cent-Artikel – machte er binnen einem Jahr eine nagelneue Edel-Uhr einer Hamburger Maßuhrenmanufaktur. Bei denen kostet schon der einfachste Zeitmesser stolze 1.800 Euro.

“Tauschen ist der älteste Handel auf der Welt”, sagt Jakob. Doch er will kein Hans im Glück sein, der am Ende mit leeren Händen dasteht. “Mein Ziel ist, dass ich bewusst gegen etwas Höherwertiges tauschen will, und das immer weiter.”

Dieses “Tausch-dich-reich”-Projekt ist nicht nur die Abschlussarbeit für seinen Realschulabschluss. Der Gewinn soll letztendlich seinem örtlichen Sportverein zugutekommen. Seine Tauschangebote verbreitet er über eine eigene Internetseite. Zudem hat er schon Hunderte von Flyern in und um Flensburg verteilt.

Der “Grundstein” seiner Tauschgeschäfte war ein grüner Luftballon, der schrumpelig in der hintersten Ecke seiner Schreibtischschublade ein trauriges Dasein fristete. «Den tauschte ich gegen ein Multifunktionswerkzeug» – eine Art Schweizer Taschenmesser mit integrierter Zange, Feile, Säge und Schraubenzieher.

“Das lief alles so schnell ab und ich war noch ohne Plan: Ich hab’ gleich beim ersten Angebot zugeschlagen und nicht auf weitere gewartet”, sinniert der 18-Jährige.

Beim zweiten Mal ging er überlegter vor. Einen Brummkreisel von Biene Maja samt Teddyanzug in Größe 62 hätte er kriegen können oder eine echte Fußgängerampel, die früher an einer Straße stand. “Das klang cool! Aber wer will denn so was haben?” Sein neues Tauschobjekt sollte für möglichst viele Menschen interessant sein. Also entschied sich Jakob für eine Video-Software im Wert von rund 70 Euro. Die tauschte er später gegen ein rotes Damenfahrrad, für das er eine elektrische Wasserpumpe bekam. Die gab er für einen Kombidämpfer wieder her. Das ist ein spezieller Umluftofen für Köche, der mit heißem Dampf die Speisen schnell und schonend gart.

Drei Monate dauerte es danach bis zum nächsten Tauschgeschäft. Im 600 Kilometer entfernten Dresden bekam er für seinen Koch-Automaten ein komplettes Tonstudio: Zwei Tische – “Die stammten aus den alten Rammstein-Proberäumen” – samt Mischpult, Mikrofonen, Kopfhörern sowie PC und zwei Flachbildmonitoren «und ganz viel Kleinkram wie Kabel, Tastatur und verschiedene Anschlüsse dazu”.

Das Tonstudio war heiß begehrt: 168 Angebote bekam Jakob. “Das ist eine ganze Menge, aber die Quantität siegte über die Qualität der Angebote.” Neben einer Spielekonsole, einem elektrischen Kontrabass und einem alten Rasenmäher wurde auch ein defekter Radlader offeriert. Nach vier Monaten entschied sich der 18-Jährige schließlich für ein 16 Jahre altes Auto. “Mir war klar, ich würde mich damit runtertauschen”, erklärt Jakob. “Aber es war so lange nichts passiert, und ich hatte die Hoffnung, dass dadurch neuer Wind in die Sache kommt.”

Doch die Hoffnung trog. Obwohl er dem Wagen noch einen neuen TÜV spendierte, dauerte es diesmal sogar fünf Monate beziehungsweise 201 Angebote bis zum nächsten Deal. Denn viele Tauschgeschäfte waren nicht ernst gemeint. Zum Beispiel das Angebot “15 Flaschen Bier nach meiner Wahl” für das Auto. “Scheinbar wusste er nicht, dass es Bier gibt, bei dem eine 0,3-Liter-Flasche 199 Euro kostet.” Jedenfalls sprang der Interessent ab, als sich Jakob das knapp 60-prozentige Weltrekordbier “Schorschbock 57” aussuchte.

“Auch die anderen Angebote waren nicht viel besser. Und so habe ich dann das erste Mal selber Unternehmen angeschrieben, ihnen mein Projekt vorgestellt und angefragt, ob Interesse an einem Tausch bestünde. Nach mehr als 500 Mails klappte es endlich», berichtet Jakob. Eine Maßuhrenmanufaktur aus Hamburg (Fischer & Cie) willigte in das Tauschgeschäft ein.

Als Abschluss für seine Prüfung reicht das. Doch Jakob will weitermachen. Er werde erst aufhören, wenn er ein Haus oder zumindest einen Kleinbus eingetauscht hat, um den Gewinn seinem Sportverein zu spenden, sagt er. (dpa) 025

Fotos: Matthias Strehlow