Freitag, 15. März 2013, 23:20 Uhr

Keanu Reeves und sein Film über die Generation Party People

“Threesome. Eine Nacht in New York” ist ein sensibles Drama um nächtliche Exzesse, um die Sehnsucht nach dem bürgerlichen Leben und um das Lebensgefühl einer Generation vor der Großstadtkulisse New Yorks.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sprach Hauptdarsteller Keanu Reeves (48) über den Film, der gerade auf den DVD erschienen ist (und in Deutschland nicht in die Kinos kam) und seine aktuelle Projekte.

Mr. Reeves, mögen Sie noch Cupcakes? Wie schwierig war es, Johns Leben in einer Szene zu zeigen, in dem er diesen Cupcake ißt?
Reeves: Die Szene mit dem Cupcake war eine wundervolle Gelegenheit, es gibt nicht oft die Chance so viel Zeit mit nur einer Handlung zu verbringen und Zeit dafür zu haben, eine Figur so lang in dieser Art zu beobachten. Deswegen hatte ich mich sehr darauf gefreut und es hat großen Spaß gemacht John so zu zeigen.

Als sie das Drehbuch zu ‘Threesome’ das erste Mal gelesen haben, was hat Sie an der Geschichte fasziniert, was war ihre erste Idee zu Mia und Violet und John?
Reeves: Ich dachte, das ist ein sehr schönes Script von Mark L. Mann, und ich konnte mich gut in die Figuren hinein denken: Da war diese Idee von Nähe und Intimität, man begleitet die Figuren einen Tag und eine Nacht und ich fand sie dabei ziemlich charmant und heldenhaft.

Noch bevor John selbst zur Kamera greift, wird er oft mit einer wackeligen Handkamera gefilmt. Welche Rolle spielt die Handkamera Ihrer Ansicht nach, warum ist sie passend für John in ‘Threesome’.
Reeves: John, der für die zwei Frauen arbeitet, stiehlt eine Videokamera und beginnt die Frauen zu interviewen, verbringt Zeit mit und bei Ihnen. Während dieser sehr ernsthaften Gespräche offenbaren sie sich uns und ich denke es war die Absicht des Regisseurs, uns auch John zu zeigen, zu zeigen, was ihn interessiert und mehr über John zu lernen. (…) Violet nimmt das Ganze wie eine TV-Show und für Mia ist es eine Beichte von intimen Dingen, von denen wir aber nicht wissen, ob sie wahr sind oder nicht. (…) und die Videocamera, die John dabei benutzt, erlaubt uns eine besondere Nähe zu den Schauspielern.

Der Film erschien in den USA mit dem Titel ‘Generation Um’. In Deutschland erscheint er unter dem Titel ‘Threesome. One night in New York’. Welcher Titel passt besser zum Film, zur Geschichte die erzählt wird?
Reeves: Sicher ‘Generation Um’.

Warum?
Reeves: New York spielt eine wichtige Rolle im Film. Ich denke ‘Generation Um’, die Story ist sehr menschlich … ‘Threesome’ kann außerhalb von New York auch gut funktionieren, aber ich meine, die Nebenbedeutung des Begriffs führt etwas in Irre und der Titel ‘Generation Um’ ist offener.

Was ist ihrer Ansicht nach das Hauptmerkmal der ‘Generation Um’, was kennzeichnet sie. Und: Ist sie stark vertreten in den USA, ist sie Ihnen in anderen Ländern schon begegnet?
Reeves: Wissen Sie, (…) ich denke, das ist universal: Der Film zeigt Menschen, die in gewisser Weise abgeschnitten sind von ihrer eigenen Vergangenheit und stellt Fragen nach Nähe und Vertrauen und das sind Themen, die für sehr viele Menschen sehr wahrhaftig sind. (…) Ich glaube viele Leute können sich damit identifizieren.

Aus Ihrer Sicht der Dinge, welche der zwei Frauen ist die stärkere, Violet oder Mia, welche ist verletzlicher?
Reeves: Ich denke, Sie sind gleichstark.

Johns Kamera, der Film im Film, ist wichtig für die ‘Threesome’, es entsteht gegenseitiges Vertrauen. Im Abspann wird aus den ‘Threesome’ eine Vierergruppe. Vielleicht eher eine Frage an den Regisseur, aber warum ist dies im Abspann und nicht im Film selbst zu sehen?
Reeves: Ich glaube, die Szene ist genau richtig platziert. Wir sehen diese Menschen in der “letzten” Szene, die viel Schmerz und Verletzlichkeit, aber auch große Hoffnung zeigt, John ist fürsorglich. Und dann sehen wir den Abspann, wie sie sich ein wenig wiedergefunden haben, eine Art von Freundschaft, im Umgang miteinander, besonders im Vergleich zur ersten Szene (…). Ich fand es sehr charmant vom Regisseur, diese Entwicklung im Abspann zu platzieren (…) und es war die einzige Szene, die nicht im Script stand, wir konnten improvisieren. Erzählerisch ist mit ‘Threesom’ ein unverwechselbarer Film gelungen, sehr kraftvoll und einmalig.

Mr. Reeves, welche Projekte verfolgen Sie zur Zeit?
Reeves: Ich bin kurz davor die Postproduction von ‘Man of Tai Chi’ , ein zeitgenössischer, moderner Kung-Film, in dem ich gespielt und auch Regie geführt habe, abzuschließen. Ich hoffe, dass ist den nächsten acht Wochen soweit. ’47 Ronin’ kommt voraussichtlich im Oktober, November oder Dezember heraus.

Gibt es bereits ein Premierendatum für ‘Man of Tai Chi’?
Keeves: Nein es gibt noch kein Datum für die Premiere.

Die Berlinale wurde dieses Jahr mit Wong Kar-Wais ‘The Grandmaster’, ein Portrait über Ip Man und Wing Chun Kung Fu, eröffnet. Manche Kritiker warfen dem Film eine Überästhetisierung vor. Sie produzieren und führen Regie bei ‘Man of Tai Chi’. Was ist die Geschichte des Films und welches Martial-Arts-Konzept verfolgen Sie?
Reeves: Ich wollte natürlich die Idee der Kampfkunst im Tai Chi zeigen, aber auch dessen spirituelle Seite. Dieser junge Mann muss, um Geld für seinen Tempel zu verdienen, illegale Kämpfe bestreiten. Je mehr er kämpft, desto stärker wird er. Die dunkle Seite seines Chi entwickelt sich immer stärker, je mehr er hinein gezogen wird, in die Sucht nach Erfolg durch die eigene Gewalt. Mit den Kampfszenen wollte ich zeigen, wie kraftvoll und auch schön Tai Chi sein kann, (…) und es sollte filmisch vor allem nicht nur auf den einen Kampf zwischen dem good guy und dem bad guy hinauslaufen.

Und Sie spielen den bad guy?
Reeves: Ja, ich spiele den bad guy, den Schurken, ich bin der Lehrer, der Meister des dunklen Chi.

 

dpa (030). Fotos: Tiberius Film