Dienstag, 19. Februar 2013, 23:30 Uhr

Cascada: Jetzt beginnt das Gutachter-Gezerre um Eurovision-Song

Die Plagiatsvorwürfe gegen den deutschen Grand-Prix-Beitrag ‘Glorious’ sollen möglichst schnell mit Hilfe eines musikwissenschaftlichen Gutachtens entkräftet werden. “Wir hoffen, dass es noch in dieser Woche was wird”, sagte eine NDR-Sprecherin am Dienstag.

Der NDR ist innerhalb der ARD federführend für den Eurovision Song Contest zuständig. Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schneider erklärte, Plagiatsvorwürfe gehörten zur “Folklore des ESC”.

Derweil geht die Debatte weiter. Die Phonetikerin von der Universität Kiel, Tina John, hat Parallelen zwischen dem ESC-Siegertitel von 2012 ‘Euphoria’ und Cascadas ‘Glorious’ untersucht. Es gebe beispielsweise Übereinstimmungen im groben Aufbau, bei den Pausen und bei der Atemstilistik der Sängerinnen, sagte die Wissenschaftlerin. “Ich persönlich finde es sehr auffällig.”

Zudem werde es bei beiden Liedern an den gleichen Stellen laut und leise.

Dagegen sagte der Mainzer Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs im Interview mit eurovision.de, einer Seite die natürlich vom veranstaltenden NDR betrieben wird und man eine entsprechende unvoreingenomme Sichtweise nicht unbedingt erwarten kann: “Cascadas ‘Glorious’ ist mit Sicherheit kein Plagiat von ‘Euphoria’, sondern eine handwerklich sehr, sehr gut gemachte ‘Stilkopie’.”

Hindrichs sagte z.B. auch: “Was im konkreten Fall zusätzlich deutlich ins Ohr fällt, ist die sehr ähnliche Instrumentierung beider Songs. In beiden Fällen wird mit ausgesprochen klassischen Euro-Dance-Elementen gearbeitet. Umgekehrt finden sich in beiden Songs jedoch auch äußerst markante Aspekte der Unterschiedlichkeit, die den Vorwurf des Plagiats mehr als absurd erscheinen lassen.”

Detailliert erläuterte der der Mainzer Musikwissenschaftler seine Sicht: “Beim ESC-Gewinnerlied des Vorjahres liegen Strophe und Refrain jeweils andere Tonart zugrunde. Bei Cascada hingegen ist schon zu Beginn die Grundtonart gegeben – und bleibt ihr während des gesamten Liedes treu. Und auch die beim ersten Hören vielleicht ohrenfälligste Ähnlichkeit zu Beginn des Refrains (“[Eu-]phooo-ri-a” bzw. “Glooo-ri-ous”) ist bei genauerer Analyse dann eben doch nur eine Ähnlichkeit, denn die beiden “ri” bewegen sich melodisch in komplett gegensätzliche Richtungen. Auch der Rest dieser musikalischen Phrase ist dann eben nicht mehr gleich.”

Der umstrittene deutsche Grand-Prix-Beitrag des Bonner Dance-Acts stieg auf Platz 36 der Single-Charts ein, wie die Marktforscher von Media Contral am Dienstag mitteilten. Die beim Vorentscheid zweitplatzierte bayerische Bläser-Combo LaBrassBanda stieg mit ‘Nackert’ auf Rang 74 ein. (dpa/KT) 029

Foto: WENN.com