Robbie Williams kommt: Das große Interview zur Deutschland-Tour

Samstag, 29. Juni 2013, 20:07 Uhr

Am 10. Juli kommt Robbie Williams mit seiner „Take The Crown“-Stadiontour für insgesamt vier Konzertermine nach Deutschland.

Beim Vorab-Interview in London erzählt der sympathische 39-jährige Brite von „Angels“-Momenten, toten Winkeln und Menschenansammlungen, die ihm nicht geheuer sind.

Robbie Williams - CMS Source(1)

Mr. Williams, ich habe Sie im letzten Sommer ein wenig vermisst, wo ich Take That doch im Jahr zuvor gleich mehrmals live erleben durfte.
Auf der „Progress“-Tour? Das ist nett. Hat es Ihnen gefallen?

Na klar! Besonders die Pirouetten zum Klassiker „Pray“!
Oh ja, unsere Pirouetten kamen immer sehr gut an. Haben Sie Bier getrunken?

Nein, warum fragen Sie?
Weil Take That an Orten wie Manchester die Bier-Rekorde im Stadion gebrochen haben. Bei uns wurde mehr Bier getrunken als beim Fußball! Und da sagt man immer, unsere Konzerte wären nur was für Frauen!

Gleiches gilt wohl auch für Ihre eigenen Konzerte. Würde es die „Take The Crown“-Solotour ohne die Take-That-Reunion überhaupt geben?
Nein, garantiert nicht! Vor der Reunion mit den Jungs war ich extrem gelangweilt, lethargisch und in Bezug auf meine Karriere absolut apathisch. Ich musste meine Bühnenangst überwinden, Selbstbewusstsein tanken und mein Mojo wieder finden. Deshalb war die Tour mit den Jungs so wichtig für mich. Ich bin wieder heiß auf die Euphorie im Stadion!

Fühlen Sie sich sexy auf der Bühne?
Nein, ich gebe lediglich vor, mich sexy und großartig zu fühlen. Wirklich, das ist es, was ich tue!

Robbie Williams (2012) - CMS Source

Aber Sie sind doch derzeit prima in Form, so wie Sie aussehen!
Ich kann nun mal nicht auf die Bühne gehen, wenn ich an Gewicht zulegt habe. Es lässt mich einfach nicht gut fühlen. (Beugt sich rüber und spannt die Armmuskeln an) Fassen Sie mal an! Besonders den Muskel hier hinten, der war harte Arbeit.

Ja, danach fühlt er sich auch an.
Wenn ich nicht arbeiten würde, säße ich jetzt vorm Fernseher, würde Kuchen und meine Lieblings-Chips von Kettle futtern und in die Breite wachsen. Insofern ist diese Tour für mich das beste Gewichtsreduktionsprogramm.

In einem Ihrer Blogs auf Ihrer Webseite haben Sie mal geschrieben, dass Sie eine ausgeprägte Agoraphobie haben.
Ja, das klingt paradox für einen Popstar, nicht wahr? Aber ich fühle mich wirklich unwohl bei größeren Menschenansammlungen. Und ich verlasse nur ungern das Haus.

Haben Sie irgendeine Erklärung, warum das so ist?
Nein, nicht wirklich. Es ist nicht so überwältigend, dass ich aufhöre, es zu tun oder gar nicht mehr vor die Tür treten möchte. Aber ich bin nun mal lieber im Haus. Mein Vater ist diesbezüglich übrigens genauso, und er ist nicht berühmt.

Fühlen Sie sich denn in diesem Moment wohl, in dieser Hotelsuite mit mir zu sitzen?
Ja, alles ist cool, danke der Nachfrage! Ich weiß wirklich nicht, ob das so ein Ruhm-Ding ist oder einfach in meiner DNS liegt. Ich mag es nicht, Konzerte zu besuchen, tue es deshalb auch sehr selten. Ich mag es nicht, ins Kino zu gehen oder sonst irgendwo hin, wo zu viele Leute sind. Meine Karriere ist es, die mich dazu zwingt, mich unter Menschen zu begeben.

Robbie Williams - CMS Source

Aber das bringt auch schöne Momente mit sich: Bei Ihrem Klassiker „Angels“ singt immer das ganze Stadion mit. Ein irres Gefühl?
Absolut! „Angels“ ist sowieso ein besonderer Song für mich, denn er hat mir meine Karriere geebnet. Es ist bei jedem Album meine Ambition, ein zweites „Angels“ zu schreiben. Bisher ist mir das leider nicht gelungen. Das Lied ist deshalb auch eine Motivation für mich, weiter zu machen.

Was motiviert Sie sonst noch, es wieder allen zeigen zu wollen?
Das ist wie bei Bayern München: Es gibt immer eine neue Saison, es gibt einen neuen Wettbewerb! Und das übt momentan eine ungeheure Anziehung auf mich aus. Ich bin mir sicher, dass ich auch irgendwann in meiner Karriere an den Punkt komme, wo meine Konkurrenz denkende Natur sich ein wenig legt. Aber noch bin ich nicht soweit, noch habe ich den Ehrgeiz zu kämpfen.

Braucht man als Popstar nicht sogar das Konkurrenzdenken?
Vermutlich. Wenn man sich Leute wie Elton John oder Paul McCartney ansieht, sind die immer noch so wetteifernd wie früher. Und die wollen immer noch im Radio gespielt werden, die wollen immer noch unverzichtbar sein. Dafür kannst du Leute nicht verurteilen. Weil es in der menschlichen Natur liegt, erfolgreich zu sein. Sonst wären wir alle tot, und keiner wäre mehr hier. Aber wer weiß? Vermutlich liegt meine Zukunft ja im Swing? Dann gibt es den freundlichen, sanftmütigen Robbie Williams für alle.

Robbie Williams-Tour

Sie haben sich selbst mal als nachdenklichen, unbeholfenen Mann beschrieben. Ist das die Seite an Ihnen, die die Öffentlichkeit nicht zu sehen bekommt?
Ach, ich habe doch so viel von mir preisgegeben! Aber gleichzeitig denke ich, dass die Bühnenperson Robbie solche Überzeugungskraft hat, dass die Leute annehmen, ich sei auch privat so – aber dem ist nicht so.

Was mag Robbie Williams heute an sich?
Hm, schwierig. Ich würde sagen, da ist nicht mehr dieser tiefe Selbstekel, den ich einst für mich hatte. Aber was mag ich an mir selbst? Ich weiß es nicht. Ich habe da eine konstante Neurose. Eigentlich denke ich, dass ich ein guter Typ bin. Das denke ich schon seit meinen Zwanzigern. Aber bin ich ein guter Typ? Oder bin ich doch ein Psychopath? Verdammt, ich bin eventuell ein Psychopath! Dann habe ich mir wohl die ganze Zeit selbst etwas vorgemacht.

So denken Sie über sich?
Das ist zumindest, was manchmal in mir vorgeht. Vielleicht ist meine Selbstwahrnehmung völlig falsch: Es könnte doch sein, dass ich ein verdammter, egoistischer, narzisstischer Alptraum bin! Denn Menschen haben tote Winkel beim Blick auf sich selbst. Was ist mein toter Winkel? Haha, ja, vielleicht bin ich echt ein Arschloch.

„Take The Crown“ Stadiontour:

10.07. Gelsenkirchen, Veltins-Arena
27.07. Hannover, AWD-Arena
07.08. München Olympiastadion
11.08. Stuttgart, Mercedes-Benz-Arena

Interview: Katja Schwemmers. Fotos: Universal Music