Dienstag, 12. März 2013, 14:51 Uhr

"Der Minister": Das Wichtigste über die Guttenberg-Parodie heute Abend im TV

Viel Gel im Haar, Intellektuellen-Brille und Dior-Krawatte zum Stahlhelm: Karl-Theodor zu Guttenberg, wie er leibt und lebt? Im Film heißt er Franz Ferdinand von und zu Donnersberg, genannt Donni.

Und der schlägt noch einige Kapriolen mehr als sein Vorbild. Da wird nicht nur die Doktorarbeit kopiert. Selbst in der ehrwürdigen Kabinettsrunde mit Kanzlerin Murkel muss sich der forsche Verteidigungsminister per SMS schlagfertige Antworten anliefern lassen. Und seinen Karriereplan lässt er sich vom Chefredakteur der schlagzeilenfreudigen ‘Blitz’-Zeitung entwerfen.

Erfolgsproduzent Nico Hofmann (‘Der Tunnel’, ‘Dresden’) und Regisseur Uwe Janson haben für den Sender Sat.1 aus der Affäre um Aufstieg und Fall des einstigen Politdarlings Guttenberg eine schräge Fernseh-Satire gemacht (heute 20.15 Uhr) – mit viel Wortwitz, manch urkomischen Szenen und gelegentlichen Durchhängern.

“‘Der Minister’ ist mehr als nur eine Geschichte über Guttenberg. Er wirft einen satirischen Blick auf diese Gesellschaft”, sagte Hauptdarsteller Kai Schumann der Nachrichtenagentur dpa. “Es geht doch heutzutage so oft nur um Selbstdarstellung, es geht ums Verkaufen und Verpacken und nicht mehr um die wirklichen Inhalte.”

Diese Mechanismen will ‘Der Minister’ entlarven. TV-Beau Schumann, bekannt etwa als Gerichtsmediziner Dr. Reichau aus dem Leipziger ‘Tatort’, darf dafür nach Herzenslust leere Phrasen dreschen, Luftschlösser bauen und den Pfau geben. Guttenbergs Auftritte vor schmachtendem Publikum, der Truppenbesuch in Afghanistan und das legendäre Hallo-Hier-Bin-Ich auf dem New Yorker Times Square – all das wird wieder lebendig.”«Nur das mit dem Übers-Wasser-Laufen haut noch nicht hin”, klagt der Film-Minister einmal.

Der 36-jährige Schumann, altersbedingt dem anfangs für die Rolle gehandelten Jan Josef Liefers (48) vorgezogen, hat trotz anderer Physiognomie manchmal eine verblüffende Ähnlichkeit mit seinem Alter Ego. Die Art zu sprechen, die Handbewegungen, der wippende Schritt treffen gut. Aber die Naivität, fast Trotteligkeit, die er seiner Figur gibt, erinnert wenig an den alerten, ehrgeizigen, um keine noch so hanebüchene Ausrede verlegenen Guttenberg.

Der Grund: Grimme-Preisträgerin Dorothee Schön hat in ihrem Drehbuch dem wahren Leben etwas nachgeholfen und ihrem Antihelden einen besten Freund an die Seite gestellt. Max (wunderbar: Johann von Bülow) schreibt seinem adeligen Spezl nicht nur die Schulaufsätze, sondern bleibt (fast) die ganze Karriere lang Ratgeber, Denkmaschine und Ghostwriter – natürlich inklusive Doktorarbeit.

Zweiter Drahtzieher ist Chefredakteur Jan Breitmann (Thomas Heinze), der mit seinem Massenblatt den Ziehsohn ganz nach oben schreiben will. Wenn die beiden Männer im Designer-Anzug auf der Luftmatratze durch den Pool planschen oder mit ihren zum Verwechseln ähnlichen Weibchen-Frauen (Alexandra Neldel; Susan Sideropoulus) einen auf High-Society machen, gibt es wirklich komische Momente.

Die wahre Rettung aber ist eine andere Frau: Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel. Mit 59 Jahren praktisch gleich alt wie Angela Merkel, verleiht sie ihrer Figur mit einer fast diabolischen Spielleidenschaft einen solch lakonischen Humor und Machtwillen, dass alles andere neben der 1,55-Meter-Frau ganz klein wird. “Wie reizend – und so viele Titel”, flötet sie in Anspielung auf Guttenbergs zahlreiche Adelsattribute bei der ersten Begegnung. “Ich habe leider nur einen Doktor.”

Dafür hat sie ein ganzes Zimmer voller bunter Jacketts, einen recht lebenspraktischen Mann und einen Hang zu selbstgekochter Kartoffelsuppe. Als die Affäre um Guttenbergs geklaute Doktorarbeit aus dem Ruder läuft, schickt sie ihre Busenfreundin als Königsmörderin vor: “Annette, könntest Du Dich nicht öffentlich schämen?”

Zur Erinnerung: Die inzwischen selbst über ihre zusammengeschusterte Doktorarbeit gestürzte Bildungsministerin Annette Schavan hatte damals kundgetan, sie schäme sich “nicht nur heimlich” für Guttenberg. Und so schlägt ‘Der Minister’ dann auch noch einen Bogen zur jüngsten Realsatire aus dem politischen Berlin. (dpa) 034

Fotos: SAT.1/Hardy Brackmann