Dienstag, 23. April 2013, 14:44 Uhr

Marla Blumenblatt ist die Retro-Entdeckung des Frühjahrs

Marla Blumenblatt nennt sich die tollste Retro-Pop-Queen dieses Frühjahrs und die singt von heißen Boys und fruchtiger Eiskrem, von feuchten Gefühlen an sonnigen Tagen und einer rosa Badewanne im schattigen Hain, in welche sie sich gern ihre Jungs winkt, mit einer Geste, die keinen Widerspruch duldet.

“Immer die Boys” heißt das Debütalbum von Marla Blumenblatt.

Ihr Debüt als Künstlerin ist das allerdings nicht wirklich, fast zehn Jahre hat sie zuvor schon getanzt. In Wien ist sie als Kind mazedonischer Eltern aufgewachsen, studierte zunächst klassisches Ballett, Mit einem Begabtenstipendium in der Tasche verlässt sie später Wien und geht nach New York. Aber auch dort ist die klassische Form des Tanzes zu eng, das Repertoire zu klein.

Im Ballett gibt es nur Mädchenrollen, keine souveränen Frauen. Darum wirft sie irgendwann alles hin und geht nach Paris. Doch Tanzen war nicht genug. So geht sie zurück nach New York und nimmt dort Gesangsunterricht: nach der Method-Acting-Methode, den ganzen Körper benutzend und in Schwingung versetzend, ohne Rücksicht auf Vorbilder oder Dogmen, nur am besten und eigensten Ausdruck orientiert.

Seit letztem Jahr lebt Marla Blumenblatt in Berlin, der Stadt, in der sie ein Team und ein Studio gefunden hat, wo sie fast ein Jahr mit dem Songschreiben und Arrangieren, dem Einspielen und Aufnehmen zubrachte und der sie dann auch gleich ein Lied widmete. „Die Lichter von Berlin“ sind Sinnbild, sind „tausend Gesichter einer Stadt“, die erzählen wer sie, Marla Blumenblatt, ist.

So facettenreich wie ein Spiegelbild, das in tausend Scherben bricht: Gangsterbraut, Kapitän zur See, gut gelaunte und auch traurige Verlassene und eine, die dem alten Röhrenfernseher hinterher trauert.

Wenn man sie lässt, redet Marla stundenlang über antike Mikrofonmarken und den warmen Sound aus Röhrenverstärkern. Die Fünfzigerjahre-Musik, die sie so liebt – Wanda Jackson und Caterina Valente, Trude Herr aber auch Frank Sinatra, klassische Surf-Songs und den Rock’n’Roller und späteren James-Bond-Komponisten John Barry – hört sie am liebsten auf den Originalplatten.

Sie hat eine große Schellacksammlung zuhause und ein Grammophon.

Ach, das alles sind doch alles so wunderbare Geschichten, die neugierig auf noch viel mehr machen…