Montag, 12. August 2013, 18:56 Uhr

Angela Merkel über ihren Ehemann, ihre Eltern und zuviel Kirsch-Wein

Bundeskanzlerin Angela Merkel plauderte im Interview mit der Illustrierten ‘Neon’ ungewohnt freimütig über junge Leute, die nicht mehr alles haben wollen, ihre Jugendsünden, ihre Eltern und ihren Gatten. Klar, es ist Wahlkampf.

Angela Merkel: "Ich bin für meine Mutter ein einfach zu beobachtendes Kind"

Die Kanzlerin findet zum Beispiel, dass junge Menschen in Deutschland es heute schwerer haben als früher. “Ich habe den Eindruck, dass junge Erwachsene durchaus einiges an Druck empfinden, denn etwa die Gewissheit, beruflich irgendwo anzufangen und dort dann auch zu bleiben, ist so nicht mehr selbstverständlich. Also fragen sie sich, wie oft sie sich verändern müssen, wie flexibel sie sein sollten und wie sie das mit ihren privaten Wünschen und Bedürfnissen unter einen Hut bringen können.”

Sie erkennt eine Besonderheit dieser jungen Generation. “Die Einstellung zum Eigentum hat sich dahingehend verändert: dass sie nicht mehr unbedingt alles besitzen wollen, sondern es ihnen schon reicht, es nutzen zu können – also kein eigenes Auto, dafür Carsharing.”

Das Unvernünftigste, was Angela Merkel in ihrer eigenen Jugend gemacht habe, verriet sie auch: “Zu viel Kirsch-Wein getrunken. Da tritt die alkoholische Wirkung noch schneller ein als bei normalem Rotwein, das habe ich unterschätzt.”

Merkel spricht in dem Interview auch über ihr Verhältnis zu ihren Eltern und erinnert sich an ihren verstorbenen Vater. “Mein Vater ist vor knapp zwei Jahren gestorben. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als wir Geschwister es in den Sommerferien zum ersten Mal schafften, unseren im Wasser stehenden Vater umzuwerfen. Auf einmal ging das. Da merkte ich: Jetzt nehmen unsere körperlichen Kräfte zu und die des Vaters langsam ab.”

Über das Verhältnis zu ihrer Mutter sagt Merkel: “Man bleibt immer Kind, solange die Eltern leben. Aber sie sagt mir nicht mehr, was ich zu tun habe. Heute bin ich es, die sich umgekehrt auch ein wenig um meine Mutter kümmert.” Verstecken kann sich Merkel vor ihrer Mutter nicht, vor allem nicht, wenn Merkel gerade in der Tagesschau zu sehen war. “Sie sagt manchmal: Du sahst müde aus. Ich bin für meine Mutter ein einfach zu beobachtendes Kind. Es wird ja regelmäßig darüber berichtet, wo ich gerade bin.”

Dass sie als Kanzlerin sehr viel arbeite, schade der Beziehung zu ihrem Mann Joachim Sauer allerdings nicht, verriet Merkel. “Mein Mann arbeitet selber sehr viel. Und sehr gerne.” Skype nutze sie für ihre Beziehung allerdings nicht. “Telefonieren reicht uns. Außerdem haben wir das Glück, dass Berlin nicht nur unser Arbeitsort ist, sondern immer schon unser Zuhause.”

Schon mit 23, als sie zum ersten Mal geheiratet hat, glaubte Merkel noch an die große Liebe. Das tue sie noch heute. Ihr Ratschlag für eine gute Beziehung: “Sich ausreichend Freiheit gönnen, gegenseitig Toleranz üben.”

Foto: WENN.com