Sonntag, 25. August 2013, 15:26 Uhr

Charlotte Roche: "Der Film ist sexier und poppiger als das Buch"

Mit ihrem Bestseller ‚Feuchtgebiete‘ sorgte Charlotte Roche für viel Gesprächsstoff und auch die Verfilmung des Buches, die ab dem 22. August in den deutschen Kinos zu sehen sein ist, hat es absolut in sich.

Charlotte Roche: "Der Film ist sexier und poppiger als das Buch"

Bereits beim Filmfestival in Locarno hagelte es viel Lob für den Streifen, doch eigentlich ist die Autorin viel viel mehr gespannt darüber, was Deutschland über den Film sagen wird, wie Roche jetzt klatsch-tratsch.de erzählte.

„Es ist mir so wichtig, was Deutschland dazu sagt. Für die ganzen Filmleute war Locarno natürlich ganz wichtig. Ich selbst wusste gar nichts davon, das es dieses Filmfestival überhaupt gibt. Für mich ist die Deutschlandpremiere einfach viel wichtiger.“

Außerdem erklärte sie, warum man sich den Film ‚Feuchtgebiete‘ ansehen sollte, denn der Film sei ihrer Meinung von einem Skandalfilm weit entfernt. Und das stelle man nur fest, wenn man ihn sich auch ansiehe.

Roche sagte dazu: „Wenn man mein Buch als Skandalbuch und den Film als Skandalfilm betitelt, dann hat man es nicht gelesen oder gesehen. Weil, das kann man nur behaupten, wenn man es nicht gesehen hat. Denn wenn man den Film gesehen hat, wird man erkennen das er gar nicht so eklig ist. Er hat eben auch sehr viele leise und zarte Seiten und ist stellenweise richtig traurig. Sodass man eher heult anstatt sich ekelt. Es geht aber auch um natürlichen Sex und um natürliche Körper und natürlichen Umgang mit Körperausscheidungen.“

Dennoch räumt Charlotte Roche ein, „die Anfangsszene mit der Toilette kann selbst ich kaum aushalten, weil ich die so ekelhaft finde.“

Obwohl es sich um eine Verfilmung des Buches handelt, sieht die 35-Jährige auch entscheidende Unterschiede zwischen den beiden Werken:
„Carla Juri ist viel schöner, als ich mir Helen immer vorgestellt habe. Der Film ist sexier und poppiger als das Buch. Der Film hat einfach eine so geile Musikbegleitung, die macht so gute Laune, dass man sich denkt, ich habe auch Pickel, blaue Flecken und kurze Beine, juchuh! Ich habe sogar schon von einigen Leuten gehört, nachdem sie den Film gesehen hatten, mein Buch nun ganz anders zu verstehen. In manchen Rezensionen über mein Buch werde ich nun sozusagen rehabilitiert, weil der Film so gut geworden ist.“

Als Produzent fungiert der Schwabe Peter Rommel (‘Halbe Treppe’, ‘Sommer vorm Balkon’, ‘Wolke 9’). Charlotte Roche wählte ihn, weil sie von seiner Arbeit mehr als überzeugt war und nicht weil er ihr das meiste Geld dafür bot: „Der Film ging an den Produzenten, der in seinem Leben noch nie einen schlechten Film gedreht hat. Peter Rommel hat richtig geile deutsche Filme gemacht und ich dachte mir, wenn jemand aus ‘Feuchtgebiete’ einen guten Film macht, dann er.“

Übrigens, Charlotte Roche ist Mutter einer neunjährigen Tochter und die weiß über ‚Feuchtgebiete‘ Bescheid: „Meine Tochter weiß, dass ihre Mutter etwas arbeitet, das nur für Erwachsene ist. Nicht, dass ihr denkt, sie hätte das Buch gelesen, dafür ist sie noch zu jung.“

Und weil ihre Tochter eben genau weiß, was die Mama beruflich macht, schämt diese sich auch ein wenig dafür, doch Roche hat damit kein Problem: „Ich habe großes Verständnis dafür, dass meiner Tochter das peinlich ist, das gehört für mich einfach zur Entwicklung dazu. Jedes Kind darf seine Eltern peinlich finden.“

Und am Ende gibt sie zu: „Meiner Meinung nach, dürfte meine Tochter das Buch erst mit 21 lesen. Und den Film ab 23 sehen.“ (TT)

Foto: WENN.com