Dienstag, 26. März 2013, 21:51 Uhr

Gestatten, das sind Johnossi aus Schweden

Unverkennbar sie selbst, und doch jedes Mal ganz anders – so lässt sich die musikalische Entwicklung von Johnossi wohl am ehesten beschreiben. Wie wichtig für sie Erneuerung, Veränderungen und kreative Übergangszonen sind, hat sich das Duo schon mit dem Titel des vierten Studioalbums auf die Fahne geschrieben: „Transitions“.

Zehn Tracks, die allesamt ganz deutlich ihren unverwechselbaren Stempel tragen, und doch findet sich auf „Transistions“ nichts, was man auch auf ihren früheren Alben hätte finden können. Die erste Single „Gone Forever“ verrät bereits, in welche Richtung Johnossi mit ihrer vierten LP aufbrechen: Sie machen ordentlich Druck, aber auch eine Extraportion Keyboards darf dieses Mal nicht fehlen. (siehe unser Album-Player unten!)

Das neue Werk ist jetzt erschienen.

Schon mit ihren ersten beiden Alben haben Johnossi, also John Engelbert (Gesang, Gitarre) und Oskar „Ossi“ Bonde (Schlagzeug), eine massive Fanbase erobert, und auch die Kritiker wurden sofort hellhörig und sparten bei keinem Release mit Lob. Womöglich lag es sogar daran, dass sich Johnossi eben nicht angepasst, sondern von Anfang nur die Art von Sound gemacht haben, die ihnen gerade in den Sinn kam. Sowohl ihr gleichnamiges Debüt als auch der Nachfolger „All They Ever Wanted“ haben etwas Wildes, Spontanes, man hört sofort, dass sie quasi aus der Hüfte geschossen wurden – wenngleich in vollkommen unterschiedliche Richtungen.

Mit „Mavericks“, Album Nr. 3, und der Single „What’s The Point“ stand für Johnossi dann der endgültige Durchbruch an, allerdings nicht nur kommerziell, denn auch künstlerisch war der Track abermals ein Sprung auf vollkommenes Neuland für die beiden. Ein Sprung, von dem das Publikum offensichtlich nicht genug bekommen konnte: 120 Shows, in deren Rahmen rund 375 000 Fans zu ihren Songs feierten. Kein Wunder, dass Johnossi schon seit Jahren als eine der besten und explosivsten Livebands gelten, die Europa zu bieten hat.

John Engelbert hatte aus ganz persönlichen Gründen große Hoffnungen in „Mavericks“ und die massive Tour danach gelegt: Er hatte sich gewünscht, durch die Arbeit daran endlich jene Last loszuwerden, die ihn davor lange Zeit bedrückt hatte. Sein Plan war es, sich mit dem Album aus einem persönlichen Tief herauszuholen.

„Im Nachhinein glaube ich sogar, dass mir 2009 einfach so vieles auf einmal klargeworden ist, ich hab da ein ganz neues Bewusstsein entwickelt – und in vielerlei Hinsicht hält dieser Prozess bis heute an. Einem gehen plötzlich die Augen auf und man erkennt alles ganz deutlich: die eigenen Ängste, die Geheimnisse des Lebens, und wie sehr man doch von dem, was um einen herum passiert oder auch nicht passiert, abhängig ist und beeinflusst wird.“

„Ich habe lange Zeit schwer mit meiner Existenzangst zu kämpfen gehabt“, sagt John weiterhin, „und natürlich hat sich das auch in unserer Musik widergespiegelt. Viele unserer Songs handeln von einem Gefühl der Verwirrung, oft einfach nur über die Tatsache, dass wir überhaupt existieren. Aus kreativer Sicht betrachtet, hat das für uns sehr gut funktioniert, sich so intensiv mit existenziellen Fragen zu befassen. Das eröffnet automatisch eine viel größere Welt, von der man sich inspirieren lassen kann.”

In der Regel läuft der kreative Prozess folgendermaßen ab: John beginnt allein mit der Arbeit an einem neuen Song und präsentiert dann Ossi irgendwann erste Ergebnisse; dann beginnt der gemeinsame Teil: aus Fragmenten werden Songs, schließlich der Feinschliff im Proberaum. „So arbeiten wir eigentlich immer“, meint Ossi, „aber es kann sogar vorkommen, dass John mit etwas Fertigem ankommt. ‘For A Little While’ wäre so ein Beispiel.“

Im September 2012 waren sie bereit für die Aufnahmen im Studio, allerdings nicht in irgendeinem: Johnossi wählten dieses Mal das Rixmixningsverket-Studio von ABBA-Legende Benny Andersson in Stockholm. Außerdem holten sie den Produzenten und Mixer Lasse Mårtén dazu, der auch schon an „Mavericks“ mitgearbeitet hat; einen Vertrauten an Bord zu haben, war dieses Mal besonders wichtig, schließlich standen so schon reichlich Neuerungen ins Haus: Sie wollten ihren Sound um Keyboards erweitern, nachdem sie mit Martin Hederos (Soundtrack Of Our Lives) schon erfolgreiche Experimente im Proberaum hingelegt hatten. Und mehr noch: Sogar Streicher holten sie dieses Mal ins Studio.

Zusätzlich engagierten Johnossi noch weitere Mitstreiter, z.B. die beiden weltbekannten Produzenten Björn Yttling (Lyyke Li, Primal Scream, Shout Out Louds u.a.) und Pontus Winnberg (Miike Snow), die zusammen als Executive Producer alles überwachen und die nötige Außenperspektive einbringen sollten. Genügend Abstand zu Johnossi hatten sie gewiss: Beide hatten noch nie zuvor mit dem Duo gearbeitet und verfügen so oder so über einen recht eklektischen Background.

Für Ossi und John ist es vollkommen normal, den eigenen Ansatz als Band immer weiter zu verfeinern und stets neue Wege zu suchen. Eine Konzeptband waren sie noch nie, feste Regeln gab’s auch keine. Auch die Tatsache, dass Johnossi ein Duo sind, ist eher dem Zufall geschuldet: so hat sich’s halt ergeben. Der Titel „Transistions“ sei, so Ossi, ein Versuch, sich mit dem stetigen Wandel anzufreunden: „Wir versuchen, das meiste, was in unseren Leben zurzeit passiert, zu bejahen; und vieles ist da nun mal im Wandel, im Übergang: etwas Neues beginnt, wir müssen etwas anderes zurücklassen, und so geht es für uns oft um dieses Gefühl, das wir als Künstler und als Menschen haben, wenn diese Übergänge und Veränderungen stattfinden.

Das neue Album handelt auch viel von der Band selbst, von der Zeit, die wir miteinander verbracht haben, und von allem, was so passiert ist, seit wir irgendwann in unseren Zwanzigern gemeinsam angefangen haben. Und mal ehrlich: Die beiden Typen, die vor acht Jahren unser Debütalbum aufgenommen haben, hätten es nie und nimmer geschafft, so ein Album wie ‘Transisitons’ aufzunehmen.“

Wie unschwer zu erkennen, geht es ums persönliche Vorankommen, ums Ausschöpfen des eigenen Potenzials und nicht zuletzt um die Gestaltung der engen Freundschaft, die sie verbindet: „Ja, um zu feiern, dass wir das Album fertig eingespielt hatten, sind wir erst mal zwei Wochen nach Peru gefahren, weil wir uns etwas Gutes für die Seele tun wollten”, so John.

„Überhaupt ist uns wichtig, auch etwas anderes als Musik zu machen. In erster Linie sind wir nun mal sehr gute Kumpel”, stellt Ossi fest. „Im Moment gibt es für uns nichts anderes als Johnossi. Wir sind schon immer voll und ganz auf das konzentriert, was gerade bei uns ansteht; und wir werden so weitermachen, bis es irgendwann keinen Spaß mehr macht. John und ich, gemeinsam gegen den Rest der Welt, so einfach ist das. Ein Ende ist da nicht in Sicht.“

Fotos: Universal, Facebook