Samstag, 24. August 2013, 15:59 Uhr

Jean Michel Jarre: Der französische Elektro-Pionier wird 65 Jahre jung

Jean Michel Jarre mixt Töne wie andere Ingredienzen beim Kochen.

Jean Michel Jarre: Der französische Elektro-Pionier wird 65 Jahre jung

“Die elektronische Musik ist sehr nah am Essen und Kochen. Man mixt die Zutaten, die Gewürze”, sagte der König der Amplituden-Musik dem Nachrichtenmagazin ‘Der Spiegel’ vor seiner Deutschland-Tournee im Jahr 2010.

Mit seinem Synthesizer-Mix ‘Oxygène’ gelangte der Elektronik-Musiker 1976 an die Spitze der Hitlisten und mit seinen Event-Konzerten in das Guinness-Buch der Rekorde. Jarre, der an diesem Samstag (24. August) 65 Jahre alt wird, hat mit seiner Amplituden-Musik die Entwicklung der elektronischen Popmusik nachhaltig beeinflusst.

Der Klangkünstler (auf unserem Foto mit Tochter Emilie) wurde in Lyon geboren, der Hauptstadt der Gastronomie. Dass er seine Kunst mit dem Kochen vergleicht, erstaunt deshalb weniger. In seiner Familie habe man immer gut gegessen, erzählte er dem ‘Spiegel’. Deshalb mixt Jarre fleißig weiter. Seine Welttournee brachte ihn 2010 auch quer durch Deutschland. Dabei fügte er den größten Erfolgen seiner 40-jährigen Karriere neue Kompositionen hinzu. Vor wenigen Tagen spielte er in Tunesien in Karthago.

Mit ‘Oxygène’ schaffte Jarre 1976 den Durchbruch. 1978 folgten ‘Equinoxe’ und 1986 ‘Rendez-vous’. Der Synthesizer ist für den Elektro-Musiker eine der wichtigsten Erfindungen der Musikgeschichte. Statt von dem gegebenen Klang der Instrumente auszugehen, erlaubt das Gerät dem Komponisten neue, nahezu beliebige Klänge zu entdecken. Seine Musik ohne Worte habe einiges Potenzial, wie er in einem Interview der ‘Süddeutschen Zeitung’ sagte. Sie gleiche der lyrischen Abstraktion in der Malerei. Seine Kunst erzähle keine Geschichten, sie erzeuge Stimmungsbilder. Manche Kritiker bezeichnen seine Musik als hypnotisierend, andere als langweilig.

“Zu einem Konzert zu gehen und jemandem dabei zuzusehen, wie er hinter einem Keyboard oder einem Laptop steht, ist weder sexy noch visuell besonders beeindruckend”, erkannte Jarre schon sehr früh. Deshalb setzt er seine Musik in Szene. Nebel, Feuerwerke und Laserballett: Die gigantischen Musik- und Lichtschau-Spektakel zogen in Peking, in Athen vor der Akropolis und in Ägypten vor den Pyramiden von Gizeh Millionen von Zuschauern an.

Sein Live-Konzert zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 1979 lockte etwa eine Million Menschen an. In Moskau zählte man 1998 rund 3,5 Millionen. Doch nicht nur die Weltrekord-Schauen des Ex-Mannes der englischen Schauspielerin Charlotte Rampling sorgten für Schlagzeilen. Im Jahr 2004 füllte die Trennung von Leinwandstar Isabelle Adjani die Seiten der Boulevardpresse.

Jarre stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater, Maurice Jarre, schrieb die Musik zu den Filmen ‘Lawrence von Arabien’ und ‘Dr. Schiwago’. Musikalisch beeinflusst hat ihn der Dirigent und Komponist jedoch nicht. Seine Eltern trennten sich als er noch klein war. Zu seinem Vorbild machte er seinen Lehrer Pierre Schaeffer. Der französische Komponist und Schriftsteller (1910-1995) experimentierte mit Alltagsgeräuschen. Er lehrte Jarre, dass sich die Musik nicht nur auf traditionelle Instrumente und deren festgelegten Tonhöhen beschränke. (dpa)

Foto: WENN.com