Freitag, 15. Februar 2013, 15:24 Uhr

Cascada wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe - Kungelei bei der Jury?

Der Sieg der Band Cascada über die Bläsergruppe LaBrassBanda beim deutschen Grand-Prix-Vorentscheid hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Vor allem das Urteil der Jury wird in Internet-Foren kritisiert. Die fünf Experten, darunter Sänger Tim Bendzko und Schlager-Ikone Mary Roos, hatten in der Live-Show LaBrassBanda nur einen Punkt gegeben, während die Radiohörer bei den Ska-Bläsern einhellig die volle Punktzahl vergaben. Hörer von ARD- Jugendradios, TV-Zuschauer und Jury hatten je ein Drittel Einfluss.

Die Bayern wollen 2014 wieder bei dem Vorentscheid antreten, wie Bandmitglied Stefan Dettl der dpa sagte. “Wenn wir dürfen, treten wir nächstes Jahr wieder an.” Die Einschaltquote des von Anke Engelke moderierten Vorentscheids war mit 3,24 Millionen Zuschauern allerdings sehr schwach.

Im Netz wurde unter anderem aufgespießt, dass mindestens zwei der fünf Juroren bei dem selben Label wie Cascada unter Vertrag stehen!

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber verteidigte das Jury-Urteil. “Die haben sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wer die größten Erfolgsaussichten in Europa hat”, sagte der Verantwortliche der Sendung der dpa. Die Juroren hätten großen Wert auf ihre Unabhängigkeit gelegt. Zudem habe die Bonner Dance-Pop-Band Cascada auch in der Gunst der TV-Zuschauer weit vorne gelegen.

Laut ‘Focus’ wurde u.a. als “Wettbewerbsverzerrung” kritisiert, dass während der Show bereits ein Zwischenstand bekanntgegeben wurde. “Das ist Abstimmung à la öffentlich-rechtlich: Liebe Zuschauer, rufen Sie an. Ihr Voting ist uns aber völlig egal, bei uns entscheidet eine ‚Jury‘“, zitierte das Blatt einen Facebook-User. Eigentlich hätte doch das Jury-Urteil zuerst kommen müssen, um eine Einflussnahme zu verhindern. Wieso hat zudem das Urteil einer fünfköpfigen Jury mehr Einfluss auf das Endergebnis als die anrufe hundertausender Anrufer?

Wie dem auch sei, nach den jungen Castingstars Lena und Roman Lob tritt nun eine erfahrene Disco-Sängerin beim Eurovision Song Contest am 18. Mai im schwedischen Malmö für Deutschland an. Das Bonner Trio hat weltweit bereits 30 Millionen Tonträger verkauft. Die 31 Jahre alte Sängerin Natalie Horler präsentierte die kraftvolle Hymne ‘Glorious’ zum Abschluss der Show. Auf Kritik stößt, dass die Melodie des Songs an den ESC-Siegertitel aus dem vergangenen Jahr, ‘Euphoria’, erinnert.

Auch auf der Facebook-Seite der ARD hagelt es Kritik: “Eine Schande für die Veranstalter, dass der Beitrag überhaupt zugelassen wurde.“ Bei Twitter heißt es: “So brutal peinlich, mit dem Siegersong des letzten Jahres, rückwärts abgespielt, in Malmö aufzutauchen.”

Die 31 Jahre alte Sängerin sieht die Plagiatsvorwürfe überhaupt nicht so. “Wir können die beiden Lieder gerne mal übereinanderlegen. Es sind zwei unterschiedliche Lieder.” Das sieht eine akkustische Analyse von Radio Eins allerdings etwas anders.

Am Freitag erklärte die Frontfrau von Cascada: “Ich kann es kaum abwarten, unsere Show für den ESC zu planen und die Bühne für Deutschland in Malmö zu rocken!”

Cascada wurde vor zehn Jahren in Bonn gegründet. Die Bandkollegen DJ Manian und Yanou standen beim Vorentscheid nicht mit auf der Bühne. Sie blieben lieber im Hintergrund, sagte die Deutsch-Britin. Erfolge feierte der Dance-Act mit einer Coverversion von «Everytime We Touch» im Jahr 2006 und dem Titel «Evacuate the Dancefloor», der 2009 in Großbritannien auf Platz eins in die Charts einstieg.

In den vergangenen Jahren hatte Entertainer Stefan Raab maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass der angestaubte Wettbewerb wieder mehr Anklang bei jüngeren Leuten fand. Der Entertainer äußerte sich auf dpa-Anfrage nicht zum Vorentscheid. “Er hat mit dem Thema für sich vollständig abgeschlossen und schaut nur noch als interessierte Privatperson zu”, sagte eine Sprecherin von Raab.

Sängerin Lena Meyer-Landrut, ESC-Siegerin von 2010, freut sich derweil über den Sieg von Cascada und lobt Sängerin Natalie Horler. “Sie ist eine Glitzerfrau”, sagte die 21-jährige ESC-Gewinnerin aus dem Jahr 2010 der Nachrichtenagentur dpa. “Sie hat total Spaß daran und muss sich da eigentlich gar keine großartige Show ausdenken”. Der Song ‘Glorious’ passe gut zu ihr. “Ich bin ein Fan von solchen Songs, weil man dazu tanzen kann, man kann mitsingen, mitgrölen.” (dpa/KT) 024

Fotos: ARD/Willi Weber