Samstag, 23. März 2013, 18:54 Uhr

Der neue "Star Trek: Enterprise" kommt von Jürgen aus Schweinfurt

In mühevoller Kleinarbeit entsteht derzeit mit “Star Trek: Enterprise II – Der Anfang vom Ende” eine ganz besondere Version der Kultfilm-Serie.

Millisekundenweise entsteht in Stop-Motion ein HD-Streifen um die Crew von Captain Jonathan Archer, die allesamt Art Asylum-Actionfiguren sind.

Was detailgenau so aussieht wie das echte Set von Star Trek Enterprise um Captain Jonathan Archer und seine Crew mit Trip und T’Pol ist schlichtweg ein Modell. Knapp 25 cm hoch und aus Pappe und Papier. Faszinierend originalgetreu. Bei einer Naheinstellung sind die Sets wie die Brücke, der Bereitschaftsraum, T’Pols Quartier und die Krankenstation auf Anhieb überhaupt nicht von den Originalen zu unterscheiden.

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Der Mann mit der ruhigen Hand heißt Jürgen Kaiser, ist 32 Jahre jung, Messfacharbeiter in Schweinfurt, spielt in seiner Freizeit gern Basketball, fotografiert und dreht Filme.

Sein Handwerkszeug besteht unter anderem aus Buntsprühlack, Schere, Kleber und einem besonderen Gespür für Proportionen. Seine Sets baut er für sein einzigartiges Fanfilmprojekt. Mit dem Stop-Motion-Verfahren dreht er die Fortsetzung zu seiner Lieblingsserie Star Trek Enterprise. Die Akteure in diesen Kulissen sind die Art Asylum-Actionfiguren zur Serie. Sie bekommen Bewegung durch millisekundengenaue Änderungen ihrer Haltung. So entsteht Szene für Szene ein Kinostreifen in HD-Qualität, der nie ins Kino kommen wird.

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Denn dafür, dass Hardcore-Fan Kaiser seinen Film realisieren darf, muß er einige Regeln der Rechteinhaber beachten. So darf der Streifen zum Beispiel nicht auf Fan-Conventions oder ähnlichen Veranstaltungen gezeigt werden, wenn dafür Eintrittsgelder erhoben werden.

Seinen ersten Film dieser Art hat Jürgen im Sommer 2008 fertiggestellt. Die Crew der Enterprise NX-01 gerät in ‘Der Zeitspiegel’ in ein Paralleluniversum und wird mit der Vernichtung der gesamten organischen Existenz durch das Rote Imperium konfrontiert.

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Der Aufwand dieser ersten Produktion war bereits immens. Die Modelle entstanden in Monate langer Geduldsarbeit. Das Drehbuch entstand parallel und ein Drehtag ergab am Ende lächerliche 2 Sekunden Filmzeit. Nicht nur die Modelle und die Millimeterarbeit an den Actionfiguren machen das Werk aus. Die Außenszenen, wie zum Beispiel die Enterprise im Raumdock oder die Kampfmanöver, wurden in aufwendigen 3D-Animationen kreiert.

All diese Bilder werden umrahmt von der Musik. Marc Teichert hat in Anlehnung an die Originalmotive einen ganz neuen Soundtrack komponiert. Von aufregend über atmosphärisch bis melancholisch passt die neue Filmmusik stimmig zu den Szenen.

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Das Gesamtwerk ‘Der Zeitspiegel’ bekam gute Zuschauerkritiken. Das Stopmotionverfahren für den Fanfilm zu benutzen, ist nicht nur in der Szene völlig neu, sondern auch reiner ökonomischer Irrsinn. Immerhin kostet sein völlig allein finanzierter Streifen soviel wie ein Mittelklassewagen, erzählte Kaiser dieser Seite.

Dann aber den eigenen Film zu sehen, während er vor einem großen Publikum läuft, war dann der weitere Erfolg des Werks. Bei der FedCon 2009 im Maritim Hotel Bonn wurde ‘Der Zeitspiegel’ auf der Leinwand im großen Saal gezeigt. “Da war echte Euphorie bei mir, als der Abspann lief. Es war ein schönes Gefühl, es bis dorthin geschafft zu haben“, so Jürgen Kaiser.

Als einer der ersten deutschsprachigen Fanfilme wurde ‘Der Zeitspiegel’ sogar ins Englische übersetzt. Mit der Synchronisation wurde er mit einem Mal einem noch breiteren Publikum zugänglich. Die erste Übersetzung kam von Stephan Mittelstrass, der englische Sprecher von Lt. Reed, Rex Duis, hat die Feinheiten des Englischen mit eingebracht. Ausführender Produzent ist der Brite Peter Goundrill. Britische und amerikanische Schauspieler lassen den Film ‘Crossroads’ so noch mehr klingen wie das Original von UPN/Paramount.

Für die Fortsetzung des Projekts in Form eines zweiten Films ist der Anspruch gestiegen – an die Story, die Stop-Motion-Arbeit, die Bildqualität und die Sprecher. ‘Der Anfang vom Ende’ wird in HD-Qualität gedreht und Kinofilmlänge haben.

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Dass Paramount den fertigen Film dann vielleicht doch toll findet und ins Kino bringt glaubt Jürgen jedoch nicht: “Das wäre schon sehr cool, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Eine Vermarktung als DVD wäre viel wahrscheinlicher”.

Die Krankenstation, sowie Brücken von fremden Schiffen wurden extra für diesen zweiten Teil konstruiert. Die Teile der Enterprise-Brücke, die beim Angriff des Roten Imperiums im ersten Teil zerstört wurden, mussten repariert werden.

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Jürgen Kaiser hat hauptsächlich professionelle Sprecher und Schauspieler aus ganz Deutschland für das Projekt gewinnen können. T’Pol-Sprecherin Sabrina Heuer hat bei den meisten der Aufnahmen per Skype Regie geführt, um das Zusammenspiel der Rollen und die Umsetzung der Charaktere in eine Einheit zu bringen.

Die Audiospur mit den Dialogen bieten die Basis für den Stopmotion-Dreh. “Wie in großen Animationsproduktionen werden zuerst die Stimmen aufgenommen. Danach werde ich die Szenen drehen. Ich glaube, dass die Geschichte dann noch flüssiger erzählt werden kann”, so der Amateurfilmer.

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Für diesen Dreh wurde neue Technik angeschafft. Für die Bilder in HD-Qualität benutzt der Filmemacher eine Canon 50D. Die Stop-Motion-Sequenzen werden mit der Profisoftware Stop Motion Pro realisiert. Diese Software wird z.B. auch bei der Produktion von ‘Wallace & Gromit’ verwendet. Dazu konnte das Team um Jürgen Kaiser eine Kooperation mit der Digital Broadcast Systems TV-Studio Vertriebs GmbH eingehen, die dieses ambitionierte Projekt unterstützt.

‘Der Anfang vom Ende’ wird voraussichtlich noch 2013 zu sehen sein. Und dann auch in einem richtigen Kino. Dann werden die zwanzig Leute, die insgesamt fünf Jahre an dem liebevoll inszenierten Spaß gearbeitet haben, den Lohn für ihre Mühen erleben wie die ganz Großen!

Fotos: Jürgen Kaiser