Freitag, 08. März 2013, 22:33 Uhr

Bei "Wetten, dass...?" fliegen bald die Autos raus

Das ZDF verschärft nach den Schleichwerbungs-Vorwürfen gegen das Samstagabend-Zugpferd ‘Wetten, dass..?’ seine Regeln für Gewinnspiele.

Vom Sommer an seien Autos hierfür tabu, kündigte ZDF-Intendant Thomas Bellut in Mainz an. Auch sei es nicht mehr möglich, einen Sendetitel über einen Moderator zu vermarkten. Preise sollten weniger werbewirksam präsentiert werden. “Es geht um größtmögliche Klarheit.” Zugleich kamen neue Vorwürfe hinzu, die Bellut zurückwies: “Wir haben scharf genug hingesehen.”

Wetten, dass..?

‘Der Spiegel’ und das ‘Handelsblatt’ hatten im Januar berichtet, wie die Firma Dolce Media Werbepartner beschafft haben soll, was eine mögliche Plattform für Schleichwerbung gewesen sei. Dolce Media gehört dem Bruder von Ex-Moderator Thomas Gottschalk, Christoph Gottschalk. Das ‘Handelsblatt’ schrieb am Freitag, Bellut habe die Öffentlichkeit über den Umgang mit Verträgen zu Gewinnspielen in der Show 2009 und 2010 falsch informiert. Die Vorgaben zu Anmoderationen in Verträgen zwischen dem Stromanbieter Teldafax und Dolce Media seien teils exakt umgesetzt worden.

Der Intendant sagte, die interne Clearingstelle habe verhindert, dass es zu solchen Verstößen komme. Die Vorgaben seien auch nicht genauso umgesetzt worden. Seit Markus Lanz die Show moderiere, gebe es solche Vorgänge aber nicht mehr. Die Zusammenarbeit mit Dolce Media soll zum Sommer auslaufen. Für Gewinnspiele will der Sender künftig keine Agentur mehr zwischenschalten. Geplant ist auch, dass wichtige Moderatoren jährlich eine Erklärung zur Einhaltung von Regeln abgeben.

Gewinnspiele stellte Bellut nicht grundsätzlich infrage. Sie seien eine übliche Praxis, um Zuschauer zu binden.

Wetten, dass..?

Die Anwälte von Dolce Media erklärten: “Natürlich haben die Unternehmen, die Preise stellen, auch Wünsche in Bezug auf ihre Präsentation.” Was über den Sender laufe, darüber habe allein die ZDF-Clearingstelle entschieden. Kein Unternehmen, das einen Preis stellte, habe jemals dafür gezahlt – Zahlungen seien für Leistungen wie Werbung und Lizenzrechte geflossen. Christoph Gottschalk wolle “auf jede Fortsetzung der Mediendiskussion verzichten”.

Bellut kündigte auch mehr Transparenz des ZDF im Internet an – über Finanzen und Satzungen. Der ZDF-Fernsehrat, ein Kontrollgremium, stellte sich vor den Intendanten. “Auf dem Bildschirm hat alles den Rechtsgrundsätzen entsprochen, die für das ZDF maßgeblich sind”, sagte der Vorsitzende Ruprecht Polenz nach einer Sitzung. Er pochte aber auf Umsetzung der schärferen Regeln. (dpa) 038

Fotos: ZDF/ Patrick Seeger