Sonntag, 10. März 2013, 12:50 Uhr

Gesundheitsminister kritisiert Alkoholexzess-Show bei RTL

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat Alkoholexzesse in der neuen RTL-Reihe ‘Das Jenke Experiment’ kritisiert. “Alkoholsucht ist eine Krankheit, die für die Menschen, die davon betroffen sind, ein schweres Schicksal bedeutet.

Gleiches gilt für ihre Angehörigen und das Umfeld dieser erkrankten Menschen. Es ist aus meiner Sicht vollkommen unangemessen, auf diese Art und Weise mit diesem Schicksal umzugehen”, sagte der FDP-Politiker der ‘Bild am Sonntag’. In der ersten Folge diesen Montag trinkt RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff vier Wochen lang exzessiv Alkohol.

RTL verteidigte die Sendung. Redaktionsleiter Jan Rasmus sagte der Zeitung: “Wenn man mit einer Reportage ein Thema, das gerne verharmlost oder sogar unter den Teppich gekehrt wird, anschaulich darstellen und die Zuschauer damit aufrütteln will, muss man dazu auch mal an die Grenze gehen.”

Der Nachrichtenagentur dpa hatte Jenke zu den Folgen seines Experiments gesagt: “Mir sind im Endeffekt zwei Blutgerinnsel entfernt worden, die laut Arzt dadurch entstanden sind, dass ich über eine so kurze Zeit intensiv Alkohol zu mir genommen habe.”

Am Montag um 21.15 Uhr sendet RTL “Das Alkoholexperiment”.

In Hamburg lädt Reporter Jenke von Wilmsdorff zu seinem 47. Geburtstag 100 Freunde, Kollegen, Facebook-Fans und RTL-Zuschauer in eine Bar auf St. Pauli ein, um gemeinsam auf das neue Lebensjahr anzustoßen. Die Stimmung ist ausgelassen, der Alkohol fließt reichlich – und niemand ahnt, dass dies bereits der Auftakt zum ersten Jenke-Experiment ist.

Es geht um Alkohol, die Volksdroge Nummer Eins: Rund 10 Millionen Deutsche haben aktuellen Studien zufolge ein Alkoholproblem, laut Schätzungen sterben jährlich sogar über 70.000 Menschen an den Folgen von übermäßigem Konsum. Jenke will sich in die Lage eines Alkoholabhängigen hineinversetzen und trinkt, was die Bar hergibt. Für den Reporter endet die erste Nacht des Experiments nach 17 harten Drinks im Vollrausch.

Vier Wochen lang wagt Jenke von Wilmsdorff den extremen Selbstversuch unter ständiger medizinischer Aufsicht eines Arztes. In kurzer Zeit wird aus dem sportlichen, gesunden Reporter ein körperliches und psychisches Wrack. Die morgendlichen Cornflakes werden nicht wie üblich mit Milch, sondern mit Rotwein genommen; statt Omelette gibt’s Eierlikör. Der übermäßige Alkoholkonsum zieht Jenke von Wilmsdorff schnell in den Sog der Abhängigkeit. Und bald wird es so kritisch, dass sogar der Arzt dringend zum Abbruch des Experiments rät, um bleibende gesundheitliche Schäden zu verhindern.

Nebenbei geht der Reporter weiterhin seiner regulären Arbeit nach, denn er ist während des Experiments nicht freigestellt. Wie schaffen es Alkoholiker, trotz Sucht einem Beruf nachzugehen?

Beim Alkohol-Experiment wollte von Wilmsdorff nach ungefähr drei Wochen abbrechen, erklärete er gegenüber RTL: “Ich hatte das Gefühl, es geht nicht mehr, ich möchte und kann nicht mehr. Denn der Selbstversuch hat mich in meinen Emotionen verändert, hat meine Sicht auf die Dinge verändert und wirklich ganz tief in mein persönliches Leben eingegriffen. Das gefiel mir dann in dieser hohen Dosierung nicht mehr und da habe ich überlegt, das Experiment abzubrechen. Habe ich aber nicht, ich habe es trotzdem durchgezogen. Bei den anderen Geschichten habe ich natürlich auch Grenzen gespürt und sehr viel Mut und Kraft gebraucht, um sie zu überwinden.” (dpa/KT)

Fotos: RTL/Willi Weber