Dienstag, 19. März 2013, 14:17 Uhr

Mit "Spring Breakers" kommt ein surrealer Party-Thriller ins Kino

Der Spring Break ist für amerikanische Studenten traditionell ein großer Party-Exzess. Auch Faith, Candy, Brit und Cotty haben genug vom öden College-Alltag, der Sinn steht ihnen nach Sex, Alkohol und freizügigem Spaß.

Die Protagonistinnen von Harmony Korines explizitem Teen-Werk ‘Spring Breakers’ geraten in Florida allerdings in einen Strudel aus Gewalt und Verzweiflung. Korine, der Mitte der 90er erstmals durch das Drehbuch zum radikalen Kultfilm ‘Kids’ auf sich aufmerksam machte, hat dieses Mal Darstellerinnen wie Selena Gomez und Vanessa Hudgens entgegen ihrem bisherigem Teenie-Image besetzt und schickt sie auf einen rauschhaften Trip durch den Sunshine State. In einer tragenden Rolle zu sehen ist zudem Hollywood-Star James Franco (‘Die fantastische Welt von Oz’).

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Bevor sich die College-Girls auf gen Florida machen, müssen sie zunächst an Geld kommen. In einer von Korine beeindruckend inszenierten Bilderfolge rauben sie daher ein Schnellrestaurant aus. Nun steht dem Spaß nichts mehr im Wege. In St. Petersburg, Florida, tauchen Candy (Vanessa Hudgens, ‘High School Musical’), Faith (Selena Gomez, ‘Plötzlich Star’), Cotty (Korine Ehefrau Rachel) und Brit (Ashley Benson) in einen farbprächtigen Wahnsinn ein aus Strand-Partys, Alkohol und Drogen – um sich recht schnell in einer Gefängniszelle wieder zu finden: Gerade scheint sie vorbei, die große Sause, da werden sie von ‘Alien’ aus dem Knast geholt, einem zwielichtigen, dabei höchst charismatischen Gangster, der sich zudem als Rapper verdingt.

‘Alien’ (Franco), der ein gleichsam erotisches Verhältnis zu Waffen pflegt, zieht die unbedarften Studentinnen in seinen Bann.

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Schon in der ersten, unglaublich grellen, von aufdringlicher Musik vorangetriebenen Sequenz zeigt uns Korine entblößte und enthemmte Körper an Floridas Stränden. Wenn die Kamera den Frauen dann auch noch direkt in den Schritt filmt, liegt der Sexismus-Verdacht nicht mehr fern. ‘Spring Breakers’ aber ist vielmehr ein überzeichnetes, klug inszeniertes und ironisierendes Spiel mit dem Voyeurismus des Kino-Zuschauers. Korines offensichtliche Freude am virtuosen und verspielten Umgang mit Farbfiltern, Unschärfen, mit Licht und Stimmungen, sollte zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass ‘Spring Breakers’ mehr ist als eine Feier der Oberflächen.

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Ähnlich wie unlängst Steven Soderbergh mit ‘Magic Mike’ blickt Korine auch in die Abgründe des Party-Staates Florida. Der hier wohl auch stellvertretend steht für ein von Geld und Waffen genauso, wie von Sex besessenes Amerika. “Hier geht es um mehr als nur den Spring Break”, lässt Korine, der auch das Skript verantwortet, gleich zu Beginn eine der vier Hauptdarstellerinnen sagen: Faith, Brit, Candy und Cotty suchen in Florida nicht nur nach Freiheit und Spaß; der größere Teil des Quartetts scheint auch von einer bestürzenden Todeslust erfüllt. Der von James Franco als Karikatur eines Gangsters angelegte «Alien» wiederum ist rührend in seiner zuweilen erkennbaren Anlehnungsbedürftigkeit.

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‘Spring Breakers’ ist ein surrealer, ein traumgleicher Trip. Vor parodistischen, höchst skurrilen Augenblicken schreckt Regisseur Korine nicht zurück. Etwa wenn er Franco, an einem weißen Flügel sitzend, einen Song von Pop-Sternchen Britney Spears singen lässt, während die Protagonistinnen mit rosa Skimasken um ihn herumtänzeln. So fragwürdig und schreiend bunt Korines Mittel bisweilen auch sind, der 40-jährige US-Amerikaner versteht sich auf ein suggestives, ein rauschhaft radikales Kino irgendwo im Niemandsland zwischen Kunst und Mainstream. Mit allzu einfachen Kategorisierungen jedenfalls ist seinen ‘Spring Breakers’ nicht beizukommen.

‘Spring Breakers’ startet am Donnerstag. (Matthias von Viereck, dpa) 033

Fotos: Wild Bunch