Freitag, 08. März 2013, 16:21 Uhr

RTL bricht Produktion von umstrittener Reality-Doku "Babyboom" ab

Nachdem die Sitzung des Berliner Senats am Dienstag keine weitere Klarheit über die Fortsetzung der Produktion “Babyboom- Willkommen im Leben” gebracht hat, ist ein weiteres Abwarten etwa bis zu einer Aufsichtsratssitzung des Klinikums Vivantes, mit offenem Ausgang, nicht mehr vertretbar.

Babyboom - Willkommen im Leben

Der Produktionsplan kann schon jetzt nicht mehr eingehalten werden, da Geburten, die die Produktion begleiten wollte, bereits stattgefunden haben. Hinzu kommen die täglich hohen Kosten durch eine stillstehende Produktion. RTL hatte unmittelbar nach der Senatssitzung am Dienstag angekündigt, zu prüfen, inwieweit ein weiteres Abwarten mit immer noch ungewissem Ausgang möglich ist, da der wirtschaftliche Schaden schon jetzt beträchtlich ist. Heute hat RTL mit großem Bedauern den Abbruch der Produktion erklärt.

RTL-Sprecher Christian Körner sagte dazu: “Wir bedauern sehr, dass es dem Land Berlin nicht möglich war, eine Entscheidung in dem Zeitrahmen herbeizuführen, den wir für eine Fortsetzung der Produktion gebraucht hätten. Wir haben die Verantwortlichen darauf hingewiesen, dass sich Geburten bekanntlich nicht beliebig verschieben lassen. Auch über die erheblichen Kosten des Produktionsabbruchs ist der Senat informiert. Wir bedauern zudem, dass der Gesundheitssenator Mario Czaja die Einladung des Produzenten zum persönlichen Gespräch, welches offene Fragen zum Projekt direkt am Ort des Geschehens hätte klären können, schlicht unbeantwortet ließ. Der einfache und eher gängige Grundsatz, dass man zunächst alle Seiten hören sollte, hätte eine international erfolgreiche und preisgekrönte, Dokumentation über eines der schönsten Themen der Welt ermöglicht und unnötigen Ärger verhindert.”

Dokumentationen über Geburten sind im deutschen Fernsehen von öffentlich-rechtlichen ebenso wie privaten Sendern in Deutschland vielfach gezeigt worden (z.B. 2000: “Geburtsstation”, Arte; 2001: “Mein Baby”, RTL; 2006: “Babystation”, ZDF; 2012: “Babys! Kleines Wunder – großes Glück”, RTL 2). Mit der Produktion “Babyboom-Willkommen im Leben” sollte in diesem Genre auch im deutschen TV-Markt ein neuer Standard gesetzt werden. Denn die zusätzlichen und zum Teil vollautomatischen Kameras stellen sicher, dass gerade intime Momente möglichst objektiv dargestellt werden.

RTL-Sprecher Christian Körner: “Als verlässlicher Produktionsstandort hat sich Berlin im Umgang mit dieser nun gescheiterten TV-Produktion ganz sicher nicht empfohlen.”

“One Born Every Minute” wurde mit dem BAFTA (Preis der Britischen Akademie der Film- und Fernsehkunst) ausgezeichnet und ist ein Riesenerfolg u.a. in Frankreich, Spanien, Amerika und seinem Heimatmarkt England, wo es seit 2010 läuft. Dort geht das Format bereits in die vierte Staffel, nachdem die dritte Staffel mit mehr als fünf Millionen Zuschauern die bisher erfolgreichste war.

In Deutschland sollte das Format im Frühsommer diesen Jahres bei RTL ausgestrahlt werden. Die Produktion startete am 15. Februar 2013. Dazu hatte der Formatinhaber und internationale Produzent Shine Germany eine umfassende Vereinbarung zur Produktion des Formats mit dem Vivantes Klinikum getroffen. Sämtliche Fragen zur Produktion selbst sowie alle juristischen und durchaus sensiblen Aspekte etwa zu Datenschutz, Arbeitnehmerschutz, Persönlichkeitsrechten etc. wurden weit im Vorfeld mit dem Klinikum geklärt. Die Produktion sah einen abgetrennten Bereich der Geburtsstation vor, in dem ausschließlich nach Einverständnis aller Protagonisten gefilmt wird. Jede Mutter hätte vor und auch nach Dreh der Geburt ihres Kindes die Möglichkeit gehabt, von der Ausstrahlung zurückzutreten.

Der Berliner Senat hatte am 27. Februar die Dreharbeiten der Dokumentation gestoppt. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wies die Geschäftsführung des Krankenhaus-Konzerns Vivantes an, die Filmarbeiten über die Arbeit in der Geburtsstation bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 20. März einzustellen. (RTL)

Fotos: Fotolia/RTL