Freitag, 15. Februar 2013, 9:02 Uhr

ESC-Vorentscheid: Cascada siegt knapp mit rotzfrechem Loreen-Abklatsch

Die Frontfrau von Cascada konnte am Ende der knappen Abstimmung kaum fassen, dass sie im Mai für Deutschland singen darf.

Trotz 30 Millionen verkaufter Tonträger weltweit hatte Natalie Horler nicht mit einem Sieg beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest gerechnet: “Ich bin immer noch sehr geschockt”, sagte die 31 Jahre alte Sängerin nach der Show.

Die Bonner Dance-Pop-Band setzte sich in einer komplizierten Abstimmung durch und verwies die bayerische Combo LaBrassBanda, die einen Mix von Punk, Ska und Blasmusik gespielt hatte, auf Platz zwei. Cascadas Titel ‘Glorious’ ist eine Hymne nach bewährtem Muster: Die Melodie erinnert allerdings sehr an den ESC-Gewinnersong aus dem vergangenen Jahr, Loreens ‘Euphoria’. Allein die im Hintergrund zu hörenden Synthesizer haben eine fast identische Hookline. Hier geht’s zum akkustischen Vergleich!

Nachdem Stefan Raab in den Jahren zuvor den deutschen ESC-Kandidaten in einer Reihe von Castingshows gesucht hatte, gab es am Donnerstag wieder eine einzige Live-Show. Zum neuen Konzept der ARD gehörte, dass die Entscheidung zu je einem Drittel von den Radiohörern, den TV-Zuschauern und einer Jury gefällt wurde. Hier geht’s zu den Voting-Ergebnissen.

Das Urteil der Jury, in der unter anderem Chartstürmer Tim Bendzko saß, verhagelte den bayerischen Blasmusikern den Sieg. Während die Hörer der jungen ARD-Wellen von Hamburg bis München LaBrassBanda einhellig die Höchstwertung, zwölf Punkte, gaben, erhielt die Band von der Jury nur einen einzigen Punkt. Plötzlich sanken die Aktien der Bayern. Die TV-Zuschauer sahen dann auch Cascada auf Platz eins vor LaBrassBanda. Am Ende siegte Cascada mit 30 zu 23 Punkten.

Unter den zwölf Kandidaten stach Natalie Horler heraus: Sie wartete mit allem auf, was auf die große Bühne gehört: Glitzertatoos, knappe Korsage und superkurzer weißer Minirock. Ihren Song präsentierte sie routiniert kraftvoll. 2009 war ein besonders erfolgreiches Jahr für Cascada. Ihre Single ‘Evacuate the Dancefloor’ stieg in Großbritannien auf Platz eins in die Charts ein und verdrängt sogar den kurz zuvor gestorbenen Michael Jackson.

Anke Engelke scheute bei ihrer Moderation nicht vor Kalauern. “Ihre Eltern hören auf den Namen Mannheim”, sagte die Gastgeberin im roten Kleid der sechs Männer, die mit ‘One Love’ Rap und Soul mixten. Die Söhne Mannheims landeten schließlich auf Platz 3.

Bei Twitter gab es während der Sendung kritische Diskussionen über die Qualität der Kandidaten. Tatsächlich wirkten die Auftritte einiger Künstler belanglos, erfrischend waren da Exoten wie LaBrassBanda, die beim Titel ‘Nackert’ bayerische Blasmusik mit Ska, Punk, Funk und Techno mixen.

Auch die von einer Opernsängerin unterstützten Priester erhielten viel Applaus von den 9000 Zuschauern. “Was hatten wir nicht schon alles beim ESC?”, fragte Anke Engelke. “Rappende Omas, singende Zombies, Zwillinge mit ADHS, Stefan Raab”.

Mit Cascada wird Deutschland zumindest wohl nicht auf dem letzten Platz landen. Die Band hat Fans weltweit, die Natalie Horner überhaupt ermutigt hatten, am ESC teilzunehmen: “Unser Fans meinten, wir könnten was reißen.”

3,24 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer haben im Schnitt den ESC-Vorentscheid verfolgt, in der Spitze waren 4,64 Millionen dabei. (dpa/KT) 021

Fotos. ARD/Willi Weber