Freitag, 16. August 2013, 23:50 Uhr

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

Matt Damon (42) und Michael Douglas (68) machten seit Monaten Schlagzeilen mit dem Film “Behind the Candelabra”. Als “Liberace” kommt der Streifen am 3. Oktober in die deutschen Kinos. Wir schauen schon mal hinter die Kulissen!

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

Und darum geht’s: Der 20-jährige Landjunge Scott Thorson ist fasziniert, als er 1977 erstmals in Las Vegas eine Show des Entertainers Liberace erlebt. Für den exaltierten Künstler ist es hingegen Lust auf den ersten Blick: Eine leidenschaftliche Affäre entwickelt sich, Scott zieht in Liberaces Anwesen und wird als Chauffeur engagiert – um den Schein zu wahren.

Der Junge ist zu geblendet von all dem protzigen Luxus (und später vernebelt von Tabletten und Drogen), um zu erkennen, dass er vereinnahmt wird – und alsbald abserviert werden soll…

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

Während seiner gesamten Karriere war Liberaces Privatleben Gegenstand von Neugier und Spekulationen – trotz der unerschütterlichen Bewunderung seiner weiblichen Fans, trotz seiner eigenen standhaften Beteuerungen und Dementis. Es war die Zeit, die es berühmten Persönlichkeiten nur im Privaten erlaubte, schwul zu sein, und sie, zum eigenen Schutz gezwungen waren, eine öffentliche Figur zu präsentieren, die sie nicht waren.

In den 50ern verklagte Liberace eine Londoner Zeitung, die angedeutet hatte, er sei homosexuell – und gewann. Noch in den 80ern hielt er das Bild des Heterosexuellen aufrecht (er starb 1987 im Alter von 68 Jahren). Selbst in seiner Autobiografie tischt er hartnäckig die selbsterfundene Legende auf, die Enttäuschung aus einer frühen leidenschaftlichen Liebe zu der Jahrzehnte älteren norwegischen Eiskunstläuferin Sonia Hennie habe ihn für immer unfähig gemacht, jemand anderen zu lieben.

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

Auch sein Leben mit Scott Thorson hatte hinter dem Bühnenvorhang zu verschwinden. Selbst als Thorson ihn auf Unterhaltszahlungen verklagte, nachdem Liberace ihn rausgeworfen hatte, leugnete er beharrlich, schwul zu sein und dass sie ein Liebespaar waren. Genau das war eines der Haupt-Gründe für Produzent Jerry Weintraub “Liberace” zu produzieren: „Ich wollte einen Film machen, der zeigt, dass wir uns entwickelt haben. Dass der Mensch, dass unser Land, dass alle Menschen auf der Welt sich weiter entwickeln können, zumindest, was diesen Aspekt des Zusammenlebens angeht. Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden jetzt eher anerkannt, an vielen Orten sind sie erlaubt. Schwul-Sein fängt an, sein soziales Stigma zu verlieren.“

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

Jerry Weintraub (* 1937, Foto oben mit Steven Sodebergh) ist eine der letzten großen Produzentenlegenden, sowohl im Hollywood des Kinofilms als auch im Entertainment Business.

Er hat unter anderem Robert Altman’s “Nashville“ produziert, Soderbergh’s drei „Ocean’s“ Filme, die vier „Karate Kids“, „Diner“ und „Cruising“. Seine Karriere begann Jerry Weintraub als Konzertveranstalter.

Er managte Elvis Presley, Frank Sinatra, Led Zeppelin, Bob Dylan, Neil Diamond, John Denver und die Beach Boys. Als Regisseur Steven Soderbergh mit der Frage anrief, was er davon halten würde, Liberaces Leben zu verfilmen, war Weintraub sofort begeistert.

„Zu erst einmal kannte ich Liberace persönlich ziemlich gut und fand immer, dass er eine unglaubliche Persönlichkeit besitzt, die seiner Zeit weit voraus war. Zweitens: Wenn Steven sich für einen Stoff interessiert, bin ich schon deshalb sofort angespitzt, weil er mein absoluter Lieblingsregisseur ist.“

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Der Anruf von Soderbergh war lange überlegt. Dreizehn Jahre zuvor hatte er mit Michael Douglas ‘Traffic’ gedreht. Douglas erinnert sich: „Irgendwann fragte Steven plötzlich mittendrin: ‚Hast Du eigentlich mal daran gedacht, Liberace zu spielen?’ Ich dachte erst, er will mich auf den Arm nehmen.“ Soderbergh ergänzt: „Ich weiß auch nicht, wieso das plötzlich durch meinen Kopf geschossen kam. Auf jeden Fall hat Michael aus dem Stand mit einer Liberace-Improvisation geantwortet, die hat uns alle platt gemacht hat.“ Das reichte.

Soderbergh und der ausführende Produzent Greg Jacobs machten sich auf die Suche nach einer passenden Story für ein Liberace-Projekt. Aber Soderbergh fand zunächst keine Struktur, keinen Rahmen. „Ich kam da einfach nicht ran. Ein herkömmliches BioPic über Liberace zu machen, fand ich unpassend. Aber einen eigenen Ansatz hatte ich auch nicht. Ich erzählte einem befreundeten Autor, dass ich wahnsinnig gern einen Film über Liberace machen würde, aber nicht die leiseste Idee hätte, wie man da eine eigenständige Story hinkriegen könnte. Er antwortete: „Lies einfach mal Scott Thorson’s ‘Behind the Candelabra’.“ „Wow,“ sagte ich, „das ist ja der beste Titel, den ich je gehört habe.“

Soderbergh weiter: “Also las ich das Buch und wusste, das ist der Ansatz: Diese Beziehung gibt uns den Rahmen. Damit und zusammen mit Jerry Weintraub streckten sie die Fühler aus, um Matt Damon, den „Ocean’s Eleven“- Veteran, mit an Bord zu holen. Der Oscar-nominierte Autor Richard Lagravanese wurde für das Drehbuch angefragt. „Das Allerwichtigste war, dass jeder sofort begreift, dass Liberace nicht im Mindesten eine Knallcharge war, “ betont Steven Soderbergh. „Als Musiker war er ein echter Virtuose. Und dann war er mit jeder Faser ein Entertainer. Seine unglaubliche Präsenz und Erfahrung hat jeden umgehauen, der ihn auf der Bühne erlebte. Das gibt es sehr selten, dass jemand beide Fähigkeiten zusammen besitzt. Es war extrem wichtig, dass die Zuschauer das begreifen und ihn ernst nehmen. Sonst wäre die Figur bloß eine Karikatur geworden und der Film ein Joke, bestenfalls.”

“Der zweite Aspekt”, so Soderbergh, der mich begeisterte, sowohl im Buch als auch in der Film-Story, war, dass der Streit, den die beiden ab einem bestimmten Punkt der Geschichte haben, etwas ist, was jedes Paar kennt. Das einzige Ungewöhnliche daran ist, dass diese Zankereien in einem so offenkundig fantastischen Ambiente stattfinden. Trotzdem haben wir ihre Beziehung dabei absolut ernst genommen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, nach all unseren Recherchen, dass es eine wirkliche, tiefe Liebesbeziehung war. Immerhin, jedenfalls bis dahin, war es die mit Abstand längste Beziehung, die Liberace je hatte. Also habe ich verschärft aufgepasst, dass wir keinen Millimeter in Richtung Parodie abrutschen, zumindest was die beiden Charaktere angeht und ihre Liebe zueinander.“

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

„Steven ist ein Regisseur, der es immer wieder schafft, hochkarätige Schauspieler für seine Filme zu gewinnen, auch in kleineren Rollen,“ fügt Jerry Weintraub hinzu. Hier sind es Dan Aykroyd, Scott Bakula, Rob Lowe, Tom Papa und natürlich Debbie Reynolds, die damals sogar mit Liberace befreundet war. „Die Schauspieler drängeln sich deshalb so danach, mit Steven zu arbeiten, weil er ihnen Platz gibt. Sie sind immer gut bei ihm, weil sie in der Sicherheit spielen, dass er mit seiner Kamera stets für sie da ist, um sich genau das zu schnappen, von dem sie wollen, dass es geschnappt wird.“

Über den Anteil von Jerry Weintraub an dem Projekt schüttet wiederum Rob Lowe, der mit unverhohlenem Genuss den schmierigen Schönheitschirurgen Dr. Startz spielt, wahre Lobeshymnen aus: „Hollywood war ein glücklicherer Ort, als noch mehr Leute wie Jerry das Sagen hatten. Wir können dankbar sein, dass wenigstens er noch da und immer noch obenauf ist. Seine Liebe zum Kino ist die pure Obsession. Es war zum Beispiel nicht erforderlich, dass er jeden Tag am Set stand. Aber Jerry war da, von der ersten bis zur letzten Klappe. Er hat mehr gemacht, mehr erlebt und mehr gesehen, als jeder von uns und als wir uns alle zusammen vorstellen können. Das ist ein wahnsinniger Ansporn.“

Matt Damon und Michael Douglas: "Liberace" kommt im Oktober ins Kino

On Location in Los Angeles, Palm Springs und Las Vegas gedreht, sollte der Film auch von der Authentizität des Filmemachens selbst leben.

Zahllose Drehorte, Kostüme und die Ausstattung stammen unmittelbar aus Liberaces Leben. Es wurde u.a. in seinem Original-Penthouse in L. A. gedreht, im United Postal Center, wo Scott Thorson nach ihrer Trennung gearbeitet hat, in der „Our Lady of Solitud“- Kirche in Palm Springs, wo die tatschliche Trauerfeier für Liberace statt fand, und nicht zuletzt auf der Original-Bühne und im Backstage des damaligen Las Vegas Hilton, auf der Liberace Abend für Abend, oft zweimal hintereinander, auftrat.

LIBERACE_Plakat

Fotos: DCM