Sonntag, 14. April 2013, 19:56 Uhr

Briten-Kultband "British Sea Power" wird immer besser und besser

Etwas Düsteres und Experimentelles haftet dieser Britrock-Kultband immer noch an. Aber mit ihrem sechsten Album kommen British Sea Power der Helligkeit des Pop so nah wie selten zuvor. Eine überfällige und hochwillkommene Entwicklung.

Der UK-Postpunk von Joy Division, The Jesus And Mary Chain oder The Cure wurde oft zum Vergleich herangezogen für diese vor allem als tolle Liveband gepriesene Indie-Truppe aus dem südenglischen Seebad Brighton. Und natürlich geben sich BSP-Sänger Scott Wilkinson alias Yan und seine Mitstreiter auch auf ‘Machineries Of Joy’ (Rough Trade) nicht mit biederen Mainstream-Songs zufrieden.

Mit dem elektropunkigen ‘K Hole’ und dem verschachtelt bowie-esken Rocker ‘Loving Animals’ haben British Sea Power auch durchaus noch sperriges Material im Programm. Aber die Leichtigkeit von Liedern wie ‘Spring Has Sprung’ (für das U2 vermutlich töten würden) oder dem bläserverzierten ‘Radio Goddard’, die pure Schönheit der Ballade ‘What You Need The Most’ – das kannte man von den vorherigen Platten dieses Sextetts eben eher nicht.

Hier wird in schwerelosen Melodien geschwelgt, die melancholische Stimme des Sängers darf sich wohlig ausbreiten, und die Musiker lösen all jene Verkrampfungen, die manche ihre Werke früher arg anstrengend machten. Schon der krautrockig treibende Opener und Titelsong mit der tröstlichen Textzeile «Help is on the way» gibt die neue Richtung vor – ganz ohne zu verleugnen, dass British Sea Power ja im Prinzip eine intellektuelle Rockband sind.

Oder, wie kürzlich die ehrwürdige ‘Times’ in ihrer Würdigung von ‘Machineries…’ treffsicher feststellte: Dies sind bei aller unüberhörbaren Intelligenz “unwiderstehliche Songs, angetrieben von ansteckendem Enthusiasmus”. Dieser Eindruck hält sich bis zum faszinierenden, mit Streicher- und Geisterchor-Arrangement geradezu unwirklich schönen Schluss-Song ‘When A Warm Wind Blows Through The Grass’.

Die irischen Villagers haben mit ihrem zweiten Album ‘Awayland’ in diesem noch jungen Jahr die Messlatte sehr hoch gelegt für großen Indie-Pop, der sich ganz unverhohlen an denkende Menschen richtet. British Sea Power liefern zu dieser beeindruckenden Schlaumeier- und Kopfhörermusik nun das englische Gegenstück. Dass eine Band nach weit mehr als zehn Jahren im Geschäft ihre beste Platte veröffentlicht, ist fast noch bemerkenswerter.

Konzerte im Juni: 19.6. Zürich, 20.6. Wien, 22.6. Scheeßel (Hurricane), 23.6. Neuhausen (Southside), 24.6. Köln, 26.6. Wiesbaden, 27.6. Berlin. (dpa) 045