Samstag, 30. März 2013, 15:10 Uhr

Jacco Gardner mit Albumdebüt: Psychedelic-Trip zurück in die Sixties

Staunend steht das Kind im bunten Zauberwald – ‘Cabinet of Curiosities’ hat der Niederländer Jacco Gardner sein Debütalbum genannt, das in 1960er Jahren wurzelt und eine Art Wiederbelebung ist.

Groß angelegte Erinnerungen an Musik-Ikonen hat Konjunktur: Nachdem der Franzose Rover erst kürzlich eine eindrucksvolle Hommage an den Bowie der Glamrock-Ära vorgelegt hat, schreitet Gardner noch ein paar Jahre zurück, um (vor allem) an Syd Barrett zu erinnern.

Der legendäre Mitbegründer von Pink Floyd, der nach übermäßigen Drogengenuss weggedriftet war, und der mit den Soloalben ‘The Madcap Laughs’ und ‘Barrett’ nur einen Bruchteil seines Talents abrufen konnte, lugt bei jedem Song hervor.

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‘Cabinet of Curiosities’ ist vielleicht das Album, das Barrett nie aufgenommen hat. Dabei aber entfernt sich Jacco Gardner immer wieder geschickt von seinem Vorbild und entgeht damit jedem Verdacht, lediglich eine alte Psychedelic-Formel nur aufbereitet zu haben – auch wenn die Farbprojektionen bei seinen Live-Auftritten direkt aus dem UFO Club zu kommen scheinen, in dem Pink Floyd am Anfang ihrer Karriere ständig aufgetreten sind.

Vor allem Gardners leicht nach oben verschobener, leicht verhallter Gesang, begleitet von zahlreichen anderen im Hintergrund herumschwirrenden Stimmen gibt ‘Cabinet of Curiosities’ das rechte Sixties-Flair. Seine unverwechselbare Note erhält das analog produzierte Album zudem durch den Einsatz eines Cembalos, das Gardner besonders liebt, weil es in der Pop-Musik eigentlich nicht eingesetzt würde: «Das Cembalo in Kombination mit knackigen Drums, Bass und Gitarre funktioniert richtig gut», meint Jacco Gardner, der gerne auch auf Streicher zurückgreift. Das alles zusammen gibt eine wunderbare Mixtur aus Psychedelic, Kammer- und Pathos-Pop.

An den 60er Jahren würde ihn das Gefühl von Freiheit und eine gewisse Unschuld anziehen, meinte Gardner im Interview mit der Website «Sweet tea, music and pumpkin pie». Dabei entpuppt sich das 24-jährige Multitalent – bis auf die Drums hat Gardner das ganze Album selbst eingespielt – zudem als Wunderknabe. Den ältesten Song von ‘Cabinet of Curiosities’ hätte er bereits mit 17 Jahren geschrieben, verriet er.

Das Coverbild mit Zauberwald ist mit Bedacht gewählt, denn den 12 Songs von Jacco Gardner hängt etwas Feenhaftes und Verwunschenes an. Das ‘Cabinet of Curiosities’ erweist sich dabei als ebenso magischer wie charmanter Trip in eine verwunschene Welt, in der es aber auch melancholisch oder gruselig zugeht. Eine traurige Geschichte erzählt etwa der Song ‘The Ballad Of Little Jane’, in dem ein Mädchen im Schatten sitzend auf ihren Liebsten wartet und wartet und wartet. Ist es Zufall, dass sich ‘Little Jane’ auf ‘Arnold Layne’ reimt, den von Syd Barrett geschriebenen Pink-Floyd-Hit? (Wolfgang Marx, dpa) 032

Jacco Gardner

Jacco-Gardner

Fotos: Nick Heldermann