Sonntag, 17. März 2013, 18:54 Uhr

Hochgelobtes Kriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter" heute im TV

Nico Hofmann, Deutschlands führender Eventfilm-Produzent (‘Dresden’, ‘Die Flucht’), schreckt vor großen Worten nicht zurück. “Ich bete zum lieben Gott, dass dieses Programm sein Publikum findet”, rief der 53-Jährige bei einer Voraufführung seines Dreiteilers ‘Unsere Mütter, unsere Väter‘ in Hamburg dem Publikum zu. Am Sonntag um 20.15 Uhr läuft der erste Teil im ZDF.

Mit seinem 87-jährigen Vater, der den Film bereits sah, hätte er anschließend tagelang – und zum ersten Mal – über das Thema diskutiert, erklärte Hofmann. Es geht um einen Abgrund deutscher Geschichte, über den die Beteiligten meist jahrzehntelang selbst im Familienkreis eisern schwiegen – der Krieg der Wehrmacht gegen die Sowjetunion.

Dabei prägt die Erfahrung der Erlebnisgeneration anerkannt bis heute die Psychen ihrer Kinder, Enkel, Urenkel. Zig Millionen Tote hat am Ende gekostet, was am 22. Juni 1941 als ‘Unternehmen Barbarossa’ begann, mit dem Hitler “Bolschewismus” und Juden im Osten vernichten wollte. Ein Desaster, das erst am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht zumindest de jure vorbei war. Neben Büchern und Artikeln informierten Spielfilme (‘Stalingrad’, 1993) und Dokumentationen wie zum Beispiel von Guido Knopp über das Grauen an und hinter der Front.

Mit ihrer wuchtigen 15-Millionen-Euro-Koproduktion von ZDF und teamWorx sowie weiterer Stellen nehmen die Verantwortlichen einen neuen Ansatz für sich in Anspruch.

“Wir zeigen erstmals die Perspektive derer, die mit damals 20 Jahren in den Krieg geschickt wurden”, sagte ZDF-Fernsehspielchefin Heike Hempel auf dem Termin in Hamburg. Diese Innensicht solle “den Krieg lebendig machen für ein junges Publikum.” In “moderner Bildsprache” wollen die Fernsehmacher, so Hempel, “Kommunikation zwischen den Generationen stiften über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.”

Ein hohes Ziel, wobei man nur hoffen kann, dass die von Stefan Kolditz (56, ‘Dresden’) geschriebenen und dem ‘Hindenburg’-Regisseur Philipp Kadelbach (38) eindringlich inszenierten, von Dokus und Internet-Angeboten begleiteten Primetime-Neunzigminüter es erreichen werden.

Acht Jahre Arbeit, davon 90 Tage Drehtage in Litauen, Lettland und Deutschland, (Militär-)Historiker und nach einem Aufruf 200 Kriegsveteranen als Berater – enormen Einsatz und Herzblut haben dessen Macher in das Projekt gesteckt. Ganz besonders gelang ihnen die Besetzung, die ohne die üblichen großen Stars auskommt. Schlicht und emotional wahrhaftig ragen hier Volker Bruch (Oberleutnant Wilhelm Winter), Tom Schilling (dessen jüngerer Bruder Friedhelm), Ludwig Trepte (Jude Viktor), Katharina Schüttler (Sängerin Greta) und Miriam Stein (Lazarettschwester Charlotte) heraus. Die charismatischen Jungmimen spielen fünf Berliner Kumpel, die im Sommer 41 noch einmal feiern und einander dann hoffnungsvoll Lebewohl sagen, denn «spätestens Weihnachten ist der Krieg vorbei.”

Doch als sich drei von ihnen im Mai 1945 in ihrer alten Kneipe wieder treffen, liegt nicht nur die Stadt in Trümmern: Die Freunde sind Gezeichnete. Sie haben getötet, mit Tod, Angst und Hunger gelebt – wurden zum Spielball ihrer bösen Zeit. Täter oder Opfer? “Am Anfang war man ein Held und jetzt ist man nur noch ein Scheißkerl”, sagt einer. Hautnah begleitet das Fernsehpublikum die zunächst teilweise Führer-Begeisterten auf ihrem Weg nach Osten und zurück. Original-Wochenschaubilder bekräftigen deren Erlebnisse.

An Brutalität mangelt es naturgemäß nicht, ständig gibt es Häuserkämpfe und Erschießungen, explodierende Granaten und weinende Soldaten. Nicht jeder Zuschauer wird das aushalten wollen.

An der allerdings überdeutlich exemplarischen fiktiven Geschichte kann man einiges kritisieren. So erscheinen die häufigen Zufallsbegegnungen der versprengten Freunde mitten im großen Krieg – im Gefecht, irgendwo im Lazarett, in den in riesigen osteuropäischen Wäldern – unglaubwürdig allzu simpel wird damit auf Gefühlseffekte gesetzt. Auch sind etliche Szenen Déjà-vu aus vielen Nazizeit- und Kriegsfilmen. Und doch vermag ‘Unsere Mütter, unsere Väter’ stark aufzuwühlen.

Die Erzählung über die ganz normalen, jugendlichen Träger unserer Vergangenheit berührt eine Wahrheit unserer Seelen. Darüber sollte man reden – gerade mit Vertretern der Kriegsgeneration. Solange das noch möglich ist. (dpa) 037

Fotos: ZDF/ David Slama